Das ist die neue Schiffkowitz-CD

Weiß

Das ist die neue Schiffkowitz-CD

Es ist das zweite Solo-Album des einen S von STS. Elf Jahre sind seit ‚Er selbst‘ vergangen. ‚Ich bin kein Schnellschreiber‘ sagt Schiffkowitz und so legt er nun 10 Songs vor. Für jedes Jahr der Etappen zwischen Album eins und zwei ein Lied. Dazu die Monate der Produktion und Weiß wird durch die Themenvielfalt zum Regenbogen.

Ein autobiografisches Album?
Ja, ein Werk für welches der Singer- Songwriter Fenster öffnet, die Einblicke zulassen. Zehn Titel, das klingt in Download-Zeiten wie eine EP, aber da muss der Einspruch auf dem Fuße folgen: Das Lied, welches die CD abschließt – ‚Das heilige Feuer‘ – hat alleine eine Spiellänge von über 10 Minuten. Also keine vorschnellen Schlüsse ziehen. Zehn Lieder, das klingt ebenso nach guter, alter Vinyl-Zeit und da wären wir schon viel mehr beim eigentlichen Thema. Langspielplatte – ein Wort wie aus einer untergegangenen Welt. Hier bekommt es eine Lebendigkeit, die man gerne und dankbar entgegen nimmt.

Die Lieder des Albums
Alles beginnt in der Türkei, dort in Istanbul, im ‚Hotel Gülhane‘. Eine Absteige zwar, aber was spielte das, mit 20, für eine Rolle bei diesem Aufbruch in ein neues Leben?  Die Haare lang, der Kopf nicht gewillt sich programmieren zu lassen und per Autostopp in den Süden. Diese Reise in die Türkei, in der Hochblüte der Hippie-Zeit, sie steht nicht zufällig am Anfang dieser Langspielplatte.

‚In Zürich‘
Ebenso ist es kein Zufall, dass ‚In Zürich‘ das nächste Lied auf der Platte ist. Zürich ist jene Stadt, in der der Mann, der später als Schiffkowitz über das Leben als Straßenmusikant in Wien gesungen hat, tatsächlich als ein solcher zugange war. Legionen von STS-Fans glauben bis heute, dass es Erlebnisse auf der Wiener Kärntner Straße waren, die den Grundstein zur heimlichen Steirischen Hymne ‚Fürstenfeld’ gelegt haben, ‚aber da habe ich nie gespielt‘, erzählt Schiffkowitz. Nachsatz: ‚Glaubt des etwa wer?‘ Heftiges Bejahen! ‚Na, nie… in Zürich aber schon‘. Fürstenfeld reloaded? Klar, man muss nur genau hinhören. Hinhören und weitere Stimmen entdecken. Starring - in alphabetical order: Wolfgang Ambros, Christian Kolonovits, Willi Resetarits.

‚In the music‘
So heißt jener Song auf der LP, der eine tiefe Verbeugung bei jenen hervorrufen muss, die das Lied und all die Chemie die da drin steckt, zu deuten wissen. Ja, man muss schon etwas reifer sein und länger im Leben stehen, um die Magie zu erkennen. Schiffkowitz im Duett mit Donovan. Donovan Leitch um genau zu sein. Die beiden Herren sind (fast) gleich alt, haben sich durch die Familie Theessink kennen und schätzen gelernt. In den 60ern wollte die Musikindustrie Donovan als englischen Bob Dylan aufbauen. Das hat so nicht funktioniert, aber die Lieder die Herr Leitch uns geschenkt hat – allen voran ‚Atlantis‘ – sind Musikgeschichte und wurden auch von Schiffkowitz, zu einer Zeit wo das Straßenmusikertum in seinem Leben eine Rolle gespielt hat, gesungen. Mellow Yellow, Hurdy Gurdy Man, Catch The Wind… ‚Als wir einander vorgestellt wurden, hab ich zu ihm gesagt: I hab seinerzeit auf der Straße deine Lieder g‘sungen‘, erinnert sich Schiffkowitz. Es war der Anfang einer Künstlerfreundschaft, geprägt durch gegenseitigen Respekt. ‚Ein sehr persönliches Duett‘ ist es geworden und ein Schlüssellied. Wer ‚In the music‘ nicht spürt, der wird möglichweise die ganze Platte nicht verstehen. Hingegen: Wer das Lied spürt, verlässt nur mit einer Frage das Lied: Wann kommt die Vinylpressung?

‚Die Stadt erwacht‘
Der Song ist geprägt von Hans Theessinks mit nichts zu vergleichendem Gitarrenspiel und dem Gefühl, dass das Lied aus einem Guss ist und so ist es auch entstanden. Für Schiffkowitz rekordverdächtig durch plötzliches, durch nichts unterbrochenes Aufschreiben. Beobachtungen durch halb geschlossene Augenlider. Die Stadt und ihre Menschen wachen auf. ‚Sie reibt sich die Nacht aus jeder Seitengasse‘ – was für eine Zeile! Herrjeh, wie lange musste man warten um solche Texte wieder hören zu dürfen. Es folgt ‚Immer wieder das Gleiche‘, ein Song über das Abschiednehmen. ‚Damit kann ich generell schlecht umgehen. Während der Produktionszeit dieser Platte habe ich drei Menschen aus meinem Bekanntenkreis gehen gesehen. Darunter Kurt Hauenstein. Das letzte was ich von ihm gehört habe war: Burschen, macht’s was, was vom Herzen kommt‘, erinnert sich Schiffkowitz und wir setzen an dieser Stelle einen Gedankenstrich statt eines Punktes - 

‚Welt ohne Religion‘
Steht genauso für sich wie ‚Heimat‘. ‚Zwei Themen, die mich seit langem beschäftigen‘. Bei ersterem bezieht der Mann keine Stellung, ist Aufzähler und knallt, unterstützt durch Vocals von Boris Bukowski, nach den Fragen den Refrain auf den Tisch. Kompromisslos. Beim zweiten Lied darf man nicht vorher aussteigen, sonst kommt man auf eigenartige Gedanken. Man muss dranbleiben bis Insingizi, die Stimmen aus Afrika zu hören sind und Willi Resetarits. Erst dann passt der Begriff ‚Heimat‘ auch zu Schiffkowitz und der Tirolerhut zum Kopftuch.

'Was mach i da‘
In ‚Zwei Fenster‘ sind sie indirekt zu dritt. Interpretation: Schiffkowitz, Text: Steinbäcker, Musik: Timischl. Thema: Alles hat seine Zeit und es ist wie es ist. In ‚Was mach i da‘ erlaubt sich der Mann seltenes. Bad Times in Griechenland. Gibt’s so was überhaupt? ‚Klar, es hat mich halt alles angezipft und der Schlüsselsatz darin lautet: Die Akropolis brauch i a net, die is heut nix als wie alt‘. Vier Minuten übers Zwidersein singen. Auch das hat seinen Reiz und wenn wie hier, in diesem Lied, das zweite S und das T mit dabei sind, dann wird das kommunale Granteln kultig!

‚Das heilige Feuer‘
Die LP endet mit ‚Das heilige Feuer‘. In diesem griechischen Dorf mit dem ungewöhnlichen Namen schließt sich der Regenbogen. In einer Bucht auf Kreta treffen sich 30 Jahre in 10 Minuten Musik und Text. ‚Diese Bucht, sie ist ein sehr wichtiger Platz für mich‘ und jeder Versuch, dies von Schiffkowitz hier genauer beschreiben zu lassen, wäre ein Fehler. Es gibt Momente, Situationen wo die Musik einfach für sich sprechen soll und ‚Das heilige Feuer‘ ist so ein Moment.

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