Nach Mega-WM

Eishockey-Stars rechnen mit dem Verband ab

Es könne nicht sein, dass man sich nicht einmal die ganze Woche einen Arzt leisten kann.

Ein erfreuliches Turnier ist mit einer bitteren Niederlage zu Ende gegangen. Die Schweiz zeigte Österreichs Eishockey-Nationalteam im Viertelfinale mit einem 6:0 die Grenzen deutlich auf. Die Abfuhr soll die starken Auftritte und großen Erfolge des ÖEHV-Teams bei der Weltmeisterschaft in Dänemark und Schweden aber nicht überdecken. "Die WM war in jeder Beziehung fantastisch, wir haben bis zum Viertelfinale sieben gute Spiele gespielt", hob Teamchef Roger Bader hervor.

Erst zum zweiten Mal stand Österreich in einem WM-Viertelfinale und holte die beste Platzierung seit 31 Jahren. Erstmals überhaupt vier Siege, darunter ein beeindruckendes 6:1 im Entscheidungsspiel um den Aufstieg gegen Lettland, brachten der Mannschaft um Kapitän Thomas Raffl viel Anerkennung. "Das war eine riesen Leistung, die man nicht hoch genug einschätzen kann", betonte Bader. 

Kritik am Verband

Allerdings gab es von einigen Teamspielern mit Blick auf die Finanzen auch Kritik an der ÖEHV-Spitze. "Es geht darum, dass das Produkt Eishockey stabilisiert und weiter aufgebaut wird. Man sieht, es kommt etwas nach, aber wenn du das wieder gehen lässt, fängst du wieder von null an", sagte Verteidiger Bernd Wolf im ORF Sport. Es könne außerdem nicht sein, dass man sich bei einem Trainingscamp den Arzt nicht die ganze Woche leisten könne, betonte der Schweiz-Legionär. "Wir sind ein Nationalteam."

Wolf kritisierte zudem die Sparmaßnahmen im Nachwuchs. "Bei uns können sie streichen, was sie wollen. Aber nicht beim Nachwuchs, weil das ist der Grundstein. Wenn junge Spieler keine Camps haben oder sich diese selbst zahlen müssen, das kann es nicht sein." Teamkollege Lukas Haudum sah es ähnlich. "Hoffentlich nimmt der ÖEHV den Schwung mit. Jetzt liegt es am Präsidium und der Geschäftsführung, dass da wieder mehr Feuer reinkommt", sagte der Graz-Stürmer. Wolf empfahl dem Verband, sich Unterstützung zu holen. "Wenn ich nicht weiß, wie man Sponsoren an Land zieht, hole ich mir jemanden, der das weiß."

Für den Viertelfinal-Einzug erhielt der Verband 575.000 Dollar (513.668 Euro), nach Abzug der Erfolgsprämien der Spieler bleiben rund 175.000 Euro, wie ÖEHV-Präsident Klaus Hartmann vor ein paar Tagen erklärte. "Aus meiner Sicht geht es uns (wirtschaftlich) sehr gut." Aber steigenden Kosten stehen Sparmaßnahmen gegenüber, die sowohl die staatliche Sportförderung als auch die Unterstützung von Sponsoren betreffen können. Win2day, der einzige große Sponsor des Verbands, überlegt laut Hartmann, die finanzielle Unterstützung im Sport allgemein um bis zu 50 Prozent zu reduzieren.

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