Die künftige Regierung Ungarns wird ihren Sitz nicht im Karmeliterkloster auf dem Budaer Burgberg haben, wo der abgewählte rechtsnationale Premier Viktor Orbán residierte.
Die künftige Regierung Ungarns wird ihren Sitz nicht im Karmeliterkloster auf dem Budaer Burgberg haben, wo der abgewählte rechtsnationale Premier Viktor Orbán residierte. Das gab Wahlsieger Péter Magyar am heutigen Donnerstag auf Facebook bekannt. Der neue Sitz des Regierungschefs werde ein Ministeriumsgebäude in der Nähe des Parlaments sein, kündigte er an.
Magyar hatte vor den Wahlen angekündigt, das so genannte Karmeliterkloster, das bisher mit Bauzäunen abgeriegelt wurde, der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Chef der bürgerlichen Partei TISZA wird angesichts der Zwei-Drittel-Mehrheit seiner Partei bei den Parlamentswahlen bald den Auftrag zur Regierungsbildung von Staatspräsident Tamás Sulyok erhalten.
Orbán scheute keine Kosten
Das Gebäude mit Blick auf die Stadt war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Kloster für den männlichen Zweig des Karmeliterordens errichtet worden. Nach der Auflösung des Klosters 1784 durch Kaiser Joseph II. wurde das Gebäude umgebaut und rund 130 Jahre lang als Theater genutzt. Der barocke Bau gelangte 2014 in die Vermögensverwaltung des Ministerpräsidentenamtes. Danach ließ Orbán den Gebäudekomplex aufwendig zum Amtssitz umbauen.
Der Umbau soll 21 Milliarden Forint (57,55 Mio. Euro) gekostet haben. Da das Gebäude zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, stieß der Umbau auf massive Kritik, auch von Denkmalschützern. Ab 2019 wurde das Kloster zum symbolisch aufgeladenen Machtzentrum Orbáns, der aus dem Parlament in das Burgviertel übersiedelte.