Gehen, Atem & Co.
Diese Alltagssignale können zeigen, wie gesund Ihr Herz ist
Unser Herz arbeitet permanent, ohne dass wir darüber nachdenken. Erst wenn wir schneller gehen, eine Treppe hinaufsteigen oder Sport machen, merken wir plötzlich, wie unser Kreislauf reagiert. Genau solche alltäglichen Situationen können interessante Hinweise auf die eigene Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit liefern. Das bedeutet nicht, dass man mit ein paar kleinen Selbsttests zu Hause feststellen kann, ob das Herz gesund ist. Dafür braucht es medizinische Untersuchungen. Manche Veränderungen können aber ein guter Grund sein, den eigenen Körper genauer zu beobachten.
1. Beim normalen Gehen geht Ihnen nicht die Luft aus
Ein Gespräch beim Spaziergang führen? Für Menschen mit guter Belastbarkeit ist das normalerweise kein Problem. Man kann nebenbei reden, ohne ständig nach Luft schnappen zu müssen. Dahinter steckt ein komplexes Zusammenspiel: Bei Bewegung benötigen die Muskeln mehr Sauerstoff. Herz und Lunge müssen deshalb ihre Leistung anpassen und den Sauerstofftransport hochfahren.
Wird man dagegen schon bei gewöhnlichen Alltagstätigkeiten ungewöhnlich kurzatmig, sollte man das nicht einfach als schlechte Kondition abtun. Atemnot unter Belastung kann viele Ursachen haben – darunter auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neue oder deutlich zunehmende Beschwerden gehören deshalb ärztlich abgeklärt. Gerade der Vergleich mit dem eigenen Normalzustand ist dabei interessant: Wer plötzlich bei einer Strecke außer Atem gerät, die bisher problemlos funktioniert hat, sollte das ernst nehmen.
2. Ein Fingernagel verrät etwas über die Durchblutung
Dieser kleine Test sieht fast zu banal aus, um medizinisch interessant zu sein: Drücken Sie kurz auf einen Fingernagel, bis die Stelle heller wird. Nach dem Loslassen sollte die ursprüngliche Farbe relativ schnell wieder erscheinen. Damit lässt sich die sogenannte Kapillarfüllungszeit grob beurteilen. Sie beschreibt, wie schnell sich die kleinen Gefäße nach dem Druck wieder mit Blut füllen. Bei Erwachsenen gilt eine Rückkehr der Farbe innerhalb von etwa zwei Sekunden häufig als unauffällig.
Dauert es deutlich länger, kann das verschiedene Gründe haben. Neben einer beeinträchtigten Durchblutung kommen beispielsweise auch Flüssigkeitsmangel oder Kälte infrage. Deshalb bitte nicht aus einem einzelnen Fingernagel-Test auf die Herzgesundheit schließen. Er ist höchstens ein kleines Puzzleteil und kein Ersatz für Blutdruckmessung oder ärztliche Untersuchung.
3. Spannender ist, was Ihr Puls nach dem Sport macht
Während einer Belastung steigt die Herzfrequenz an. Das ist genau das, was passieren soll. Interessanter wird es nach dem Ende der Anstrengung. Wie schnell kommt der Puls wieder herunter? Diese sogenannte Herzfrequenz-Erholung beschreibt, wie stark die Herzfrequenz in der Erholungsphase nach einer Belastung sinkt. Sie wird in der Sport- und Herzmedizin schon lange untersucht und gilt als interessanter Marker für die Funktion des autonomen Nervensystems und die kardiovaskuläre Fitness.
Eine viel zitierte Untersuchung von Christopher Cole und seinem Forschungsteam, die 1999 im New England Journal of Medicine erschien, fand einen Zusammenhang zwischen einer verzögerten Herzfrequenz-Erholung und einer erhöhten Sterblichkeit. Das bedeutet aber ausdrücklich nicht: Je weniger Schläge Ihr Puls in einer bestimmten Minute verliert, desto kränker sind Sie. Die Erholung wird unter anderem von Trainingszustand, Alter, Medikamenten, Ausgangspuls und der Intensität der Belastung beeinflusst.
4. Treppen werden nicht plötzlich zu einer Bergtour
Auch Treppensteigen ist ein erstaunlich guter Alltagstest für die eigene Belastbarkeit. Natürlich hängt das Ergebnis von Fitness, Tempo, Gewicht und Trainingszustand ab. Niemand muss nach zwei Stockwerken aussehen wie nach einem 10-Kilometer-Rennen.
Interessant wird es erst, wenn sich etwas deutlich verändert: Wenn eine Strecke, die früher problemlos funktioniert hat, plötzlich ungewöhnlich anstrengend wird oder Atemnot auftritt, sollte man der Sache nachgehen. Denn das Herz ist nicht nur für Sport zuständig. Es muss bei jeder Bewegung die notwendige Durchblutung sicherstellen.
Was diese Signale nicht können
So interessant solche Beobachtungen sind: Sie können keinen ärztlichen Herz-Check ersetzen. Bluthochdruck verursacht beispielsweise häufig überhaupt keine Beschwerden. Auch erhöhte Cholesterinwerte spürt man im Alltag nicht. Wer sein kardiovaskuläres Risiko wirklich einschätzen möchte, braucht deshalb neben dem eigenen Körpergefühl auch objektive Messwerte.
Besonders wichtig: Brustdruck oder Brustschmerzen, Ohnmacht, starke oder neu auftretende Atemnot sowie eine plötzlich deutlich schlechtere Belastbarkeit sollten medizinisch abgeklärt werden.
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