Ob er wieder ein SMS von Barack Obama bekommen hat, wollte er nicht verraten.
Der haushohe Favorit Shani Davis hat als erster Eisschnellläufer in der Olympia-Geschichte seinen Triumph über 1.000 m wiederholt. Vier Jahre nach seinem Sieg in Turin setzte sich der 27-jährige, dunkelhäutige US-Amerikaner im Olympic Oval von Richmond am Mittwoch (Ortszeit) in der Bahnrekordzeit von 1:08,94 Minuten durch und bescherte seinem Land das 29. Eisschnelllauf-Gold der olympischen Historie.
Silber ging vor den Augen von IOC-Präsident Jacques Rogge an den südkoreanischen 500-m-Sieger Mo Tae-bum (1:09,12), Bronze an Davis' Landsmann Chad Hedrick (1:09,32). Nach dem Chaos um defekte Eismaschinen hatte es erneut eine Panne im Olympic Oval gegeben: Im achten Paar der Konkurrenz versagte die Startpistole, so dass ein Fehlstart des Russen Aleksandr Lebedew nicht zurückgeschossen werden konnte.
Unbequemer Einzelgänger
Im letzten Paar der Konkurrenz
knackte der oft so unbequeme Einzelgänger Davis die bis dahin bestehende
Bestzeit des Südkoreaners Mo, der nach seinem 500-m-Erfolg angekündigt
hatte, die Siegesserie von Davis in diesem Winter brechen zu wollen. Bei
allen vier Weltcup-Rennen hatte der 1,91 Meter große US-Boy aus Illinois so
deutlich dominiert, dass eine Niederlage auf dem Olympia-Eis einer Sensation
gleich gekommen wäre.
Ob ihm Barack Obama wieder eine SMS geschickt hat, wollte Shani Davis nicht verraten. "Ich habe 41 Glückwünsche per SMS erhalten. Ob die vom Präsidenten dabei ist, verrate ich vielleicht morgen", meinte der schrille Superstar scherzhaft, nachdem er mit der US-Flagge in der Hand seinem Gold-Coup von Richmond ausgiebig gefeiert hatte.
Glänzende Kurventechnik
Bei seinem dritten Olympia-Antreten
in Richmond nach dem unbefriedigenden zwölften Platz über 5.000 m und dem
heftig umstrittenen Abbruch seines 500-m-Rennens nach dem ersten Lauf
demonstrierte der frühere Shorttracker dank glänzender Kurven-Technik erneut
seine Stärke und wurde von den mehr als 7.000 Fans im Oval frenetisch
gefeiert.
Schon nach seiner Anreise hatte Davis wie schon 2006 in Turin für reichlich Ärger gesorgt, weil er sich trotz des Druckes der US-Teamleitung weigerte, in der Team-Verfolgung um die Goldmedaille zu kämpfen.