Equal Pay Day

Niederösterreichs Frauen arbeiten 58 Tage gratis pro Jahr

Holzwippe mit Münzstapeln, männliches Symbol wiegt schwerer als weibliches, Gender Pay Gap.
© Getty Images/iStockphoto
Ab 4. November gibt es für Frauen in Niederösterreich rein statistisch gesehen kein Gehalt mehr: Der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern beträgt satte 11.124 Euro pro Jahr.
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Es ist eine Ungerechtigkeit, die aufhorchen lässt: Während Männer in Niederösterreich durchschnittlich 70.020 Euro brutto im Jahr verdienen, kommen Frauen auf lediglich 58.896 Euro. Das bedeutet: Frauen haben (rein rechnerisch) bereits am 4. November (dem "Equal Pay Day") ihr Einkommen für 2026 aufgebraucht – die restlichen 58 Arbeitstage bleiben also unbezahlt. Demnach beträgt der durchschnittliche Einkommensnachteil von Frauen 15,9 Prozent bzw. 11.124 Euro pro Jahr.

Wie stark Frauen finanziell hinterherhinken, hängt unter anderem vom Wohnort ab. Besonders groß ist der Unterschied im Bezirk Mödling: Hier verdienen Frauen um 22,6 Prozent weniger als Männer. Am geringsten fällt die Lücke im Bezirk Horn mit 12,1 Prozent aus. Allerdings verdienen Frauen dort durchschnittlich nur 55.934 Euro brutto jährlich.

Warum Frauen allgemein weniger verdienen, hat allerdings noch weitere Ursachen: Ausschlaggebend sind etwa die Branchenstruktur sowie die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung und sozialer Infrastruktur, die eine Erwerbstätigkeit erleichtern oder erschweren können. Hinzu kommt, dass Frauen weiterhin häufiger in schlechter bezahlten Berufen und Funktionen arbeiten, deren gesellschaftliche Bedeutung oft unterschätzt wird.

AK fordert mehr Gehaltstransparenz

"Es ist höchste Zeit, dass die EU-Lohntransparenzrichtlinie endlich auch in Österreich umgesetzt wird", verlangt AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB Niederösterreich-Vorsitzender Markus Wieser. "Das sollte bereits seit Juni 2026 erfolgt sein. Das Informations- und Auskunftsrecht steht Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aber schon jetzt zu und sollte auch aktiv eingefordert werden."

Birgit Schön, Leiterin der Abteilung Frauenpolitik der AK Niederösterreich, erklärt darüber hinaus, dass sich auch Diskriminierung beim Entgelt aufgrund des Geschlechts hartnäckig hält: "Bereits seit 1979 verbietet das Gleichbehandlungsgesetz in Österreich ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern bei gleicher Arbeit grundsätzlich und dennoch existiert diese auch noch heute fast ein halbes Jahrhundert später!" Diese entsteht häufig bereits durch falsche teils auf Geschlechterstereotype basierende Einstufung und bleibt häufig unbemerkt, da in Österreich eine Kultur der Verschwiegenheit rund ums Gehalt dominant ist.

Dass der Gender Pay Gap letztlich gesamtgesellschaftlichen Schaden anrichtet, darauf weist Didem Strebinger hin, ihres Zeichens Frauenvorsitzende des ÖGB Niederösterreich: „Es bringt nicht nur Frauen nachhaltig in finanzielle Schwierigkeiten, der Schaden ist noch viel größer. Das müssen alle verstehen, auch die Männer ... Es geht ja nicht nur um zu niedrige Einkommen und in der Folge auch Pensionen der Frauen und deren finanzielle Unabhängigkeit. Es geht auch um Einkommen von Ehefrauen, Partnerinnen und Töchtern. Es geht um Familieneinkommen. Es geht um Geld, das fehlt und niemand, der halbwegs bei Trost ist, kann das gut finden oder gar verteidigen. Man muss ja nicht herausragend mathematisch begabt sein, um zu erkennen, welchen Unterschied teils weit über 10.000 Euro mehr oder weniger im Jahr ausmachen können", so Strebinger weiter.

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