Angeblich von Mossad

Weitere Hinrichtungen im Iran

Inmitten einer Serie täglicher Hinrichtungen hat die iranische Justiz abermals Todesurteile nach Spionagevorwürfen vollstreckt.  

Ehsan Afrashteh, ein IT-Experte, sei am Mittwoch in der Früh durch Erhängen hingerichtet worden, berichtete die mit der Justiz verbundene Nachrichtenagentur Mizan. Irans Justiz hatte ihm Zusammenarbeit mit dem israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad zur Last gelegt.

Afrashteh wurde nach Informationen des Menschenrechtsnetzwerks HRANA mit Sitz in den USA 2024 festgenommen, als er aus der Türkei zurück in seine Heimat reiste. Demnach verbrachte er die ersten Monate danach im berüchtigten Evin-Gefängnis in der Hauptstadt Teheran zunächst in Isolationshaft.

Der studierte Bauingenieur habe als IT-Experte unter anderem im Bereich Cybersicherheit gearbeitet, berichtete die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO) mit Sitz in Norwegen. In der Türkei sei ihm bewusst geworden, dass ausländische Geheimdienste ihn ausnutzten, berichtete die Organisation unter Berufung auf Aussagen eines Mithäftlings.

Geständnis in Haft

Afrashteh entschied sich dem Bericht der Aktivisten zufolge dennoch, in den Iran zurückzukehren, nachdem sein Vater den Kontakt mit iranischen Sicherheitsbehörden gesucht und die Situation erklärt hatte. Dort stellte er sich den iranischen Behörden. In der Haft sei er dann zu einem Geständnis gezwungen worden.

Der Direktor von Iran Human Rights, Mahmood Amiry-Moghaddam, sprach von einem Todesurteil nach falschen Vorwürfen. Afrashtehs Vater habe einen tödlichen Herzinfarkt erlitten, nachdem er damals von seiner Verurteilung erfahren hatte, schrieb er auf X.

Die Justiz wiederum veröffentlichte einen detaillierten Bericht zu seinen angeblichen Spionagetätigkeiten. Demnach soll der israelische Geheimdienst Mossad Afrashteh zunächst virtuell geschult haben. Zu seinen späteren Aufgaben gehörten den Angaben zufolge, Zielorte zu dokumentieren, die Umgebung des Geheimdienstministeriums zu observieren, an Versammlungen teilzunehmen sowie Fotos verschiedener Personen anzufertigen.

Weitere Hinrichtung nach Protesten

Ein weiterer Mann wurde im Zusammenhang mit den Massenprotesten im Jänner hingerichtet. Wie die mit der Justiz verbundene Nachrichtenagentur Misan meldete, wurde das Todesurteil gegen Mohammad Abbasi vollstreckt. Irans Justiz hatte ihm vorgeworfen, bei Unruhen im Jänner einen Polizeibeamten erstochen zu haben.

Der Vorfall ereignete sich nach Angaben von Misan in Melard, einem Vorort westlich der Hauptstadt Teheran. Der Oberste Gerichtshof habe das Urteil bestätigt.

In den Morgenstunden vollstreckt

Nach Angaben des Menschenrechtsnetzwerks HRANA wurde das Todesurteil in den Morgenstunden vollstreckt. Zudem sei Abbasis 25-jährige Tochter im berüchtigten Ewin-Gefängnis inhaftiert. Das Netzwerk berichtete unter Berufung auf einen Zeitungsbericht weiter, ein Anwalt sei am Zugang zu den Angeklagten gehindert worden.

Menschenrechtsgruppen kritisieren seit Jahren die rigorose Anwendung der Todesstrafe im Iran und werfen den Behörden vor, Hinrichtungen auch als Mittel der Einschüchterung zu nutzen. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben von IHRNGO mindestens 1.639 Menschen hingerichtet, so viele wie seit 35 Jahren nicht mehr.

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