Kein Weg vorbei

Kocher kündigt neuen Zins-Hammer an

© APA/HANS KLAUS TECHT
Nationalbankgouverneur und EZB-Ratsmitglied Martin Kocher hält eine Zinserhöhung bei unveränderter Lage in Nahost für notwendig
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Der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs und damit verbundene Inflationsschub dürfte bald auch konkrete Folgen für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) haben. Österreichs Nationalbankgouverneur und EZB-Ratsmitglied Martin Kocher schließt eine Zinserhöhung bei unveränderter Lage im Nahen Osten kaum mehr aus. "Wenn sich die Lage nicht dramatisch verbessert, wird es in der nächsten Zeit schwierig sein, eine Zinserhöhung zu vermeiden", sagte er gegenüber der APA.

Als möglichen Umfang nannte Kocher einen Schritt von einem Viertelprozentpunkt - also von 2,0 auf 2,25 Prozent - schloss aber eine stärkere Anhebung nicht aus. Einen konkreten Zeitpunkt nannte er nicht. Bis Jahresende stehen noch mehrere EZB-Ratssitzungen an.

Zinserhöhung unabhängig von Kriegsende

Grundvoraussetzung dafür, den Leitzins vorerst stabil zu halten, wäre laut Kocher ein Kriegsende im Nahen Osten und die Öffnung der Straße von Hormuz für den Schiffsverkehr. Selbst dann würde sich die Lage aber nicht sofort entspannen - wie rasch die Ölpreise auf Vorkriegsniveau sinken würden, bleibe offen. Kocher verwies dabei auch auf Schäden an der Energie- und Transportinfrastruktur in der Region, deren Ausmaß noch nicht abschätzbar sei. Die EZB hatte ihre Prognosen zuletzt im März noch auf deutlich optimistischeren Annahmen aufgebaut.

Die Inflation in der Eurozone lag im Mai laut Schnellschätzung bei 3,2 Prozent, in Österreich bei 3,7 Prozent und damit deutlich über dem EZB-Ziel von 2 Prozent. Die Inflation ist seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich gestiegen. Die Werte sind aber noch weit entfernt von der Teuerung nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. 2022 lag die Inflationsrate in der Eurozone wie auch in Österreich über 8 Prozent.

Die nächste Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) findet am 11. Juni statt. Auf den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass es bei dieser Sitzung zu einer Erhöhung des Leitzinses kommt.

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