Estlands Außenminister

"Kann sein, dass Putin aus dem Fenster springt"

Ein Mann im Anzug sitzt an einem Tisch vor einer russischen Flagge und blickt ernst.
© APA/AFP/POOL/GAVRIIL GRIGOROV
Estlands Außenminister Margus Tsahkna sieht Russlands Präsidenten Wladimir Putin zunehmend unter Druck.
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Nach Einschätzung des Chefdiplomaten zeigen die westlichen Sanktionen Wirkung, die russische Wirtschaft gerät immer stärker unter Belastung und auch innerhalb der politischen und wirtschaftlichen Elite wachse der Zweifel am Kurs des Kremls.

Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärte Tsahkna, dass der Rückhalt für den Krieg selbst im Umfeld Putins nicht mehr so geschlossen sei wie noch vor einem Jahr. "Selbst im Kreis der Oligarchen zweifeln mehr und mehr an Putins Krieg", sagte der Minister. "Viele, die vor einem Jahr noch von einem Sieg gesprochen haben, glauben inzwischen nicht mehr daran."

Als einen Grund nennt Tsahkna die zunehmenden ukrainischen Angriffe auf militärische und wirtschaftlich wichtige Ziele tief im russischen Hinterland. In den vergangenen Monaten hat die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf Ölraffinerien, Treibstofflager und andere kritische Infrastruktur deutlich ausgeweitet. Dadurch werde der Krieg auch für die russische Bevölkerung immer spürbarer. "Mittlerweile spürt jeder Russe, dass dieser Krieg nicht irgendwo weit entfernt stattfindet, sondern das eigene Land erreicht hat", so Tsahkna.

"Kommt in Russland schließlich vor"

Der estnische Außenminister hält es grundsätzlich für möglich, dass Putin seine Strategie noch ändert. "Putin könnte seine Ziele ändern und ernsthafte Verhandlungen aufnehmen – wenn er rational handelt", sagte er. Gleichzeitig formulierte Tsahkna eine provokante Spekulation über das mögliche Ende des Kremlchefs: "Es kann aber genauso gut sein, dass er eines Tages gemeinsam mit seiner Familie aus dem Fenster springt. So etwas kommt in Russland schließlich vor." Die Bemerkung spielt auf mehrere mysteriöse Todesfälle russischer Geschäftsleute und Funktionäre seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine an, bei denen offiziell häufig von Stürzen aus Fenstern die Rede war.

Auch die Vermittlungsversuche von US-Präsident Donald Trump bewertet Tsahkna kritisch. "Die Gespräche sind faktisch gescheitert", sagte er. Putin habe Trump "vor allem Zeit gekostet". Während über Verhandlungen gesprochen worden sei, habe Russland seine Angriffe auf die Ukraine sogar noch intensiviert.

Vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff Russlands auf Polen oder die baltischen Staaten warnt der estnische Außenminister derzeit allerdings nicht. "Eine groß angelegte Invasion in den kommenden Wochen halte ich für ausgeschlossen. Dafür fehlen Russland die Kräfte", erklärte Tsahkna. Dennoch bleibe Moskau ein Sicherheitsrisiko. "Russland bleibt ein gefährliches Land und Provokationen sind jederzeit möglich."

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