20. Mai 2010 18:50
Lieferte Whitney Houston Mittwoch ein stimmlich merkwürdiges Unterfangen, so
bewiesen Kiss gestern in der restlos ausverkauften Stadthalle, dass sich
auch ohne Stimme eine Bomben-Show ausgeht.
Unterstützt von mehr als 300 Boxen, überdimensionalen Leinwänden und gleich
36 Gitarren-Verstärkern erwies sich die Sonic Boom Show als ein bis an die
Hallendecke vollgestopftes, blitz- und feuerspeiendes Hydraulik-Monstrum.
Etwaige Vokal-Dissonanzen – und davon gab es doch einige – wurden der
Einfachheit halber mit Explosionen weggesprengt. Tarnen und Täuschen auf
höchstem Niveau!
Rock-Zirkus
Kiss Live – das ist Spektakel pur. Ein Rock-Zirkus
mit dickem Clown (Gene Simmons), stimmlich angeschlagenem Co-Direktor (Paul
Stanley) und zwei Mehr-oder-weniger-Statisten (Gitarrist Thaler,
Schlagzeuger Singer).
Zum Opener Modern Day Delilah gab’s ein Hydraulik-Spektakel, dass an den
Fliegenden Teppich vom Prater erinnerte: Via Schwebeplattform wurden die
schrillen Comic-Rocker einmal rund um das Schlagzeug gehievt. Eigentlich
völlig sinnlos, aber optisch beeindruckend – ein roter Faden, den man,
unterfüttert mit 35-jähriger Hit-Historie, zwei Stunden lang gefällig
durchzog.
Blut & Feuer
Die Songs – Cold Gin, Deuce, Detroit Rock City
– 0815-Rock mit Headbanger-Garantie. Die Show – grandiose Effekthascherei
voller Schmunzel-Monster-Effekte: Erst spuckte Gene Simmons Feuer
(Firehouse), später Blut (I Love It Loud), um schließlich kraft seiner
Fledermaus-Flügel und verstärkt durch zwei Stahlseile zum Bühnendach zu
entfliehen.
Zu I Was Made For Lovin’ You hob auch Paul Stanley ab – und flog in Richtung
Mischpult davon. „You wanted the Best – You got the Best!“ hieß es in der
Intro-Ansage. Kiss hielten 122 Minuten lang Wort.