Daniel Hemetsberger

"Sprung ins Ungewisse gewesen"

Hemetsberger: Kreuzbandriss und Radikalumstellung

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Mit zwei vierten Plätzen - herausgefahren in Bormio und Wengen - ist Skirennläufer Daniel Hemetsberger zu den Hahnenkammrennen nach Kitzbühel gereist.  

Einen Top-Ten-Platz hatte er angepeilt, die Podestplatz-Premiere im Weltcup ist es als Dritter in der Sonntag-Abfahrt geworden. Das bedeutete gleichzeitig auch die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking, am Montag wird der Oberösterreicher in Wien seine Kleidung abholen.

Der Steigerungslauf des mit vier Kreuzbandrissen schon zu oft am Knie verletzten Speed-Piloten fand im Olympia-Winter vorerst einen Höhepunkt: "Das ist tatsächlich unglaublich. Vor zwei Jahren habe ich mit einem Mentaltrainer und Ernährungsexperten radikal alles umgestellt. Ich habe mir gedacht, das kann mich leistungsmäßig nach vor hauen - hat es faktisch auch", erklärte er. Es sei ein Sprung ins Ungewisse gewesen, hah ihn in der Leistungsfähigkeit aber sehr verbessert. "Zuckerfrei" zählt dazu, Näheres erläuterte er auf Anfrage nicht.

"Bin im Zielraum herumgeeiert und war nervös"

"Ich habe gewisse Rituale und mache gewisse Sachen, dass ich am Renntag in den Fokus komme. Seitdem funktioniert es relativ gut, zumindest in der Abfahrt." Der Super-G sei ein anderes Thema, aber das werde er auch demnächst angehen. Ein zehnter Platz im März 2021 in Saalbach-Hinterglemm war das bisher beste Karriereergebnis in dieser Disziplin, im laufenden Winter punktete er bei zwei Versuchen noch nicht. "Ich mag das Wort Arbeit ungern sagen, aber im Endeffekt ist es nichts anderes. Du musst von der Früh weg deine sieben Sachen beieinanderhaben und möglichst das Beste herausholen."

Auf Platz drei liegend wollte Hemetsberger lange nicht daran glauben, dass es sich mit dem Podestplatz ausgeht. "Ich bin da die letzte Stunde im Zielraum herumgeeiert und war nervös", schilderte er seine Gefühlslage. Die war bei der Startnummernauslosung am Vorabend "scheiße", nachdem für ihn nur die Nummer 1 übriggeblieben war. "Absoluter Vollkäse", habe er sich gedacht. "Es war in dem Fall aber gut", wurde er eines Besseren belehrt.

Traum einmal die Abfahrt zu gewinnen

Ein Kitz-Podest sei in seinen Vorstellungen, was die Karriere so bringen könnte, "ganz weit oben". Und das soll es noch lange nicht gewesen sein. "Eins von den wichtigsten Sachen von mir ist: Ich möchte da einmal die Abfahrt gewinnen. Das ist von jedem Abfahrer das Nonplusultra. Noch dazu als Österreicher da daheim, das will ich unbedingt. Aber das Podest ist schon ein Wahnsinn. Damit hätte ich nicht gerechnet."

Die Olympianominierung ist bis zuletzt eher Geheimsache, ÖSV-Männer-Rennsportleiter Andreas Puelacher will immer auch die zuletzt gezeigten Leistungen einfließen lassen. "Der Andi hat gestern in der Sitzung gesagt, er wird mich irgendwann einmal anrufen, ob ich dabei bin oder nicht", sah sich Hemetsberger trotz der vor Kitz zwei vierten Ränge nicht auf der sicheren Seite. "Er hat zu mir nur gesagt, ich soll heute Gas geben."

Wenig Erwartungen an Olympia

Olympia sei ein Traum, ein Wunsch. "Das Coole ist, ich habe mich mit dem überhaupt noch nicht befasst. Ich war 22. in der Weltrangliste vor der Saison, da geht man in der österreichischen Mannschaft nicht mit der Wahrscheinlichkeit rein, dass man zu Olympia fährt. Mich freut es, dass ich jetzt relativ gut dastehe. Ich habe nicht als Ziel darauf hingearbeitet, ich habe jeden Tag mein Rennen so gut wie möglich gemacht. Das ist ganz gut geworden."

Um sich nicht selbst unter Druck zu setzen, will er in der Nennung der Ziele weiterhin möglichst defensiv vorgehen. "Denn sonst fange ich gleich einmal zum Wurschteln an. Und das ist bekanntlich nicht schnell." Den Satz, einmal die Abfahrt auf der Streif gewinnen zu wollen, hatte er da aber bereits gesprochen.

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