Wirte in Sorge

Nahost-Krise versalzt Wiener Gastro die Suppe

© Thomas Lenger
Die internationale Unsicherheit verändert auch Wiens Gastronomie. Experte Franz Bernthaler sieht bereits jetzt spürbare Auswirkungen auf Restaurants, Hotels und touristische Betriebe.
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Die schweren geopolitischen Spannungen im Nahen Osten erreichen nun auch die Gastronomie in Wien. Weil vermehrt kaufkräftige Kundschaft aus arabischen Ländern und Asien ausbleibt, geraten Nobel-Lokale und Hotelbetriebe unter Druck.

Luxus-Gäste lassen 500 Euro liegen

Normalerweise sorgen Reisende aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel oder asiatischen Märkten für hohe Umsätze in der Innenstadt. Laut Tourismus- und Branchenzahlen liegen die Tagesausgaben dieser Gästegruppen teils bei rund 500 Euro pro Person und damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt. "In Wien sehen wir die Auswirkungen mittlerweile direkt bei internationalen Gästen, Reservierungen und Konsumverhalten“, erklärt Franz Bernthaler, Geschäftsführer der Culinarius Gruppe.

Leere Sessel im Frühsommer

Besonders die Monate Mai und Juni gelten im Tourismus traditionell als absolute Hochsaison für arabische Urlauber. Die meiden derzeit jedoch den Flug nach Österreich. Für die betroffenen Premium-Gastronomie, Luxushotellerie und den Handel bedeutet das fehlende Einnahmen. "Heuer merken wir aber deutlich, dass viele ausbleiben oder wesentlich kurzfristiger buchen“, beobachtet Viva-la-Mamma-Inhaber Michael Dvoracek. Gleichzeitig würden langsam wieder mehr Einheimische und Gäste aus dem näheren Umfeld zurückkommen.

Gastro-Experte Franz Bernthaler und Viva la Mamma-Inhaber Michael Dvoracek. © Thomas Lenger

Hausmannskost als Rettungsanker

Während die Luxus-Gastronomie mit der Flaute kämpft, blicken Traditions-Betriebe mit Fokus auf klassische Wiener Küche gelassener in die Zukunft. Die stark gestiegenen Personal- und Betriebskosten machen zwar allen zu schaffen, doch das Vertrauen auf Stammgäste federt die Krise ab. "Uns als Schmarren- und Palatschinkenkuchl geht es derzeit gut, weil wir seit jeher stark auf einheimische Gäste setzen“, betont Wirt Erich Heindl, der seit fünfzig Jahren im Geschäft steht.

Reiseverhalten verschiebt sich spürbar

Als internationale Tourismus- und Kongressstadt ist Wien stark von globaler Mobilität abhängig. Veränderungen im Flugverkehr, steigende Mobilitätskosten sowie zunehmende Unsicherheit bei Fernreisen wirken sich deshalb besonders rasch auf urbane Gastronomiebetriebe aus.

"Internationale Krisen verändern oft zuerst das Reiseverhalten. Menschen planen kurzfristiger, vermeiden Fernreisen oder entscheiden sich bewusster für stabile und gut erreichbare Destinationen", so Bernthaler.

Dadurch steige gleichzeitig die Bedeutung regionaler Angebote, kurzfristiger Städtereisen und authentischer Gastronomieerlebnisse. Wien könne dabei von seiner internationalen Reputation als stabile, sichere und kulturell attraktive Destination profitieren.

Krise stärkt Regionalität

Trotz der angespannten geopolitischen Lage sieht Bernthaler auch Entwicklungen, die der heimischen Gastronomie neue Chancen eröffnen könnten. Vor allem lokale Gastronomiebetriebe, regionale Konzepte und österreichische Kulinarik könnten dadurch wieder stärker in den Fokus rücken.

"Gerade in unsicheren Zeiten suchen Gäste verstärkt nach Verlässlichkeit, regionaler Identität und authentischen Erlebnissen. Genau darin könnte für Wiens Gastronomie eine große Chance liegen", betont der Gastro-Experte.

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