Lisa Hauser holt historische Gold-Medaille für den ÖSV

Biathlon-WM

Lisa Hauser holt historische Gold-Medaille für den ÖSV

Lisa Hauser schreibt bei der Biathlon-WM in Pokljuka Geschichte! Als erste ÖSV-Dame holt sie WM-Gold im Massenstart.

Die Tirolerin Lisa Hauser hat sich am Sonntag in Pokljuka in beeindruckender Manier zur Massenstart-Weltmeisterin gekrönt. Die 27-Jährige triumphierte am Sonntag ohne Strafrunde überlegen vor den Norwegerinnen Ingrid Landmark Tandrevold und Tiril Eckhoff. Hauser avancierte damit zur ersten österreichischen Biathlon-WM-Goldgewinnerin, bei den Männern gab es bisher durch Wolfgang Rottmann 2000 im Einzel und Dominik Landertinger 2009 ebenfalls im Massenstart auch erst zwei.
 
Im abschließenden Männer-Rennen verpasste Simon Eder eine weitere ÖSV-Medaille nur knapp. Auf Podestplatzkurs liegend musste der Salzburger erst in der Schlussphase noch zwei Konkurrenten vorbeilassen und wurde Vierter. Auf Bronze fehlten dem 37-Jährigen rund zehn Sekunden.
 

"Habe so eine Gaude"

Hauser durfte hingegen über ihren größten Erfolg jubeln. "Es ist unglaublich, es ist so schön, was da gerade passiert. Es ist noch ein bisschen unreal. Ich kann es noch gar nicht recht glauben - ich bin Weltmeisterin, ich habe so eine Gaude", strahlte Hauser wenige Wochen nach ihrem ersten Weltcup-Erfolg in Antholz bei Prachtwetter mit der Sonne um die Wette. Sie habe dank des großen Vorsprungs nach vier fehlerfreien Schießeinlagen bereits die Schlussrunde genießen können. "Da habe ich schon einen Grinser im Gesicht gehabt. Es ist einfach unglaublich."
 
ÖSV-Frauentrainer Markus Fischer hatte mitgezittert. "Sie hat heute eine gewisse Ruhe ausgestrahlt, war immer voll da. Man wird als Trainer mit jedem Schießen nervöser, aber sie hat das super gemacht", meinte der Deutsche. Die fällige Siegesfeier müsse aufgrund der aktuellen Corona-Situation leider ausfallen und werde wohl nachgeholt, so der Coach. Hauser gab an, nach der Rückkehr mit der Familie im kleinen Kreis anstoßen zu wollen.
 

Glückwünsche vom ÖSV-Präsident

In Slowenien hatte Hauser auch schon Silber mit der Mixed-Staffel und in der Verfolgung geholt. Bereits ihr Vizeweltmeistertitel im Jagdrennen war historisch gewesen, schließlich hatte es zuvor in der 37-jährigen Geschichte von Frauen-Weltmeisterschaften 1984 durch Andrea Grossegger erst eine ÖSV-Medaille gegeben. "Es ist alles irrsinnig, was da abgeht. Ich probiere es bestmöglich zu genießen", sagte Hauser.
 
Aus Cortina kamen Glückwünsche von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. "Super. Da sieht man, wir sind sehr breit aufgestellt im Verband. Wir haben andere Sportarten, wo wir auch gut sind, nicht nur Skifahren. Im Damen-Biathlon ist es natürlich eine Sonderleistung - das haben wir noch nie gehabt", so der Verbandschef.
 

Hauser: Superlativ im ÖSV-Biathlon

Im Einzel von Pokljuka hatte Hauser vor einigen Tagen als Vierte eine weitere Medaille nur knapp verpasst. Im finalen Bewerb der besten 30 der WM und des Weltcups sorgte die seit Jahresbeginn dank verbesserter Laufform auf einer Erfolgswelle schwebende Topschützin nun aber für eine wahre Sternstunde. Mit 20 Volltreffern diktierte sie das 12,5-km-Rennen von Beginn an mit, setzte sich nach dem zweiten Schießen an die Spitze und lief schließlich als einzige fehlerfreie Athletin im gesamten Erfolg mehr als 20 Sekunden vor Tandrevold (1 Strafrunde) und der in Pokljuka schon mehrfach vergoldeten Weltcupführenden Eckhoff (3) zu einem deutlichen Sieg. "Ich habe im Gedanken gehabt, mach es nicht so wie im Einzel und verballere nicht die letzten zwei, und dann habe ich eine ruhige Serie heruntergeschossen."
 

Eder verpasst Medaille

Eder lag lange auf Medaillenkurs. Nach seinem einzigen Fehlschuss beim letzten Schießen musste er in der Schlussrunde noch den Norweger Johannes Dale und den Franzosen Quentin Fillon Maillet vorbeiziehen lassen. Den ebenfalls um die Medaillen kämpfenden Slowenen Jakov Fak hielt er hingegen in Schach. Gold ging an den auch schon im Einzel siegreichen Norweger Sturla Holm Laegreid, der wie Eder eine Strafrunde verzeichnet hatte.
 
"Dass man mit 37 noch einmal sowas herausholen kann, ist einfach genial. Das war wegen der Lisa ein historischer Tag, ich wollte auch noch einen Beitrag leisten, es ist sich leider knapp nicht mit der Medaille ausgegangen", sagte der auch schon bei Olympia zweimal viertplatzierte Eder. Er könne sich mit der Silbermedaille in der Mixedstaffel und der Gewissheit, dass er nach wie vor ganz vorne mitmischen kann, trösten.