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"Bringt nichts"

Speedtrainer Evers will weniger Druck

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Die heimischen Speed-Damen stellten im internen Duell auf 1:0.

Die österreichischen Ski-Damen haben ausgerechnet in der Abfahrt und damit jener Disziplin, in der man von Elisabeth Görgl und Kolleginnen bei Olympia am wenigsten erwarten hat dürfen, eine Medaille gewonnen und den Herren mit 1:0 vorgelegt. Doch nun noch mehr Druck auf die männliche Alpin-Fraktion in Whistler auszuüben, nützte überhaupt nichts, sagte ÖSV-Speedtrainer Andreas Evers vor dem Super-G am Freitag .

"Alles muss passen"
"Jeder gibt das Beste und versucht, schnell zu sein. Es muss alles passen, und wenn, dann ist es eine Medaille und ansonsten wie letztes Mal um ein paar Hundertstel ein Blech", meinte Evers und fügte hinzu. "Druck hin, Druck her, das nützt und hilft nichts. Natürlich wird etwas gefordert von der Öffentlichkeit, damit müssen wir sowieso leben. Aber es ist auch gut, dass das in Österreich so ist. Das zeigt, wie groß das Interesse ist."

Freilich wurde ein wenig der vom viertplatzierten Mario Scheiber um 12/100 Sekunden verpassten Bronzemedaille nachgetrauert und mit den Fehlern gehadert, nach denen Klaus Kröll nur auf Platz neun und Michael Walchhofer auf zehn gelandet waren. "Bei Klaus waren es zwei Kurven, der Michi hat eine verhaut. Und auch Mario hat zwei Fehler gemacht. Wenn das alles nicht wäre, dann könnten alle Drei auch vorne sein, aber das bringt jetzt nichts", weiß Evers.

Knappes Rennen
Walchhofer hatte beim Olympiasieg des Schweizers Didier Defago als Zehnter 0,57 Sekunden Rückstand. Evers: "Es war so knapp, da hätte es für den Zehnten bei den Herren im Damenrennen noch fast zu Silber gereicht, so knapp lagen die alle beieinander. Du brauchst einfach einen Superlauf, ansonsten spielt es keine Medaille." Zum Vergleich: Goldmedaillengewinnerin Lindsey Vonn hatte 0,56 Sekunden Vorsprung auf Landsfrau Julia Mancuso und bereits die kleine Welt von 1,46 auf die drittplatzierte Görgl.

Klar ist die Meinung von Evers dazu, was die Damenmedaille den Herren bringen könnte. "Die nützt nichts. Jeder fährt für sich, ist fokussiert auf sich und sein Rennen. Und es kann auch eine Riesenmotivation sein, noch keine Medaille zu haben, und der Erste zu sein, der sie holt." Freundlich wie immer drückte sich Benjamin Raich dazu aus: "Beim Rennen selber spielt es keine Rolle, weil da werde ich sicher nicht an die Damenmedaille denken. Die Stimmung drumherum ist aber vielleicht eine andere, weil da was Positives ist. Das gibt vielleicht ein bisserl einen Schub."

Walchi will Mut schöpfen
Michael Walchhofer will aus dem Umstand, dass die Damen in der Abfahrt eine von niemanden erwartete Medaille holten, Mut schöpfen. "Da kann man sich schon was mitnehmen, das ist auch das, was ich mitnehmen muss. Dass man die Sache nicht erzwingen kann. Gut Skifahren allein, das zeigt sich immer wieder, ist zu wenig. Es braucht auch oft den nötigen Rückenwind, der oft gefehlt hat und nur vereinzelt dagewesen ist."

Hans Pum, der als Alpinchef die Gesamtlage zu beurteilen hat, sprach nach dem Görgl-Erfolg von einer "sehr wichtigen" Medaille für die ganze Mannschaft. Über das Herren-Abfahrtsergebnis konnte sie ihn aber nicht hinwegtrösten. "Das ist ein anderes Rennen", meinte er, knurrte, und ließ sich schließlich doch zu einem "naja, vielleicht ein kleines bisschen" hinreißen.

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