Olympia 2014

Hilfe: Olympia schwimmt davon!

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Tauwetter und Regen am Schauplatz der olympischen Alpinbewerbe. ÖSTERREICH-Reporter Walter Unterweger und unsere Gold-Hoffnung Michael Walchhofer mussten nach dem ersten Training unter einem Schirm Zuflucht suchen.

Das befürchtete Wetterchaos bei den Olympischen Spielen ist eingetreten: Bereits das erste Training der Herrenabfahrt am Mittwoch musste wegen Nebel unterbrochen werden. Schon davor waren die Bedingungen schwierig: Am Start schneite es zwar, doch der Schnee ging in Richtung Ziel in Schneeregen über. Dort herrschten zwei Grad plus. Die Prognose der nächsten Tage sieht weiter Schnee in hohen und Regen in tieferen Lagen voraus.

Erstes Training immens wichtig
„Es ist äußerst wichtig, dieses erste Training durchzuführen, denn es könnte das einzige sein“, sagte FIS-Renndirektor Günter Hujara. Whistler Mountain ist bekannt für seine wechselnden Wetterbedingungen: Weltcuprennen finden hier seit 1995 deshalb nicht mehr statt. Und jetzt drohen die olympischen Skibewerbe im Regen zu versinken.

Piste präsentiert sich weich und wässrig
Eine aus Hawaii heranziehende Feuchtwetterfront bringt Niederschlag nach Westkanada. Die Dave-Murray-Piste präsentiert sich weich und wässrig.

Die Olympia-Macher bangen um den Zustand ihrer Piste! Dabei soll hier am Samstag (20.45 Uhr MEZ) die Herrenabfahrt runtergehen. Auf der mit Sprühbalken behandelten Herrenstrecke weitere Härtemittel einzubringen, sei nicht möglich, erklärte der Renndirektor. „Denn damit wäre die Piste für die danach folgenden Rennen verloren, wir haben hier ja kein Eintagesrennen.“ Die einzige Chance: „Wir dürfen nichts kaputt machen, sondern müssen vielmehr mit diesem Baby in den nächsten zwei Wochen sehr vorsichtig umgehen“, so Hujara.

Bangen müssen auch die Skispringer. Die Prognose für das Qualifikationsspringen am Freitag (der Bewerb auf der Großschanze ist für Samstag vorgesehen) ist alles andere als rosig: Dichtes Schneetreiben und Nebel.

„El Niño“ macht den Organisatoren Sorgen
Sorgen macht die vom Wetterphänomen „El Niño“ angetriebene Wolkenfront. Ein riesiger Schleier schiebt sich von Hawaii her auf Kanada zu und soll in den kommenden sieben Tage Unmengen an Regen und Schnee bringen. Die Organisatoren haben daher sogar Nachteinsätze vorbereitet. Günther Hujara: „Notfalls sagen wir schon mitten in der Nacht etwas ab.“

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ÖSTERREICH: Herr Hujara, wie ernst ist die Lage vor der Abfahrt am Samstag?
Günter Hujara (FIS-RennDIREKTOR): Ganz ehrlich, ich bekomme langsam Kopfweh. Alle Wetterprognosen sind negativ. Nach 30 Jahren am Berg und 19 Jahren als Renndirektor kann ich sogar deuten, wenn die Vögel rückwärtsfliegen.

ÖSTERREICH: Was heißt das jetzt konkret?
Hujara: Ich habe mir alle Wettervorhersagen kommen lassen, ab heute soll es in Whistler schneien und regnen. Und die Schlechtwetterfront soll bis Sonntag anhalten. Daher könnte es mit der Abfahrt eng werden.

ÖSTERREICH: Fürchten Sie auch um die Piste?
Hujara: Noch ist die Piste in einem sehr guten Zustand. Aber Regen und die sehr warmen Temperaturen könnten alles kaputt machen

ÖSTERREICH: Warum arbeiten Sie nicht wie im Weltcup mit Härte-Mittel, mit „Schneezement“, um die Piste zu retten?
Hujara: Mit chemischen Mitteln könnten wir die Abfahrtspiste zwar retten, aber die folgenden Rennen wären verloren. Hier finden nämlich alle Bewerbe statt.

ÖSTERREICH: Gibt es schon die Überlegung, die technischen Bewerbe nach vorne zu ziehen?
Hujara: Wir haben noch genug Zeit, wir müssen nicht schon jetzt in Panik verfallen. Ich habe aber den Trainern signalisiert, dass es für die Abfahrt wohl bei einem Training bleiben könnte. Wir unternehmen alles Menschenmögliche, damit das Rennen stattfinden kann, haben sogar Nachteinsätze vorbereitet.

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