Der Corona-Alltag von zwei Kult-Legenden Jara und Starek

Sitzen in Spanien fest

Der Corona-Alltag von zwei Kult-Legenden Jara und Starek

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Zwei österreichische Fußball-Legenden Kurt Jara und Gustl Starek im ÖSTERREICH-Interview über ihren Corona-Alltag in Spanien.

Valencia/Marbella. Spanien ist im Ausnahmezustand. Zwei große Namen des österreichischen Fußballs sind mittendrin. Kurt Kara (69) und Gustl Starek (75). Die beiden ehemaligen Teamstars sitzen im Süden fest. Jara (59 Länderspiele, Teilnehmer an den Weltmeisterschaften 1978 und 1982) in Valencia, Starek (75), 22-facher Teamspieler, Meister mit Rapid, Nürnberg und Bayern, in Marbella.
 
Beide Legenden haben im Süden einen Zweitwohnsitz und sind seit über zwei Wochen in Quarantäne. Wie es ihnen dabei geht, erzählen sie im ÖSTERREICH-Interview. Starek hat eine Penthousewohnung in Marbella. Dort verbringt er mit seiner Frau Yara normalerweise nur den Winter. Jara besitzt im Sportresort "Oliva Nova" ein Einfamilienhaus. Das hat er sich während seiner Zeit als Valencia-Legionär (1973 bis 1975) zugelegt.
 
 
ÖSTERREICH: Herr Jara, wie ist die momentane Stimmung in Spanien?
 
Kurt Jara: Sehr angespannt. Die Lage ist kritisch. Viele Spanier sind vor allem auf die Bewohner von Madrid sauer, die wegen Corona aus der Hauptstadt ans Meer flüchteten und daher das Virus rasch verbreiteten. Meine Frau Jolanda und ich wollten am 21. März nach Österreich fliegen. Der Flug wurde abgesagt. Darum sind wir noch hier.
 
ÖSTERREICH: Aber es gibt ja Rückholaktionen für Österreicher?
 
Jara: Ich habe mit Jolanda darüber diskutiert. Dann sind wir zum Entschluss gekommen, dass wir dableiben. Ich bin fast 70 Jahre alt, dazu bin ich zuckerkrank. Als Risikopatient setze ich mich ganz sicher nicht ins Flugzeug. Und mit dem Auto die rund 1.700 Kilometer nach Innsbruck zurückzufahren, wäre auch nicht gegangen. Frankreich, Italien und die Schweiz haben ja wie Spanien die Grenzen dicht gemacht. Außerdem hätte es ja nichts gebracht. Wir wären von einem Krisengebiet ins andere gereist.
 
ÖSTERREICH: Aber all Ihre Verwandten leben doch in Tirol
 
Jara: Ich telefoniere auch regelmäßig mit meinem Bruder in Innsbruck. Der ist dort auch in Quarantäne. Ganz ehrlich, da geht's mir in Spanien den Umständen entsprechend sogar besser. Bei uns ist das Klima viel besser als in Österreich, wo das Wetter ständig zwischen kalt und warm wechselt. So gesehen geht es uns ja gut.
 
ÖSTERREICH: Was bekommen Sie vom Ausnahmezustand mit?
 
Jara: Wir wohnen in einer Einfamilienhaussiedlung, wir sehen hier kaum Menschen. Wenn ein Auto in drei Tagen vorbeifährt, dann ist das schon viel. Wir leben jetzt quasi in einem Geisterdorf. Die Situation ist ähnlich wie im Winter, wenn wenig Leute hier sind. In unserer Nähe sind ein Supermarkt und eine Apotheke. Anfangs wollten meine Frau und ich gemeinsam einkaufen gehen, da hat uns die Polizei gleich darauf hingewiesen, dass man das nur noch alleine darf. Und nur mit Mundschutz und Handschuhen. Okay, dann bleibe ich halt zu Hause. So ist die Gefahr, dass ich mich anstecke, fast null. Es sei denn, Corona fliegt durch die Luft.
 
ÖSTERREICH: Wie schaut denn so Ihr Tag aus?
 
Jara: Wir schlafen lange, frühstücken so um 11 Uhr. Dann machen meine Frau und ich gymnastische Übungen, meisten auf unserer Terrasse. Nachmittags spielen wir Karten oder ich springe in unseren Pool. Dann haben wir Netflix oder schauen Fernsehen. Ab und zu packe ich die Golfschläger aus und chippe in den Pool oder putze. Von unserer Dachterrasse könnte ich sogar auf den Golfplatz abschlagen. Aber der ist gesperrt.
 
Video zum Thema: Kult-Legende Jara 'chippt' Golfball in Pool
 
ÖSTERREICH: Valencia ist ein Corona-Hotspot und Sie sind so locker
 
Jara: Wir sind zum Glück 80 Kilometer von Valencia entfernt, die nächsten Städte sind Denia und Gandia. Bei uns ist es relativ ruhig. Im Gegensatz zu Valencia. Bei meinem Ex-Klub waren fast die Hälfte der Betreuer, Spieler und Angestellten an Corona erkrankt. Das sind sicher die Spuren der Champions-League-Spiele gegen Bergamo, wo in Mailand 44.000 Zuschauer im Stadion waren. Und wie wir wissen, ist die Lombardei der größte Virenherd Italiens.
 
ÖSTERREICH: Wann werden wir wieder Fußball sehen?
 
Jara: Das Wichtigste ist jetzt, dass das Coronavirus besiegt wird. Erst dann können wir wieder über Fußball sprechen. Aber vor Juni wird nichts gehen.
 
© Kurt Jara
Der Corona-Alltag von zwei Kult-Legenden Jara und Starek
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Gustl Starek schildert Situation in Marbella

ÖSTERREICH: Herr Starek, wie geht es Ihnen?
 
Gustl Starek: Alles okay, ich habe halt Hausarrest. Gesundheitlich habe ich keine Probleme. Ich bin zwar schon 70, fühle mich aber wie 50. Das Positive ist: Das Wetter ist angenehm.
 
ÖSTERREICH: Ja, aber Sie dürfen ja nicht hinaus ...
 
Starek: Kein Problem, wir haben eine Terrasse, wo wir uns aufhalten können. Und ab und zu gehe ich in den Wald. Zum Glück wohnen wir nicht direkt in Marbella, sondern am Fuße des La Concha. Das ist der Hausberg der Gegend.
 
ÖSTERREICH: Überprüfen die Spanier nicht rigoros die Ausgangssperre?
 
Starek: Das schon, aber dort, wo ich wohne, ist niemand. Da wird man kaum gesehen. Einmal ist mir die Polizei entgegengekommen, da hab ich sie freundlich mit meinem Kapperl begrüßt. Aber beim Einkaufen wird man genau überprüft. Zum Glück haben wir zwei Autos und können daher gemeinsam zum Supermarkt fahren. Du darfst nämlich nur alleine im Auto sitzen.
 
© Gustl Starek
Der Corona-Alltag von zwei Kult-Legenden Jara und Starek
× Der Corona-Alltag von zwei Kult-Legenden Jara und Starek
 
ÖSTERREICH: Warum sind Sie noch in Marbella?
 
Starek: Wir haben zweimal einen Flug gebucht, beide wurden abgesagt. Vielleicht waren wir aber schon zu spät dran. Wir haben die prekäre Situation unterschätzt.
 
ÖSTERREICH: Sind noch andere Österreicher in Marbella?
 
Starek: Ja, der Ronald Leitgeb zum Beispiel. Mit dem Skype ich täglich am Abend. Der zieht sich für unseren Video-Chat immer Sakko und Krawatte an. Auch der frühere Skibob-Weltmeister Walter Kroneisl ist noch hier. Und der frühere bwin-Vorstand Norbert Teufelberger. Alle sind fit.
 
ÖSTERREICH-Sportchef Wolfgang Ruiner
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