Zum Weltfrauentag spricht Barbara Meier über ihr Herzensprojekt als UNICEF-Ehrenbeauftragte, neue Sichtweisen durch das Muttersein und warum wir gerade in Krisenzeiten nicht abstumpfen dürfen.
Abseits von Red Carpets, Shows und Partys hat Moderatorin, Schauspielerin und Topmodel Barbara Meier ein wichtiges Herzensprojekt. Als Ehrenbeauftragte setzt sich die zweifache Mutter seit 2022 für UNICEF ein – vor allem als Kommunikatorin. Denn: „Ich möchte meine Bekanntheit nützen, um die Menschen auf die Probleme und Armut in der Welt aufmerksam zu machen und ihre Herzen zu öffnen.“ Das Interview über ihre Motivation, Bilder, die ihr das Herz „zerreißen“ und die Wirtschaftskrise als Herausforderung für karitative Initiativen.
Hat der Weltfrauentag eine besondere Bedeutung für Sie?
BARBARA MEIER: Absolut. Früher war mir der Tag ehrlich gesagt gar nicht so wichtig. Heute sehe ich ihn – vor allem durch meine Arbeit mit UNICEF – als einen entscheidenden Tag, um auf Frauenrechte zu blicken. Besonders auf die Rechte junger Mädchen. Der 8. März ist für manche leider zu einem zweiten Muttertag oder Valentinstag geworden: Männer schenken Blumen und denken, damit sei ihre Schuldigkeit getan. Aber der Hintergrund ist doch ein viel ernsterer. Es geht um systemische Benachteiligung.
Wenn Sie von Benachteiligung sprechen: Beziehen Sie das auf die Situation in Österreich oder eher auf den globalen Kontext?
MEIER: In Österreich geht es uns im Durchschnitt sehr gut, auch wenn wir hier massive Probleme wie Femizide und häusliche Gewalt haben, die wir extrem ernst nehmen müssen. Aber mein Fokus bei UNICEF liegt auf der weltweiten Situation. Es gibt Themen, die fast ausschließlich Mädchen betreffen: Genitalverstümmelung, Kinderehen, die Sterblichkeitsrate bei Geburten minderjähriger Mädchen. Mir fällt kaum ein Bereich ein, in dem weltweit nur Buben so massiv benachteiligt werden.
Ein zentraler Punkt der Arbeit von UNICEF ist auch die Ermöglichung von Bildung für Mädchen...
MEIER: Ja, 122 Millionen Mädchen weltweit gehen nicht zur Schule. Das muss man sich einmal vorstellen! Wenn ein Alien auf die Erde käme und wir müssten ihm erklären, warum wir 50 Prozent der Menschheit aufgrund ihres Geschlechts diskriminieren, hätten wir kein einziges logisches Argument.
Wie erklären Sie solche komplexen Ungerechtigkeiten Ihren eigenen Töchtern?
MEIER: Das ist der Moment, in dem einem die Absurdität erst richtig bewusst wird. Ich habe meiner Tochter erklärt, dass es Menschen gibt, die andere wegen ihrer Hautfarbe, einer Behinderung oder ihrer Lebensweise benachteiligen. Als sie fragte: „Warum?“, saß ich da und wusste keine Antwort. Weil es eben kein Argument gibt, außer: „Es war schon immer so.“ Aber das ist kein Grund, sondern ein Versäumnis. Als kluge Menschheit sollten wir längst weiter sein.
Sie sind seit 2022 Ehrenbeauftragte für UNICEF Österreich. War Ihre eigene Mutterschaft der Auslöser für dieses intensive Engagement?
MEIER: Ich habe mich schon immer für Umweltthemen eingesetzt. Aber seit ich Mama bin, spüre ich das Bedürfnis, noch mehr zu tun, auch auf einer anderen Ebene. Ich sehe auf den Bildern nicht nur Kinder, die leiden, ich sehe die Mütter. Ich weiß jetzt, welche Sorgen man sich schon bei Kleinigkeiten macht. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste meinem Kind beim Verhungern zusehen und könnte nichts tun – dieser Gedanke ist unerträglich. Das treibt mich an.
In Zeiten von Krisen sinkt oft die Spendenbereitschaft. Wie erleben Sie das?
MEIER: Ich hoffe sehr, dass wir nicht abstumpfen. Wir sind heute durch die digitale Welt mit dem Leid der ganzen Erde konfrontiert. Das kann einen emotional überfordern, und man neigt dazu, abzuschalten. Aber gerade wenn die Politik Hilfen kürzt, kommt es auf uns Einzelne an. Ich habe oft bei Spenden-Telefonen erlebt, dass gerade die Menschen, die selbst wenig haben, am bereitwilligsten teilen. Diese Solidarität ist lebenswichtig.
Was ist Ihre konkrete Aufgabe als Ehrenbeauftragte?
MEIER: Ich sehe mich primär als Kommunikatorin. Ich nutze meine Reichweite in Interviews, Podcasts oder auf Social Media, um Themen dorthin zu bringen, wo man sonst vielleicht wegschauen würde. Aktuell bin ich das Gesicht der CharityKollektion von Ernsting’s family, die Bildungsprojekte für Mädchen unterstützt. Und mein Ziel ist es, bald auch UNICEFProjekte vor Ort zu besuchen und noch mehr Menschen dazu zu motivieren, zu helfen.