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Darabos will Doping-Sportler vor Gericht

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Der rote Sportminister möchte nicht nur sportrechtliche Konsequenzen wie Sperren für die betreffenden Athleten, sondern auch strafrechtliche Folgen.

Der Kampf gegen Doping in Österreich ist auch der Politik ein großes Anliegen. Am Montag tagt erstmals die von Sportminister Norbert Darabos ins Leben gerufene interministerielle Arbeitsgruppe "Anti-Doping" mit Vertretern aus den Ministerien Sport, Justiz, Inneres und Gesundheit. Das Ziel ist eine bestmögliche Vernetzung und koordinierte Zusammenarbeit im Kampf gegen die Doping-Kriminalität.

Darabos' Forderung nach strafrechtlichen Konsequenzen für dopende Sportler trifft aber weiterhin auf Widerspruch. Der frühere Sport- und jetzige Finanz-Staatssekretär Reinhold Lopatka fordert Länder und Verbände zu größeren Aktivitäten auf.

Doping-Sportler im Kriminal?
Der Verteidigungs- und Sportminister will das bestehende Anti-Doping-Gesetz weiter verschärfen und schlägt bei schweren Fällen auch die strafrechtliche Verfolgung von Sportlern vor. Diskutiert wird das am 15. April im neuen Anti-Doping-Unterausschuss im Parlament. "Wir brauchen noch mehr Möglichkeiten, um die Doping-Netzwerke in unserem Land ein für alle Mal zu zerschlagen. Ich stelle mich mit meiner Forderung klar hinter die vielen sauberen, ehrlichen Athleten in Österreich", so Darabos.

Peter Wittmann, SPÖ-Parteikollege von Darabos und Präsident der Bundes-Sportorganisation, ist vehement gegen eine gerichtliche Verfolgung von gedopten Sportlern. "Wir sind dabei, das Gesetz immer weiter zu verschärfen, etwa die Dauer der Sperren zu erhöhen, aber eine Kriminalisierung der Sportler halte ich nicht für richtig." Der Jurist Wittmann sieht die BSO-Position durch den jüngsten Fall bestätigt. "Das Umfeld gehört ausgetrocknet und der Handel, aber auch Besitz großer Mengen von Dopingmitteln streng bestraft. Und genauso wirkt ja das Gesetz."

Ähnlich sieht es ÖVP-Sportsprecher Peter Haubner. "Sportler einfach zu kriminalisieren und mit dem Strafrecht zu drohen ist der falsche Weg, denn es gibt genügend andere Instrumente", findet der Präsident der Sport-Union. "Mit diesen sportrechtlichen Sanktionen sollte das Auslangen gefunden werden, denn immerhin drohen den Sportlern für Doping vier Jahre Sperre. Diese Sanktion ist nahezu einem Karriereende gleichzusetzen."

FPÖ-Sportsprecher Herbert Kickl sieht in der Verlängerung der Dopingsperren und der aktuellen Gesetzeslage eine gute Handhabe im Kampf gegen Doping. Darabos solle sich aber im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall davor hüten, jeden Tag neue Schnellschüsse zu produzieren, meint Kickl und spricht sich ebenso wie Haubner für eine EU-weite Harmonisierung der Anti-Dopingbestimmungen aus.

"Wir haben ihn bezahlt"
Die FPÖ fordert zudem von Ex-Sportstaatssekretär Lopatka volle Aufklärung zu dessen angeblicher Aussage "Die Sache mit (Walter) Mayer ist erledigt. Wir haben ihn bezahlt". Es gehe um den Verdacht, dass es sich um Schweigegeld im Zusammenhang mit dem ÖOC gehandelt habe, Lopatka solle deshalb vor den Sportausschuss geladen werden.

Dieter Brosz, der Sportsprecher der Grünen, fragt Darabos, ob in dessen Zuständigkeitsbereich wirklich alles unternommen werde, um Dopingmissbrauch zu bekämpfen. Die NADA sage selbst, dass sie nicht in der Lage wäre, mit ihren Ressourcen ausreichend aktiv zu werden. Außerdem könnten gemäß § 22 des Anti-Doping-Gesetzes vom Sportminister beauftragte Sachverständige befugt werden, in Räumen, die der Ausübung des Sportes oder der Förderung der Gesundheit oder Fitness gewidmet sind, Nachschau zu halten. "Ich habe den Eindruck, dass Sportminister Darabos und Vorgänger Gusenbauer hier bei weitem nicht alle Möglichkeiten ausgenützt haben, um umfassende Aufklärung zu ermöglichen", meint Brosz.

Lopatka findet, dass die Länder und Sportverbände vermehrt gefordert sind. Mit der Installierung der NADA im Vorjahr seien die Mittel für den Anti-Doping-Kampf auf 1,2 Mio. Euro verdoppelt worden, diese seien aber ausschließlich aus den Mitteln des Bundes gekommen. "Die Länder waren nicht bereit, die Mittel aufzustocken. Momentan trägt der Bund 80 Prozent, vorher war es 50 Prozent", so der Finanz-Staatssekretär.

Kritik ernten auch die Sportverbände. Laut Lopatka ist im Jahr 2007 ein Topf mit einigen 100.000 Euro für "Maßnahmen zur Doping-Prävention" in der Sektion Sport eingerichtet worden. Bis Ende 2008 allerdings hätten von den 59 anerkannten Fachverbänden lediglich 3 um Fördermittel angesucht: Die Verbände Radsport, Segeln und American Football.

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