Walter Mayer

Gegen Walter Mayer

Zittern nach Doping-Urteil

Nach dem nicht rechtskräftigen Urteil startete Mayer Verbal-Rundumschlag.

Während Mayer von Verschwörung spricht und in die Berufung geht, droht anderen Stars neues Ungemach. Vor allem die Aussage des ehemaligen Richters Arnold Riebenbauer (64), der Mittwochabend als letzter Zeuge im Prozess gegen Ex-ÖSV-Trainer Mayer (54) aussagte, lässt die heimische Szene aufhorchen.

Als Vorsitzender der ÖSV-Disziplinar-Kommission hatte Riebenbauer den Olympia-Skandal 2006 untersucht, wobei ihn ein Treffen mit Walter Mayer 2007 auf die Spur der Wiener Blutbank Humanplasma gebracht hatte. Wie sich später herausstellte, haben mindestens 13 Sportler über Humanplasma organisiertes Blutdoping betrieben. Mayer habe Riebenbauer prominente Kunden genannt – zum Beispiel Rad-Star Georg Totschnig.

Totschnig hat Verfahren: Falsche Zeugenaussage
Weil Humanplasma versucht hätte, Riebenbauer mundtot zu machen, hatte er versucht, den Tour-de-France-Helden Totschnig zu überreden, ihm zu helfen, den Skandal aufzudecken. Riebenbauer: „Totschnig war fast bereit, auszusagen.“ Dann hätte er einen Rückzieher gemacht. „Ich sollte an seine Familie denken.“

Eine Aussage, die Totsch­nig vor seinem Strafverfahren schwer belastet. Der 40-jährige Tiroler, inzwischen im Immobilien-Geschäft tätig, muss sich schon bald im Landesgericht Innsbruck wegen falscher Zeugenaussage verantworten. Er soll bei Einvernahmen vor der SOKO Doping die Unwahrheit gesagt haben. Totschnig erklärte unter Wahrheitspflicht, Gerlinde Mayer, die Ehefrau von Skandal-Trainer Walter, hätte ihm nie einen Blutbeutel übergeben. Zudem will Humanplasma-Geschäftsführer Rudolf Meixner Totschnig im Abnahmeraum gesehen und das Geld für die Behandlung von Walter Mayer bekommen haben. Für Totschnig gilt die Unschuldsvermutung.

Christian Hoffmann, Langlauf-Olympiasieger 2002, ließ sich zwar beim Mayer-Prozess als Zeuge entschuldigen – doch er wurde Mittwoch von einem Servicemann belastet: Der hatte Hoffmann vor der Olympia-Staffel 2002 überrascht, als ihm Mayer eine Infusion gesetzt hatte. Strafrechtlich ist Hoffmann aus dem Schneider, sein Verfahren vor der Antidoping-Agentur NADA ist noch nicht ausgestanden.

'Ich zeige die Verleumder an'

ÖSTERREICH: Sie wurden zu einer teilbedingten Haftstrafe verurteilt ...

Walter Mayer: … ein reines Showurteil ist das, nicht mehr. Das war ein vorprogrammiertes Urteil, es musste einfach negativ für mich ausgehen. Ich hätte nicht geglaubt, dass so etwas in Österreich möglich ist. Ich werde jetzt alle, die im Prozess Lügen über mich verbreitet haben, klagen. Die ersten Anzeigen gehen noch heute weg. Gegen das Urteil selbst werden wir natürlich berufen. Das ist fast eine Verschwörung gewesen. Kein einziger meiner Entlastungszeugen ist vom Gericht vorgeladen worden, ein Skandal .
ÖSTERREICH: Nach dem Prozess haben Sie behauptet, im ganzen Land werde wie wild gedopt, aber nur Sie müssten büßen. Wer ‚dopt wie wild‘?
Mayer: Die Fälle sind doch alle längst bekannt – der Radfahrer Bernhard Kohl, die Leichtathletin Steffi Graf, der Hürdensprinter Elmar Lichten­egger. Aber nur mich sperren sie weg.
ÖSTERREICH: Ex-Richter Arnold Riebenbauer hat im Prozess behauptet, Sie hätten ihm bei einem Treffen 2007 alle Dopingmachenschaften verraten.
Mayer: Mein Gott, der Riebenbauer, der lügt doch, dieser Mann spart nie mit Gerüchten. Vielleicht hat er mich damals auch nur völlig falsch verstanden. Wir haben nur über Gerüchte diskutiert, die kursieren, nicht mehr. Nie habe ich behauptet, dass etwa Georg Totschnig gedopt hat. Da hat Riebenbauer mich missverstanden.
ÖSTERREICH: Haben Sie jemals den ÖSV über die Doping-Gerüchte informiert?
Mayer: Nie, ich bin ja 2006 aus dem ÖSV fristlos gefeuert worden, obwohl ich ein Erfolgstrainer war. Auch habe ich keine Ahnung, was bei den Alpinen geschieht.

(wek)