Walchhofer verliert Abfahrtsweltcup

Weltcup-Finale

Walchhofer verliert Abfahrtsweltcup

Cuche fängt Walchi in packendem Finale noch ab. Tagessieg an Theaux vor Puchner.

Die Anzeigentafel hatte Rang vier für Didier Cuche aufgewiesen. Der Schweizer wusste nicht, was das für ihn bedeutet. Er schaute zu dem im Zielraum wartenden Michael Walchhofer und bekam von diesem mit einem Fingerzeig gewiesen, dass er der glückliche Gewinner der kleinen Kristallkugel war. Um 25/100 Sekunden oder 12 Punkte hatte der 35-jährige Walchhofer die vierte Trophäe seiner Karriere verpasst. Zum vierten Mal war sie an Cuche gegangen, der 8.500 Zuschauer im Ski-Stadion in Lenzerheide zu Jubelschreien hinriss.

Diashow: So feierte Cuche Abfahrts-Kristall

So feierte Cuche Abfahrts-Kristall

×

    Enttäuschender Karriere-Abschluss für Walchhofer
    Walchhofer hatte das vorletzte Rennen seiner Karriere auf dem elften Rang beendet. Bei Platz vier von Cuche hätte ihm Rang sieben genügt, dann hätten beide jeweils 510 Punkte auf dem Konto gehabt und Walchhofer hätte mit 3:2 Saisonsiegen das bessere Ende für sich gehabt. Der Tagessieg ging erstmals an den Franzosen Adrien Theaux, der 23-jährige Pongauer Joachim Puchner verpasste seinen Premierenerfolg nur um eine hundertstel Sekunde. Dritter wurde der Norweger Aksel Lund Svindal (0,16 Sek. zurück).

    Sicht machte es den Topläufern schwer
    Doch alle Augen waren auf das Rennen im Rennen gerichtet. Nach anfänglichem Sonnenschein waren Wolken aufgezogen und die Sicht immer schlechter geworden. "Da dachte ich schon, dass es für einen Platz ganz vorne nicht mehr reichen und knapp hergehen wird", erzählte später ÖSV-Alpinchef Hans Pum. Walchhofer hatte vergangene Woche in Kvitfjell aus einem 65-Punkte-Rückstand einen 14-Zähler-Vorsprung gemacht, das Herzschlagfinale war perfekt geworden. Bei einem Sieg wäre für ihn alles klar gewesen, aber das ließen die Verhältnisse nicht zu.

    Walchi schwer enttäuscht
    Deshalb war die Enttäuschung bei Walchhofer, dessen Familie in Lenzerheide mitgefiebert hatte, auch sehr groß gewesen. "Wenn man sich eine solche Möglichkeit noch einmal erarbeitet und zum Schluss ungenützt lässt, ist das schon sehr ärgerlich. Es gibt viele Möglichkeiten, die Punkte in dieser Saison zu finden. In Kitzbühel waren es null", meinte Walchhofer. "Und Didier hat keinen Nuller gemacht. Er hat sich die Kugel absolut verdient. Ich hätte sie ihm schon gerne weggenommen, auch wenn man hier in der Schweiz vielleicht einem Schweizer den Vortritt lässt."

    Der Fehler sei gewesen, so Walchhofer, dass er sich im Finish seines Rennens zu sehr treiben habe lassen. "Ich habe nichts mehr gesehen am Boden. Didier ist kleiner, er steht da vielleicht ein bisserl leichter über dem Ski. Er hat das super gemacht ins Ziel rein, mir ist es nicht gelungen. Ich habe gehofft, er würde sich ähnlich schwertun mit der Sicht, aber er hat das super gelöst", musste Walchhofer anerkennen. Anders als Walchhofer setzt Cuche seine Karriere fort, das hat er am Dienstagabend bekanntgegeben. Mit vier Abfahrtkugeln fehlt ihm nun nur noch eine auf Franz Klammer.

    Cuche vom Publikum beflügelt
    Auch Cuche hatte gewusst, dass die fehlende Sonne die Aufgabe für ihn nicht gerade einfacher machen würde. "Aus dem Jubel des Publikums habe ich geschlossen, dass Michael keine so gute Fahrt erwischt hat, das hat mir Mut gemacht", sagte Cuche, der im Zielraum auf die Knie gegangen war. "Der Stellenwert ist gleich hoch wie beim Gewinn der anderen Kugeln. Aber ich genieße es noch mehr als die erste Kugel 2007, auch wegen der Vorfälle vergangene Woche", meinte der 36-Jährige und sprach die Auseinandersetzung mit FIS-Renndirektor Günter Hujara in Norwegen an.

    Wieder Talentprobe von Puchner
    Puchner ließ dem ersten Stockerlplatz der Karriere am vergangenen Sonntag als Dritter im Kvitfjell-Super-G gleich den nächsten folgen. "Sicher war ich von den Bedingungen begünstigt, aber man muss sie auch erst einmal ausnützen", sagte der Salzburger. Zwei Podiumsplätze in einer Woche seien aber unglaublich für ihn. 15. wurde Klaus Kröll, 18. der erkältete Romed Baumann. Im Abfahrtsweltcup kam der Steirer Kröll hinter Cuche und Walchhofer auf Rang drei.

    Endstand Abfahrts-Weltcup
    1. Didier Cuche SUI 510 Punkte
    2. Michael Walchhofer AUT 498
    3. Klaus Kröll AUT 411

    4. Silvan Zurbriggen SUI 305
    5. Romed Baumann AUT 269
    15. Joachim Puchner AUT 173
    16. Mario Scheiber AUT 159
    23. Georg Streitberger AUT 102

    Endstand Abfahrt Lenzerheide

    1. Adrien Theaux (8) FRA 01:22.94
    2. Joachim Puchner (3) AUT +00.01
    3. Aksel Svindal (11) NOR +00.16
    4. Christof Innerhofer (14) ITA +00.31
    4. Didier Cuche (22) SUI +00.31
    6. Peter Fill (7) ITA +00.36
    7. Patrick Küng (13) SUI +00.45
    8. Beat Feuz (16) SUI +00.59
    9. Yannick Bertrand (1) FRA +00.62
    10. Carlo Janka (17) SUI +00.68
    11. Michael Walchhofer (21) AUT +00.70
    12. Johan Clarey (15) FRA +00.99
    13. Erik Guay (12) CAN +01.14
    14. Dominik Paris (5) ITA +01.16
    15. Klaus Kröll (19) AUT +01.41
    15. Bostjan Kline (6) SLO +01.41
    15. Werner Heel (2) ITA +01.41
    18. Romed Baumann (18) AUT +01.57