Skandal in Linz
Erst drittes Spital behandelte Opfer von Vergewaltigung
OÖ. In Linz ist ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer erst im dritten Spital behandelt worden. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder sowie das Ordensklinikum Elisabethinen haben es weggeschickt. Im Kepler Uniklinikum (KUK) wurde es versorgt. "Dieser Fall ist erschütternd", hielt Frauenstadträtin Eva Schobesberger (Grüne) fest. Es brauche "klare Regeln und eindeutige Handlungsanleitungen für das medizinische Personal in den Spitälern", forderte sie.
"Moment.at" hatte am Donnerstag den Vorfall von Ende Mai, über den das Opfer in sozialen Medien wohl Tage später berichtet hat, veröffentlicht. Bei der Polizei ist der Fall bekannt, eine Anzeige sei eingegangen, bestätigte eine Sprecherin am Freitag. Am 26. Mai wurde das Opfer, eine Transfrau, mit einem Polizeiwagen in Begleitung einer Freundin in eines der Aufnahmespitäler, das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder, gebracht. Es sei in der Nacht mit K. O. Tropfen außer Gefecht und dann vergewaltigt worden.
Keine Erste-Hilfe-Maßnahmen erforderlich
Nach der Anamnese sei "kein Fall für eine sofort erforderliche Erste-Hilfe-Maßnahme" vorgelegen, teilte das Krankenhaus mit. "Da die Frau bei der Untersuchung in der Abteilung für Frauenheilkunde männliche Geschlechtsmerkmale aufwies, durfte vom Facharzt für Frauenheilkunde nach den geltenden gesetzlichen Regelungen keine weitere Behandlung mehr stattfinden", hieß es weiter in der Stellungnahme. Im Spital gibt es jedoch keine Abteilung für Urologie, weshalb die Transfrau zu den Elisabethinen an die urologische Ambulanz weitergeleitet wurde.
Dort entschied man, das Opfer "aufgrund der geschilderten Tat und zur weiteren fachlichen Untersuchung in die Gewaltambulanz des Kepler Universitätsklinikums" zu bringen. "Wir bedauern ausdrücklich die zusätzlichen Umstände, die von der betroffenen Person als sehr belastend wahrgenommen wurden. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Sachverhalts wurden die internen Abläufe überprüft und erforderliche Anpassungen vorgenommen, um zukünftig vergleichbare Situationen zu vermeiden", betonten die Elisabethinen.
Im KUK behandelt
Im KUK wurde das Opfer dann auch behandelt, insgesamt dreieinhalb Stunden nachdem es ärztliche Hilfe gesucht habe, schrieb "moment.at". Da Opfer von Gewalt immer in jedem Krankenhaus versorgt werden müssen, fahren Einsatzorganisationen wie das Rote Kreuz oder die Polizei grundsätzlich das jeweilige Aufnahmekrankenhaus an, so ein Grund, warum sich die Fachbehandlung der Transfrau verzögerte. Im Uniklinikum würden Gewaltopfer, auch an Nicht-Aufnahmetagen, immer auf der jeweiligen Fachabteilung versorgt und behandelt, stellte das KUK klar. Konkrete Angaben zu dem Fall könnten aufgrund des Datenschutzes nicht gemacht werden.
Auch 2025 wurde Patientin abgewiesen
Bereits 2025 hatte die Abweisung einer Patientin, die laut ihren Angaben vergewaltigt wurde und vom KUK abgewiesen worden war, für Empörung gesorgt. Darauf wurde im KUK eine Gewaltambulanz eingerichtet, das Projekt sei noch im Aufbau und werde stetig weiterentwickelt, hieß es von dort. Die Ambulanz unterstütze die Fachabteilungen, indem Mitarbeitende sich um Spurensicherung kümmern und Betroffene über mögliche weitere Schritte beraten, so die Auskunft.
"Es darf jetzt nicht zur Tagesordnung übergegangen werden. Die Krankenhäuser haben dafür Sorge zu tragen, dass unter keinen Umständen auch nur noch eine weitere Person nach einer Vergewaltigung von einem Krankenhaus weggeschickt wird und alle Menschen, denen so etwas Schreckliches widerfährt, umgehend die nötige Behandlung bekommen", meinte Schobesberger.
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