Cashmere ist wie ein Freund, der genau weiß, was man gerade braucht – leise, schmeichelnd, nie übertrieben.“ Dieser Satz stammt von Iris von Arnim und beschreibt auf wunderbare Weise, wofür die deutsche Modemacherin steht: für zeitlose Eleganz und ehrliche Mode, für Qualität und Langlebigkeit. Seit fünf Jahrzehnten prägt sie die Modewelt, ohne Trends zu folgen, und wird mit gutem Grund die "Königin des Cashmeres" genannt. Diesen Titel trägt auch eine gerade erschienene Biografie, die sich dem Leben und dem Werk Iris von Arnims widmet.
Auf 208 Seiten erzählt die deutsche Modejournalistin und Autorin Nadja Schaer, wie von Arnim ihr Unternehmen aufgebaut hat, während sie das Leben als Alleinerzieherin meisterte, folgt dem Werdegang der 81-jährigen Designerin und geht ihrem unverwechselbaren Stil auf den Grund. Dazu hat Schaer mit Iris‘ Team gearbeitet, umfangreiches Archivmaterial gesichtet und noch nicht bekannte Geschichten zusammengetragen. Das Buch, das Teil der Stilikonen-Reihe von Callwey ist, eröffnet einen persönlichen Blick auf das Leben, die Werte und das Wirken einer Designerin, die stets auf ihr Gefühl vertraut und zu den prägendsten deutschen Designerinnen zählt.
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Großer Name
Iris von Arnim entstammt einem 800 Jahre alten Adelsgeschlecht. Vom Reichtum ihrer Vorfahren war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nichts mehr übrig. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter wuchs Iris bei ihrem Vater auf. Sie waren zwar arm, doch Hans Joachim von Arnim trichterte seiner Tochter ein, dass sie etwas Besonderes ist. Diesen Stolz auf seine Herkunft verstand sie erst Jahre nach seinem Tod, ist aber überzeugt: "Ich sehe es als meine Aufgabe, diesem Namen gerecht zu werden. Dazu gehören für mich ein tadelloses Benehmen und ein bestimmter Stil. Es darf nicht banal, billig oder low budget sein, sondern langlebig." Das bildet das Fundament für Iris von Arnims Verständnis von Mode. Bis aus dem Mädchen, das mit 16 Jahren zur Waise wurde, eine erfolgreiche Designerin wurde, sollte es dauern. Sie suchte einige Jahre nach ihrer Berufung, bis der Zufall sie dahin führte, wo sie heute steht.
Erst einmal sollte Iris eine Ausbildung machen, und weil sie sich in einem Bürojob so gar nicht sah, einigte man sich auf eine Reisebürolehre. Aber auch da zeigte sich schnell, dass das nicht der richtige Weg für die abenteuerlustige Frau war. Sie versuchte sich als Werbetexterin, wollte Fotografin werden, arbeitete als Reporterin für eine Zeitung und in der PR-Abteilung eines Plattenlabels. Sie war eine Suchende, deren Kreativität in die richtigen Bahnen gelenkt werden musste.
Per Zufall zur Designerin
Das geschah dann eher unerwartet: Nach einem schweren Verkehrsunfall lag sie drei Jahre lang immer wieder im Krankenhaus und suchte nach einer Beschäftigung. "Musik hören, lesen, irgendwann war alles ziemlich langweilig", erinnert sich Iris von Arnim. "Da brachte mir ein Freund acht Knäuel Wolle in acht verschiedenen Farben ans Bett." Sie ahnte nicht, dass aus dieser Beschäftigungstherapie eine große Karriere werden sollte. Iris entwickelte ihre eigene Technik, um aus den Garnen Pullover mit einem harmonischen Farbverlauf entstehen zu lassen. Der "Rainbow Sweater" war geboren. Erst rissen ihre Freunde ihr die bunten Strickpullis aus der Hand, dann folgte die Sylter Gesellschaft – und aus dem Hobby wurde ein florierendes Geschäft.
Strick mit Stil
Ihre berühmten "Rainbow Sweater" legten den Grundstein und sind bis heute fester Bestandteil ihrer Kollektionen. Ihren Stil entwickelte Iris von Arnim konsequent weiter. Es folgten aufwändige Intarsienpullover, die wahre Kunstwerke zum Anziehen waren, und handgestrickte Cardigans. Die bunten Regenbogenfarben wurden von neutralen Tönen, die leise und gedeckt sind und Eleganz versprühen, abgelöst. Mitte der 1980er-Jahre keimte in ihr die Idee, einen Pullover aus dem "besten Material der Welt" zu machen – aus Kaschmir. Damit gelang es Iris von Arnim endgültig, ihre Strickwaren als Luxusartikel zu etablieren, die von Stars wie Rosie Huntington-Whiteley und Gigi Hadid getragen werden.
Längst bestehen ihre Kollektionen nicht mehr nur aus Strickpullis und Cardigans. Jeans, Blazer und Mäntel, Kleider oder Röcke sind dazugekommen: Man kann sich heute von Kopf bis Fuß in die edlen Kreationen der Modemacherin hüllen.
Das Geheimnis ihres Erfolgs
Iris von Arnim liebt es selbst unkompliziert. Sie trägt gerne weichen Strick zu klaren Linien, liebt klassisches Schwarz, Navy und Grau. Kaschmir mal zu Jeans, dann zum Paillettenrock oder der Leo-Legging. Wohlfühlen muss sie sich. Das spiegelt sich auch in ihren Kollektionen wider. Ihre Entwürfe lassen sich gut kombinieren, passen zu jedem Anlass und die Designs folgen keinen Trends. "Ich habe immer Mode für mich gemacht. Und ich habe von Anfang an nur entworfen, was ich selbst gern haben wollte: nichts Künstliches, nichts Verborgenes. Was Ehrliches eben", sagt von Arnim. Diese Authentizität hat ihr Label zu dem gemacht, was es heute ist. Eine Marke, die beständig ist. Aufgebaut von einer starken, charismatischen Frau, die an sich, ihre Ideen und Werte glaubt und sich nie von ihrem Weg abbringen ließ.
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