Grosz gesagt

Ganz SPÖ scheitert

Ein Kommentar von Gerald Grosz zur SPÖ.
OE24 auf Google bevorzugen

Andreas Babler ist nicht das größte Problem der SPÖ. Er ist bloß ihr Symptom. Die eigentliche Krankheit sitzt tiefer, viel tiefer: eine tödliche Mischung aus totaler Orientierungslosigkeit, Prinzipienlosigkeit, gelebter Heuchelei und purem Opportunismus. Die Sozialdemokratie ist wie ein altersschwacher Tanker, der mit Vollgas in die falsche Richtung rast – während die Welt längst einen anderen Kurs fährt.

Die Welt hat sich verändert. Die Probleme von heute haben mit den Schlachten von vor 30 oder 40 Jahren so viel zu tun wie ein Smartphone mit einer Schreibmaschine. Doch die Genossen verhärren stur in ihren alten Betonstrukturen und ihrem verstaubten Denken. Sie träumen noch immer vom großen Kampf der Arbeiterklasse – nur haben sie die Arbeiter längst verloren. Die ehemaligen Proletarier sind heute die neue Mittelschicht, die Leistungsträger, die mit beiden Händen anpacken und Steuern zahlen. Und die fühlen sich von diesem verblichenen sozialistischen Pathos nicht mehr vertreten.

Statt den Kampf um Eigentum, Leistung und Sicherheit in den Mittelpunkt zu stellen – das, was heute wirklich zählt –, klammern sie sich an hohe Steuern, explodierende Nebenkosten und eine kaputte Wirtschaftspolitik. Antworten? Fehlanzeige. In der Migrationsfrage kleben sie weiter am linken Rand wie eine Fliege am Honigtopf und merken nicht einmal, wie ihnen die eigenen Wähler davonlaufen.

Babler mag kein optimaler Bundespolitiker sein. Aber ihm allein die Schuld am Niedergang zu geben, wäre zu billig und zu bequem. Am Ende scheitert nicht nur Babler. Es scheitert die gesamte SPÖ. Eine Partei ohne Kompass, ohne Mut zur Wahrheit und ohne Willen, sich der Realität zu stellen.

Genau das ist das wahre Drama der österreichischen Sozialdemokratie.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden