Radprofis beim Giro 2011

Profis wollen klagen

Radsport: Wirbel um geheime Dopingliste

Veröffentlichung der UCI-Geheimpapiere erregt die Gemüter.

Einer der Hauptbetroffenen bleibt allerdings ganz ruhig. "Mein Leben ändert sich nicht", sagte Radprofi Jaroslaw Popowitsch, der mit zehn Punkten die Liste anführt. Der geständige frühere EPO-Benutzer David Millar aus Schottland schimpfte über einen "Skandal", der Deutsche Danilo Hondo sprach von "Rufschädigung". Die belgische Agentur "Celio Sport & Image", die zwölf Profis vertritt, drohte dem Rad-Weltverband UCI mit einer Verleumdungsklage.

Popowitsch wirkte am Sonntag vor dem Start zur 9. Giro-Etappe dagegen ganz entspannt. Der Ex-Teamkollege von Lance Armstrong meinte, er sei schon so oft im Mittelpunkt von Dopingermittlungen gestanden. "Erst kürzlich durchsuchten Polizisten mein Haus", sagte der Ukrainer. "Die UCI hat mir nicht erklärt, wie meine angeblich zu hohen Werte zustande kamen. Ich hatte keine Krankheit. Ich weiß nicht, wie ich auf zehn Punkte kam", erklärte Popowitsch.

Sein US-Team RadioShack, für das im Vorjahr bei der Tour auch noch Armstrong gefahren war, führt die "Mannschaftswertung" in der Liste an, in der eine Abstufung von null (sauber) bis zehn Punkten (sehr stark dopingverdächtig) vorgenommen wird. "Ich kann mit der Liste nichts anfangen, weil ich nicht weiß, wie sie zustande kam. Wenn Popowitsch so sehr verdächtig ist, frage ich mich, wieso er seit Tour-Ende 2010 bis heute erst zweimal kontrolliert wurde", sagte RadioShack-Teamleiter Wjatscheslaw Jekimow am Sonntag.

Die UCI war um Schadensbegrenzung bemüht, erklärte aber nicht, wieso die angeblich Hochverdächtigen mit den auffälligen Blutwerten wie Danilo Hondo (GER), Popowitsch, Carlos Barredo (ESP) und 24 weitere Fahrer nicht schon längst aus dem Verkehr gezogen wurden. "Wir verfahren nach der Rechtsgrundlage 'Verdacht ist keine Schuld'. Die Liste rechtfertigt nicht, jemanden zu verdammen", erklärte die UCI. Auf der Grundlage der Werte der Biologischen Pässe und der letzten Kontrolle vor dem Tour-Start am 1. Juli 2010 sei in dem Papier eine Klassifizierung vorgenommen worden, die die Zielrichtung künftiger Tests vorgeben sollte.

Tour-Direktor Christian Prudhomme sieht in der Existenz der Unterlagen "den Beweis, wie ernst es dem Radsport in seinem Anti-Doping-Kampf ist". Er bezeichnete das Dossier als "ein Extra-Werkzeug" gegen Doper.