Familien-Streit
Haus explodiert: Walter S. (93) wollte "dem Ganzen ein Ende setzen"
Noch immer gleicht das Grundstück am Karl-Benz-Weg in Floridsdorf einem Trümmerfeld. Die heftige Explosion in der Nacht auf letzten Sonntag um 1.15 Uhr hatte die ganze Nachbarschaft der Wohnsiedlung aus dem Schlaf gerissen - 80 Meter weit flogen die Teile des Gebäudes. Insgesamt neun Menschen wurden verletzt, darunter eine hochschwangere direkte Nachbarin. Auch etliche weitere Häuser wurden bei der Explosion zum Teil schwer beschädigt.
Walter S., der für alles verantwortlich sein soll - es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung - konnte von Suchhunden schwer verletzt unter den Trümmern des Gebäudes gefunden werden. Noch immer liegt der zuvor als "rüstig" geltende 93-Jährige, der schlimme Verbrennungen im Gesicht und an Händen davontrug und dessen Zunge von den Rauchgasen bereits schwarz gefärbt war, auf der Intensivstation.
Gasleitungen wurden ganz aufgeschraubt
Trotzdem soll der Pensionist noch am Weg ins AKH den Grund für sein Handeln erklärt haben: Dass er dem "Ganzen ein Ende setzen wollte, weil ihn sein Stiefsohn so schlecht behandle."
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Einsatzkräfte konnten vor Ort auch schnell erkennen, dass die Gasleitung komplett aufgeschraubt war (siehe Foto). Vorwurf: Der 93-Jährige selbst soll sie aufgeschraubt haben. Es gilt der Verdacht auf vorsätzliche Gemeingefährdung.
Auslöser dieser furchtbaren Verzweiflungstat, die auch andere Menschen in den Tod hätte reißen können, soll ein Wohnrechtsstreit zwischen Walter S. und seinem Stiefsohn, einem pensionierten Beamten - die beiden sollen sich noch nie verstanden haben -, gewesen sein. Dieser hatte das Haus von seiner Mutter geerbt, die bis zu ihrem Tod 2016 mit S. verheiratet gewesen war.
Dem 93-Jährigen wurde danach das lebenslange Wohnrecht in dem Haus eingeräumt. Laut dem Rechtsanwalt des Stiefsohns, Johannes Stephan Schriefl, allerdings unter bestimmten Bedingungen.
Es hätte beispielsweise ein Blitzableiter installiert werden sollen, zudem seien die Elektroleitungen in keinem guten Zustand gewesen. Auch sei das nun völlig zerstörte Haus noch vor einem Jahr unterversichert gewesen.
Vor einem Jahr klagte der Eigentümer und Stiefsohn. Das lebenslange Wohnrecht stand plötzlich auf wackligen Beinen. Zumal der 93-Jährige, laut Schriefl, sogar im Zuge von Einreichungen die Unterschrift seines Stiefsohns gefälscht hätte.
Eine Woche vor der Verhandlung, diese hätte am Mittwoch stattfinden sollen, wurde ein Gutachten wegen Urkundenfälschung dem Landesgericht für Zivilsachen vorgelegt. Auch davon dürfte Walter S. gewusst haben.
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