Berthold: "Keine Angst vor Ligety"

ÖSV-Kampfansage

Berthold: "Keine Angst vor Ligety"

ÖSV-Herren-Chef will heuer Weltcup-Siege und Olympia-Medaillen.

Mathias Berthold geht in seine vierte Saison als Chef der alpinen ÖSV-Herrenmannschaft . Unter dem ehemaligen Profi- Weltmeister und Weltcupläufer hat Marcel Hirscher zuletzt zwei Mal den Gesamtweltcup gewonnen sowie Slalom-WM-Gold geholt. Hirscher ist auch im Olympiawinter der größte Hoffnungsträger der Truppe von Berthold, der angesichts der Aufgaben erstmals seit 15 Jahren auf Urlaub verzichtet hat. Im Weltcup und bei Olympia in Sotschi will der Vorarlberger dafür sorgen, dass die ÖSV-Herren ihren Beitrag liefern, damit Österreich weiterhin Skination Nummer eins bleibt.

Frage: Wo steht nach der vergangenen Saison ihr Team?
Mathias Berthold: "Die Mannschaft war vergangenen Winter gut, aber nicht ganz so gut wie in der Saison davor. Vor allem im Riesentorlauf haben wir Nachholbedarf, zudem trifft uns jetzt der Ausfall von Christoph Nösig brutal hart. Auch dass wir im Speedbereich nur ein Rennen gewonnen haben, ist für unsere Ansprüche zu wenig gewesen. Wir hatten nun aber insgesamt eine gute Vorbereitung und es sieht trotz der neuerlichen Operation von Klaus Kröll besser aus. Wir haben die mit Abstand jüngste Mannschaft im Speedbereich, auch mit der Dichte bin ich da zufrieden."


Frage: Wie sieht es "trotz" Seriensieger Hirscher im Slalom aus?
Berthold: "Da fehlt sicherlich die Dichte, wir haben aber mit Manuel Feller den Junioren-Weltmeister und auch andere Junge, die ihre Jahrgänge anführen. Insgesamt haben wir da aber einen Zeitdruck und müssen in den ein bis zwei Jahren, bis die Alten aufhören, nachlegen."

Frage: Wie lautet insgesamt das Vorhaben für die Olympia-Saison?
Berthold: "Das Optimum aus der Mannschaft herausholen. In jedem Rennen möglichst vorne mitfahren und wenn geht, gewinnen. Das ist alles ein bisschen schwarz-weiß, ich weiß. Aber der Anspruch ist groß, auch was Olympia-Medaillen betrifft."

Frage: In Sotschi spielt oft das Wetter verrückt. Befürchten sie Chaosspiele?
Berthold: "Das ist mir völlig wurscht, wir müssen nur vorne sein. Da sind mir Dinge wie Schlechtwetter und so egal. Bei Olympia gibt es selten Verschiebungen, die Abfahrt kann auch bei 20 Zentimeter Neuschnee stattfinden. Darauf müssen und haben wir uns auch vorbereitet und bei dementsprechenden Bedingungen trainiert."

Frage: Eine ÖSV-Mannschaft ist im alpinen Skirennsport immer noch das Maß der Dinge. Erzeugt das Druck?
Berthold: "Der Druck ist da, aber das ist cool. Und macht Spaß. Für uns ist Skifahren immer das Wichtigste der Welt. Aber das geht den Fußballern und Eishockeyspielern nicht anders."

Frage: Bei der WM in Schladming waren aber die USA die Nummer eins. Oder?
Berthold: "Nur an Siegen, weil ein Läufer stärker war. Nämlich Ted Ligety. Insgesamt gehört die Nummer-eins-Position ganz eindeutig uns."

Frage: Wie lauten ihre Erwartungen für den Start in Sölden?
Berthold: "Wir haben mit Hirscher, Philipp Schörghofer, Marcel Mathis ganz starke Läufer am Start. Alles Leute, die gewinnen können, je nachdem, wie sich die Konkurrenz verhält. Sölden ist sicherlich ein sehr wichtiges Rennen, sollte aber auch nicht überbewertet werden. Es ist supercool, wenn man gleich vorne mit dabei ist. Man hat aber nachher über einen Monat Zeit zum Nachjustieren."

Frage: Aber im Vorjahr hat Ligety schon in Sölden alle deklassiert. Kann das wieder passieren?
Berthold: "Das interessiert mich nicht. Wenn wir aus unseren Jungs rausbringen was sie können, habe ich keine Angst vor Ligety. Da kommen ganz andere Kaliber wie ein Alexis Pinturault daher. Natürlich ist Ted ein Top-Mann und hat eine brutale Rennintelligenz. Aber besser ist, man schaut sich die eigenen Läufe an, dann sieht man, dass man zu 70 Prozent besser fährt, aber halt zu 30 Prozent sauschlecht."

Frage: Wird sich die Materialänderung im Skibereich weiterhin so krass auswirken wie vergangenen Winter?
Berthold: "Die Entwicklung ist weitergegangen, die Ski sind schon deutlich besser und einfacher zum Fahren geworden, auch wenn manche Athleten das Gegenteil behaupten. Man kann wieder brutaler und direkter und muss nicht mehr so rund fahren. Wir haben das schon im Vorjahr probiert, obwohl es eigentlich noch gar nicht ging. Da waren wir unserer Zeit voraus, das war nicht gut." (lacht)

Frage: Die geschrumpfte Olympia-Quote trifft vor allem Österreich. Wie hat die Mannschaft reagiert?
Berthold: "Wir haben sie informiert, jeder weiß, dass der Hut brennt. Momentan ist es aber noch nicht so das Thema, aber das wird diesen Winter noch ganz heiß. Wir müssen in Kitzbühel die Olympiamannschaft nominieren, obwohl danach noch in Schladming und Garmisch noch Rennen sind. Das wird ganz schwer."

Frage: Kann Marcel Hirscher wieder die große Kugel gewinnen?
Berthold: "Die Möglichkeit ist sicherlich da. Er muss dafür aber eine Serie hinlegen wie letztes Jahr. Den Weltcup gewinnst du mit Podestplätzen und Siegen."

Frage: Geht dem nie die Energie aus? Wer ist ihr Favorit für die Sportlerwahl?
Berthold: "Marcel kann mit Druck extrem gut umgehen. Er ist ein Glücksfall. Gewinnt viel und wenn er dann auch noch so ein cooler Hund ist wie Marcel, ist das toll. Wie ein David Alaba. Oder ein Golfer wie Bernd Wiesberger. Alaba hat viel gewonnen, Marcel die Saison seines Lebens gehabt. Ich würde aber Wiesberger zum Sportler des Jahres wählen. Was der leistet ist, wie wenn einer aus Nigeria ein Skirennen gewinnt oder gar Gesamtweltcupsieger wird."