Silber und Bronze für Karl und Kreiner

ÖSV-Boarder feierten historische Spiele

Österreichs Snowboardsport hat die erfolgreichsten Winterspiele seit der Integration in das Olympia-Programm 1998 hinter sich. Deshalb waren Samstagabend auch gleich zwei Stretchlimousinen von Vancouver Richtung Whistler unterwegs, um Silber von Benjamin Karl und Bronze von Mario Kreiner im Österreich-Haus zu feiern. Die Nacht wurde kurz, denn schon Sonntagmittag ging es zurück in die Heimat.

Nach Bronze für Gitti Köck 1998, Sigi Grabner 2006 und Kreiner 2010 hatte Karl am Samstag am Cypress Mountain erstmals eine Silbermedaille für Österreich gewonnen. Dass beide PGS-Plaketten auch in Gold hätten glänzen können, war ebenso Tatsache wie bei beiden Medaillengewinnern zunächst Tabuthema.

Die Grazerin Kreiner hatte freilich das sicher scheinende große Finale ebenso durch einen Fahrfehler verpasst, wie der Niederösterreicher Karl im Endlauf zehn Tore vor dem Ziel das ebenfalls bereits winkende Gold doch noch an den Kanadier Jasey Jay Anderson weggeschmissen hatte. Karl tröstete sich wenigstens damit, dass mit Anderson (34) und Mathieu Bozzetto (36) vor und hinter ihm zwei Große des Snowboardsports gelandet waren, die am letzten Abdrücker doch noch ihre ersten Olympiamedaillen geholt haben. "Beide haben sich zum Abschluss ihrer Karrieren doch noch ihren Traum erfüllt. Da steh ich also als einzig junges Fleisch zwischen zwei so alten Herren. Aber das sagt nichts, ich will ja selbst bis 40 fahren", sagte der um Sprüche nie verlegene Karl nach der Siegerehrung.

Anderson könne man es nur vergönnen, gab sich der Shooting-Star der Szene sportlich. "Da kann ich grantig sein auf mich selbst wie ich will", deutete der in Lienz lebende Slalom-Weltmeister aus Wilhelmsburg bei St. Pölten aber doch klar an, dass ihn das verpasste Gold ein wenig wurmte.

"Ich bin von Lauf zu Lauf immer stärker geworden, war nicht nervös und dann höre ich ihn im allerletzten Lauf hinter mir und beginne zu hadern, weil ich vor dem Flachen einen Fehler gemacht habe", so der junge Niederösterreicher. "Ich habe mich stressen lassen. Ein Anfängerfehler, der nur junge Leuten passiert", beendete Karl das Thema mit Humor und war überzeugt: "Ich kann gemütlich und zufrieden heimfliegen."

Der 24-jährige war als Sohn einer allein erziehenden, sportlichen und naturverbundenen Mutter schon vor seinem zweiten Lebensjahr auf Ski gestellt worden ("Ich bin nur Schuss gefahren"), hatte sich aber trotz seines sichtbaren Talentes auf zwei Skiern ("Ich war ein sehr guter Skifahrer") doch für das Snowboard entschieden. "Schon im ersten Winter war ich mit dem Board 50 Tage auf Schnee", erinnerte sich Karl an seine Anfänge am Hochkar und in Lackenhof. Dazu kam das Glück, im richtigen Moment den richtigen Menschen begegnet zu sein.

Dass eine Großstädterin und ein "Flachlandindianer" nun für die beste österreichische Olympiabilanz im Snowboard gesorgt hatten, ist bemerkenswert. Wenigstens ist Karl einer der erfrischenden Sorte. Eine Olympiamedaille hatte er ebenso angesagt wie ein Jahr zuvor WM-Gold. Gleich vier Mal will er Olympiasieger werden. "Aber da muss ich wohl fahren bis ich 44 bin", rechnete er kurz nach. "Mal schauen, wie lange die Knochen halten."

Allerdings könnte dem Parallel-Riesentorlauf Gefahr drohen. Die Olympier schielen ganz offensichtlich eher auf neue Freestyle-Disziplinen und haben auch schon den Slopestyle für 2014 in Sotschi integriert. ÖSV-Koordinator Christian Galler dazu: "Den Slopestyle zu integrieren ist okay, aber nicht auf Kosten der Alpinrennen. Dort sind die Felder im Welt- und Europacup am vollsten", so der Steirer.

Galler ist vielmehr sogar für zusätzliche Team-Events im PGS und Cross. "In allen anderen Schneesportarten bekommen die Sportler bei Titelkämpfen mehrere Medaillen-Chancen. Wir hingegen fahren immer nur für ein Rennen um die halbe Welt." Sollten die Snowboarder künftig also wie Alpinskifahrer und Nordische tatsächlich auch mehrere Medaillenchancen pro Großereignis bekommen, kann Karl eventuell schon früher aufhören als erst mit 40.