Österreichs junge Wilde zeigten auf

Lake Louise

Österreichs junge Wilde zeigten auf

Mayer, Puchner & Co mit Talentproben. Gegenwart gehört aber noch Cuche und Svindal.

Klaus Kröll ist als Fünfter am erhofften Sieg klar vorbeigefahren, dafür haben Österreichs "Junge Wilde" am Sonntag beim Super-G in Lake Louise groß aufgezeigt. Vor allem Matthias Mayer, der mit Startnummer 35 noch auf Platz acht raste, war die positive Überraschung. Der 21-jährige Kärntner ist elterlich vorbelastet und träumt bereits von einem starken ÖSV- Abfahrtsteam wie jenem von vor zehn Jahren.

Mayer mit "Superlauf"
"Wahnsinn, da ist eine Last von mir gefallen, als ich durchs Ziel fuhr", strahlte der Sohn von Ex-Rennläufer Helmut Mayer im Ziel. "Es war ein Superlauf. Ich habe riskiert, denn die Piste war nicht mehr leicht", erzählte der Kärntner, der in der Abfahrt noch Windpech gehabt hatte. "Aber im Super-G war es cool. Es ist Wahnsinn, dass es gleich am Anfang so aufgeht", jubelte der Youngster, der elterlich vorbelastet ist.

Papa Helmut hatte bei Olympia 1988 in Calgary mit Silber im Super-G seinen größten Erfolg neben WM-Silber 1989 in Vail gefeiert. Beides also auf nordamerikanischem Boden, wo jetzt auch sein Sohn durchstartete. Ähnliches galt für Manuel Kramer, der mit Nummer 60 Zwölfter wurde sowie Werner Franzs sen. ebenfalls 22-jährigen Cousin Max, der mit Nummer 58 auf Rang 15 fuhr, nur knapp vor Bernhard Graf (19.). "Für jeden Elternteil ist es eine Supersache, wenn man so jung voll dabei ist", erklärte Mayer.

Stimmung passt
Die Stimmung in der Abfahrtsmannschaft sei "relativ gut", erzählte Mayer. "Wir sind ja eine relativ junge Truppe, die Ältesten gerade ein bissl über 30, aber vom Geist her auch noch jung", scherzte der Afritzer. "Wir arbeiten alle zusammen, wollen wieder ein Team werden wie es eines vor zehn Jahren gegeben hat", ließ Mayer Großes erahnen.

Dass es in der Ära Hermann Maier gegen Stephan Eberharter natürlich auch heftigste Konkurrenz gegeben hatte, schreckt die Jungen nicht. Noch nicht. "Wir fahren ja noch nicht alle um den Sieg mit, wollen zunächst mal in die Top 20", so Mayer.

Monsterprogramm in Beaver Creek
In Beaver Creek wird Mayer in allen drei Bewerben antreten, sich allerdings auf Super-G und Riesentorlauf konzentrieren und die Abfahrt "zum Kennenlernen mitnehmen". "Ich bin ja das erste Mal da und das wird ziemlich anstrengend dort."

Puchner lässt auf Größeres hoffen
Für den 24-jährigen Joachim Puchner war Platz sieben ebenso eine "Supersache" wie das ganze Wochenende. "Die vorderen Nummern waren sicher kein Nachteil", gestand der Salzburger offen ein. "Gott sei Dank brauche ich noch nicht optimale Fahrten, bin auch mit Fehlern vorne dabei", ließ er auf Größeres hoffen. "Ich werde im Laufe der Saison zulegen, gut Ding braucht aber Weile."

Einzig wirkliches Problem für die Speedtruppe war die Abreise aus Kanada. Wegen eines Schneesturms in Calgary blieben viele Flugzeuge auf dem Boden.

Cuche erster Speedkönig
Didier Cuche ist der erste Speed-König der jungen Weltcupsaison. Mit Sieg in der Abfahrt und Platz zwei im Super-G kommt der 37-jährige Routinier als Topfavorit nach Beaver Creek, einem der letzten weißen Abfahrts-Flecken in der langen Karriere des Westschweizers. "Das ist ein sensationeller Start in die Speedsaison", sagte Cuche, der nun wieder Mitfavorit im Kampf um die große Kugel ist. "Das kann man nicht planen. Aber es wäre sicherlich die Krönung."

Eine Verbeugung machte in Kanada auch Österreichs Verbandschef Peter Schröcksnadel. "Cuche ist ein Ausnahmebursche und es freut mich, dass er weitergefahren ist", hatte der Tiroler überhaupt kein Problem, dass vorerst die Schlagzeilen dem Schweizer gehörten. Ganz im Gegenteil, Schröcksnadel hält Typen wie Cuche für enorm wichtig für den Skisport.

Skisport "braucht Helden"
"Der Sport lebt nicht davon, dass immer ein anderer gewinnt", sagte Schröcksnadel in seiner zweiten Heimat Kanada. "Er lebt meiner Meinung hauptsächlich davon, dass es Helden gibt, die besondere Leistungen bringen und die es zu schlagen gilt. Sonst könnte man die Formel 1 schon zusperren", zog der Tiroler einen Vergleich zum Motorsport. "Cuche ist so ein Held wie einst Hermann Maier oder Stephan Eberharter. Das ist das Salz, das man im Sport braucht. Und ich hoffe, dass wir selbst auch bald wieder so einen haben."

Hoffen auf Nachwuchs
Vielleicht hat ihn Schröcksnadel in Kanada sogar schon gesehen. Jedenfalls gab sich der Präsident zuversichtlich, dass Österreich bald wieder eine erfolgreiche Speedmannschaft haben wird. "Matthias Mayer und Joachim Puchner waren super. Es tut sich einiges beim Nachwuchs, auch weiter unten", betonte Schröcksnadel.

Selbst Super-G-Sieger Aksel Svindal kam am Thema Alt gegen Jung nicht vorbei. "Der Unterschied zwischen den Besten und Zweitbesten, also den Jungen, die kommen, wird enger. Es gibt so viele, die schnell sind, und man muss schon sehr gut fahren, um auf das Podest zu kommen", sagte der Norweger, der selbst erst 28 Jahre alt ist. "Das Niveau imponiert mir, die Jungen, die kommen, sind gut. Ich habe Routine. Und Gott sei Dank Didier, der fast zehn Jahre älter, aber immer noch hier ist."