Lächeln bald weg?

Glücklichstes Land der Welt schlittert in die Krise

Hafen von Helsinki bei Sonnenuntergang mit Gebäuden, Booten und dem Dom im Hintergrund.
© Getty Images
Finnlands Schulden und das Defizit erreichen Höchstwerte wie seit den 1990er Jahren nicht mehr. Nun drohen dem Land massive Sparmaßnahmen.
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Der nordische Staat, der neun Jahre in Folge als das glücklichste der Welt galt, steht vor großen finanziellen Herausforderungen. Russlands Krieg in der Ukraine und gestiegene Verteidigungsausgaben nach dem NATO-Beitritt haben die fiskalische Belastung massiv erhöht. Das Statistikamt Finnlands bestätigte, dass die Staatsverschuldung im zweiten Quartal 90,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht hatte. Vor der Pandemie lag dieser Wert bei rund 65 Prozent.

Harter Sparkurs droht

Vor den Wahlen im April dreht sich die Debatte um die Frage, welche Dienstleistungen, Sozialleistungen und Renten die größten Einschnitte hinnehmen müssen. Brüssel setzt Helsinki unter Druck, die Neuverschuldung zu verringern, da die Regeln der Europäischen Union eine Defizitgrenze von drei Prozent des BIP verlangen. Im Januar leitete der Europäische Rat ein Verfahren ein und setzte Finnland eine Frist bis Ende 2028. Die Regierung unter Ministerpräsident Petteri Orpo will in dieser Legislaturperiode rund neun Milliarden Euro einsparen. Ökonomen warnen jedoch vor weitaus tiefer greifenden Kürzungen zwischen acht und elf Milliarden Euro.

Hohe Arbeitslosenquote

Zwar liegt die Armutsgefährdungsquote unter dem EU-Durchschnitt, doch die Arbeitslosenquote ist mit 10,3 Prozent im August höher als in jedem anderen Mitgliedsstaat des Blocks. Die Jugendarbeitslosigkeit erreichte 23,3 Prozent. Experten warnen, dass eine neue Sparrunde einen schweren Schlag für die Binnenwirtschaft bedeuten würde, da mehr als ein Viertel der Bevölkerung im öffentlichen Sektor beschäftigt ist. Gleichzeitig rüstet das Land auf: Die Militärausgaben wurden erhöht, und die Verteidigungsausgaben sollen auf 3,2 Prozent des BIP steigen.

Lichtblick im Export

Ein Lichtblick bleibt der florierende finnische Exportsektor, der von einer starken Auftragslage in der Metall- und Schiffbauindustrie profitiert. Investoren stufen finnische Staatsschulden weiterhin als eine der sichersten Anlagen in Europa ein, wie der Zinsaufschlag gegenüber Deutschland zeigt. Dennoch bleibt abzuwarten, wie lange das Lächeln der Finnen anhält, wenn im April die Rechnung für die jahrzehntelange Kreditaufnahme folgt.

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