Kofler schnappt Schlieri die Million weg
Kofler schnappt Schlieri die Million weg

Vierschanzen-Tournee

Kofler schnappt Schlieri die Million weg

Gregor Schlierenzauer führt mit 17 Punkten. Doch Grand Slam ist nicht mehr machbar.

Gregor Schlierenzauer hat seinen Triumphzug und die Jagd nach dem Grand Slam am Bergisel nicht fortsetzen können. Der Auftakt-Doppelsieger steht nach Platz zwei im Heimbewerb am Mittwoch hinter seinem schärfsten Rivalen Andreas Kofler aber dennoch vor seinem ersten Gesamterfolg bei der Vierschanzen-Tournee. Schlierenzauer büßte zwar etwas an Vorsprung ein, liegt vor dem Abschluss am Freitag in Bischofshofen aber noch 17 Punkte voran. Der Tagessechste Thomas Morgenstern machte 36,1 Punkte zurück eine ÖSV-Dreifachführung perfekt.

Spannendes Finale
Der möglich gewesene Grand Slam mit umgerechnet rund 820.000 Euro Preisgeld geriet für Schlierenzauer schon nach 130,5 m im ersten Durchgang ziemlich außer Reichweite, denn der Pole Kamil Stoch flog zwei Meter weiter als der Tiroler und lag sechs Zähler vorne. Im Finale sorgten bei den Top Fünf kurze Unterbrechung wegen Regens und Winds zusätzlich für Spannung. Aber nicht Stoch, sondern der Halbzeitfünfte Kofler stand bei schwierigen Bedingungen am Ende 5,2 Punkte vor seinen engerer Landsmann ganz oben.

Schlierenzauer büßte im Finale 8,5 Meter auf Kofler ein. "Es war extrem schwierig. Die Wetterbedingungen liegen nicht in meiner Macht, aber es war ein geiler Wettkampf", erklärte Schlierenzauer. Der außer Reichweite gelangte Grand Slam habe ihn ohnehin nie interessiert. "Das große Ziel ist die Tournee, in Bischofshofen werden die Karten neu gemischt", betonte der 21-Jährige, der den Japaner Taku Takeuchi um knappe 0,9 Punkte auf Rang drei verwies.

Kofler als sein erster Verfolger präsentierte sich nach zwei zweiten Plätzen vor Heimkulisse als der Stärkere. 127,5 und besonders die 131,5 m direkt nach der ersten Pause sicherten dem Weltcup-Spitzenreiter den erstmaligen Heimsieg. "Unglaublich, ich war hier noch nie am Stockerl, jetzt vor Heimpublikum ganz oben zu stehen, das sind Emotionen pur", sagte Kofler nach seinem Triumph vor 22.500 Zuschauern.

Kofler trotzt Bedingungen
Er habe sich von den widrigen Bedingungen nicht aus dem Konzept bringen lassen. "Es war schwierig, ich bin froh, dass ich mich trotzdem habe steigern können", so Kofler, der auch in Garmisch eine Aufholjagd (von Platz 10 auf 2) gestartet hatte. Nach dem Bergisel-Sieg sei auch sein zweiter Gesamterfolg nach 2010 nach wie vor realisierbar, bekräftigte der 27-Jährige. "Die Möglichkeit besteht, aber jetzt genieße ich die Stimmung hier. Ich werde schauen, dass ich in Bischofshofen noch eines draufsetzen kann", erläuterte Kofler.

Titelverteidiger Morgenstern war nach seinem ersten Sprung auf 120,5 m chancenlos. Im Finale legte er zwar auf 123,0 zu, für einen Stockerlplatz reichte es aber nicht mehr. "Ich bin zufrieden mit meinen Sprüngen. Im ersten Durchgang war es schwierig. Die Benachteiligung beim Wind ist frustrierend, aber man kann es nicht ändern", so der Vorjahressieger. Mit bereits 36,1 Zählern Rückstand auf Schlierenzauer ist er aber wohl endgültig aus dem Rennen um den neuerlichen Gesamtsieg.

Glücklicher Adler-Boss
Der dritte ÖSV-Sieg und die Tripleführung stimmten ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner glücklich. "Ich bin gerührt, das waren bei schweren Bedingungen wieder tolle Leistungen unserer Springer", erklärte Pointner. Kofler sei ein "würdiger" Sieger, so der Chefcaoch. Vom sicher scheinenden Gesamtsieg für einen Österreicher wollte er immer noch nichts wissen. "Man muss am Boden bleiben Wir erhoffen uns aber natürlich, am Ende ganz oben zu stehen." Als bester Nicht-Österreicher in der Tournee-Wertung folgt hinter Morgenstern der Norweger Anders Bardal mit 46,9 Punkten Rückstand auf Schlierenzauer.

Der bisherige Gesamt-Dritte Daiki Ito stürzte im zweiten Durchgang ab, der Japaner wurde nur 27. Halbzeit-Leader Stoch kam lediglich auf Tagesrang neun. Aus ÖSV-Sicht schafften es auch noch David Zauner als 17. und Nachwuchshoffnung Michael Hayböck auf Rang 19 in die Top 20. Von zehn angetretenen Österreichern kamen sieben ins Finale und holten damit Weltcup-Punkte.

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Innsbruck (AUT), Einzel

1. Andreas Kofler (50) AUT 252.8  
2. Gregor Schlierenzauer (4) AUT 247.6  
3. Taku Takeuchi (37) JPN 246.7  
4. Anders Bardal (5) NOR 244.4  
5. Roman Koudelka (6) CZE 239.5  
6. Thomas Morgenstern (9) AUT 237.1  
7. Maximilian Mechler (2) GER 235.1  
8. Michael Neumayer (11) GER 234.4  
9. Kamil Stoch (1) POL 232.0  
10. Lukas Hlava (22) CZE 229.5  
11. Peter Prevc (12) SLO 227.9  
12. Richard Freitag (21) GER 227.2  
13. Rune Velta (7) NOR 225.0  
14. Jakub Janda (26) CZE 224.4  
15. Dimitry Vassiliev (40) RUS 222.4  
16. Simon Ammann (13) SUI 221.0  
17. David Zauner (10) AUT 218.5  
18. Stephan Hocke (27) GER 218.0  
19. Michael Hayböck (31) AUT 213.0  
20. Denis Kornilov (25) RUS 212.9  
21. Severin Freund (3) GER 211.8  
22. Jernej Damjan (15) SLO 211.6  
23. Martin Koch (18) AUT 210.6  
24. Wolfgang Loitzl (19) AUT 209.0  
25. Yuta Watase (24) JPN 208.7  
26. Kenneth Gangnes (28) NOR 206.2  
27. Daiki Ito (30) JPN 193.6  
28. Robert Kranjec (8) SLO 192.8  
29. Anssi Koivuranta (17) FIN 192.1  
30. Maciej Kot (16) POL 185.4