Der blaue Engel: Verhängnisvolle Affäre

Premiere am 19.8.

© APA/Dietmar Stiplovsek

Der blaue Engel: Verhängnisvolle Affäre

Vor einem Jahr brachte Herbert Föttinger, der fabelhafte Schauspieler, Regisseur und Direktor des Theaters in der Josefstadt, bei den Bregenzer Festspielen Thomas Manns Jahrhundertroman Buddenbrooks heraus. Heute hat in Bregenz Der blaue Engel in Föttingers Regie Premiere: eine von der Josefstadt unter Anleitung Peter Turrinis erstellte Dramatisierung von Heinrich Manns 1905 erschienenem großen Roman Professor Unrat unter Einbeziehung des Drehbuchs von Carl Zuckmayer für den Film Der blaue Engel (1930).

„Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“
Als „Barfußtänzerin“ Rosa Fröhlich, genannt Lola, die mit dem Schlager „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ den Männern den Kopf verdreht, erlangte Marlene Dietrich in Josef von Sternbergs Film Weltruhm. In der Koproduktion der Josefstadt mit den Bregenzer Festspielen verkörpert Katharina Straßer die Tingeltangel-Tänzerin, die den tyrannischen Gymnasiallehrer Raat, von seinen Schülern „Professor Unrat“ genannt, ins Verderben stürzt. Im Film spielte Emil Jannings den kleinbürgerlichen Schreckensherrscher, in der Theaterfassung ist Erwin Steinhauer zu erleben. Lesen Sie hier das Interview mit Erwin Steinhauer

„Amerikaner planen den Blauen Engel als Musical“
„Ich finde es toll, dass wir nach den Buddenbrooks von Thomas Mann nun den Professor Unrat seines Bruders Heinrich machen können“, sagt Föttinger. „Es war schwierig, die Rechte dafür zu bekommen, weil die Amerikaner The Blue Angel als Musical planen.“

Der jüngst verstorbene Peter Zadek hatte sich an zwei Dramatisierungen von Heinrich Manns Spießbürger-Studie gewagt und war damit grandios gescheitert: 1974 brachte er in Bochum die „Komödie mit Musik“ Professor Unrat heraus, 1992 versuchte er es in Berlin mit der Revue Der blaue Engel.

Föttinger: „Die Josefstadt-Fassung basiert auf dem Roman und dem Film und wurde von Turrini großzügig unterstützt. Meiner Inszenierung liegt als Motto ein Satz aus Horváths Kasimir und Karoline zugrunde: ,Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich – aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln.' Raat und Rosa Fröhlich wollen aus ihrer Welt ausbrechen und scheitern.“

„Unrat, dieses lächerliche Scheusal, hat doch einige Ähnlichkeit mit mir“, bekannte Heinrich Mann. 1930 heiratete er die Berliner Animierdame Nelly Kröger.

Im September verführt Lola in Wiener Josefstadt
Thomas Mann nannte seine Schwägerin „eine arge Hur“, sie wurde Alkoholikerin und beging Selbstmord. „Wie Thomas Mann in den Buddenbrooks seine Familie porträtiert hat, hat Heinrich im Professor Unrat visionär seine Beziehung mit Nelly Kröger dargestellt“, so Föttinger. „Da zerbricht sie an der Umgebung, die sie nicht akzeptiert.“
Ab 17.9. ist die Produktion in Wien zu sehen.

„Der blaue Engel“, heute, 19.30 Uhr, Theater am Kornmarkt, Bregenz.

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