Todesschiff-Kapitän drohen jetzt 15 Jahre

Traumschiff-Unglück

Todesschiff-Kapitän drohen jetzt 15 Jahre

Schettino sitzt in Haft, Anwalt spricht von „Selbstmordgefahr“.

Marinetaucher der italienischen Küstenwache versuchen weiter das schier Unmögliche: Mit Unterwassersprengstoff jagen sie mannsgroße Löcher in den Rumpf des Todesschiffes, um besser in die dunklen Schluchten des 17 Stockwerke großen Schiffes abtauchen zu können. Vielleicht gibt es in einzelnen Luftkammern doch noch Überlebende.

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    Die Realität sieht aber anders aus: Dienstagnachmittag entdeckten die Marinetaucher fünf weitere Leichen. Die Toten lagen im überfluteten Heckteil der gekenterten „Costa Concordia“. Damit steigt die Zahl der geborgenen Todesopfer vor der Küste der Toskana auf elf.

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    Der Kapitän: egozentrisch, herrisch und schwierig
    Kapitän Francesco Schettino wird immer mehr zur Schlüsselfigur der Kata­strophe. Der 52-Jährige aus Sorrento an der Amalfiküste sitzt in Untersuchungshaft. Als „egozentrisch und schwierig“ wird der stets braun gebrannte Schettino von seinen Kollegen beschrieben. Als „hilfsbereit und nett“ bezeichnet ihn das Wiener Crewmitglied Marie Bulgarini.

    Schettino begann seine Karriere auf einem Öltanker. 2002 wechselte er als Sicherheitsoffizier zur Genueser Reederei Costa Crociere. Seit 2006 ist er Kapitän. Zum Zeitpunkt der Kollision hatte er das alleinige Kommando an Bord. Das gab die Staatsanwaltschaft inzwischen bekannt. Der Staatsanwalt wirft Schettino fahrlässige Tötung, Havarie und das Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vor. Darauf stehen fünfzehn Jahre Haft.

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    Bruno Leporatti, Anwalt des Kapitäns, sagte am Dienstag: „Francesco ist bestürzt und erschüttert.“ Die Justizbehörden befürchten, er könnte Selbstmord begehen.

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      Österreicher werden schon bald entschädigt
      Die Österreicher, die an Bord der „Costa Concordia“ waren und alles zurücklassen mussten, werden schon bald entschädigt. Das versprach Stefan Bracher, Kommunikationschef von Eurotours: „Wir brauchen von den Gästen bloß eine genaue Auflistung ihres untergegangenen Reisegepäcks“, sagt er.

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        Jetzt wehrt sich Crew

        Der Schock sitzt tief, kam zeitverzögert: „Erst daheim in Wien hab’ ich realisiert, wie knapp es tatsächlich gewesen ist“, sagt Marie Bulgarini, 23, zu ÖSTERREICH. Sie arbeitete seit November 2011 auf dem Katastrophenschiff als „International Hostess“, kann die heftige Kritik an der Crew nicht verstehen: „Ich war doch eine der Letzten, die das Deck verlassen haben.“

        ÖSTERREICH: War zu diesem Zeitpunkt der Kapitän schon an Land?
        Marie Bulgarini:
        Das kann ich nicht genau sagen. Ich habe ihn nur später am Pier gesehen. Er stand da, der Schrecken war ihm anzusehen. Gesprochen habe ich nicht mit ihm, weil ich mit dem Boot wieder zurück aufs Schiff bin.

        ÖSTERREICH: Warum?
        Bulgarini:
        Es waren doch noch Passagiere an Bord. Deshalb bin ich wieder zurückgefahren.

        ÖSTERREICH: Normalerweise geht der Kapitän doch als Letzter von Bord?
        Bulgarini:
        Ich weiß nicht, warum er runter ist. Ich kann aber nichts Schlechtes über ihn sagen. Er war immer nett zu uns, hat sich perfekt um alle gekümmert.

        ÖSTERREICH: Sie waren kurz nach der Kollision auf der Brücke. Welchen Eindruck machte er?
        Bulgarini:
        Zuerst war ich in meinem Büro auf Deck 5. Plötzlich hat das ganze Schiff vibriert. Ich bin sofort rauf zur Brücke. Kapitän Schettino war da, die anderen Offiziere auch. Es war hektisch, aber es ist keine Panik ausgebrochen.

        ÖSTERREICH: Danach mussten Sie via Bordlautsprecher die Passagiere ­beruhigen. Herrschte sofort Panik an Bord?
        Bulgarini:
        Ja, es war dunkel, das Schiff hatte Schräglage. Viele Passagiere haben sich katastrophal verhalten. Sie filmten mit ihren Handys, fotografierten. Andere schrien, tobten, haben sich unseren Anweisungen einfach widersetzt. Manche stürmten an uns vorbei, trampelten über Frauen und Kinder, haben sich rücksichtslos durch die Menge geboxt, um als Erste im Rettungsboot zu sein. Andere verhielten sich rücksichtsvoll. Sicherlich waren auch einige Crewmitglieder schockiert – aber jene, die ich gesehen habe, haben gut zusammengearbeitet. Manche Offiziere sind sogar ins Wasser gesprungen, um Menschen zu retten.

        ÖSTERREICH: Sie haben vor dem Unglück auch Sicherheitsübungen abgehalten.
        Bulgarini:
        Das Training kann man aber nicht mit dem Ernstfall vergleichen. Einige Gäste hören nicht zu, andere schwänzen, kommen nicht.

        ÖSTERREICH: Hatten Sie Angst?
        Bulgarini:
        Nein, da war keine Zeit für Angst.

        ÖSTERREICH: Würden Sie wieder anheuern?
        Bulgarini:
        Ja, jederzeit.

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