Neue Studie
Revolution: Erste Impfung gegen Hautkrebs
Die Kombination des Immuntherapeutikums Pembrolizumab, weltweit umsatzstärkstes Medikament, mit einem individualisierten mRNA-Impfstoff kann Rückfälle bei "Schwarzem Hautkrebs" offenbar zu rund der Hälfte verhindern. Das sind die Fünf-Jahres-Ergebnisse einer Studie, die am Montag beim Kongress der amerikanischen Onkologengesellschaft (ASCO) in Chicago vorgestellt worden sind.
Die Studie der Phase IIb ist noch nicht die Basis für eine Zulassung der Behandlungsstrategie durch die Arzneimittelbehörden. Eine groß angelegte klinische Untersuchung auf Wirksamkeit und Verträglichkeit der Phase III läuft aber bereits.
Krebszellen durch Abwehr erkennbar
In der aktuellen Studienpräsentation von Matteo Carlino vom Melanoma Institute Australiens (Universität Sydney) ging es um eine Kombinationstherapie mit dem seit Jahren bei fortgeschrittener Melanomerkrankung eingesetzten monoklonalen Antikörper Pembrolizumab und einem für jeden Probanden individuell hergestellten mRNA-Impfstoff (Intismeran). Pembrolizumab ist ein sogenannter Checkpoint-Inhibitor, der Tumoren durch das Immunsystem des Erkrankten wieder angreifbar machen soll. Der monoklonale Antikörper soll die bösartigen Zellen durch die körpereigene Abwehr wieder erkennbar machen.
Verbesserung der Immuntherapie
Das Prinzip mit diesem oder ähnlichen Biotech-Medikamenten zur Immun-Checkpoint-Blockade hat in den vergangenen Jahren die Therapie vieler Tumorerkrankungen revolutioniert. Am Anfang stand hier die fortgeschrittene Melanomerkrankung. Der "Schwarze Hautkrebs" gilt seit Jahrzehnten als potenziell immunologisch angreifbar, weil er sehr viele "neue" Antigene aufweist und die Haut ein besonders immunologisch wirksames Organ ist.
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In der Entwicklung der neuen Therapie haben der US-Pharmakonzern Merck, Sharp & Dohme (MSD) mit Pembrolizumab und das US-mRNA-Vakzine-Unternehmen Moderna zusammengearbeitet. Die Intismeran-Vakzine von Moderna wird für jeden einzelnen Patienten produziert und enthält die Bauanleitung von bis zu 34 "neuen", charakteristischen Antigenen, welche das jeweilige Melanom aufweist. Nach der Impfung sollen Zellen im Körper der Patienten die Antigene produzieren und eine Abwehrreaktion hervorrufen, die durch das mittels Pembrolizumab wieder "scharf" gemachte Immunsystem noch verstärkt wird.
In die nun vorgestellte Studie waren 157 Melanompatienten mit fortgeschrittener Erkrankung (Stadium IIIB bis IV) und chirurgisch entferntem Tumor aufgenommen worden. Zwischen Juli 2019 und September 2021 erhielten 107 Probanden entweder neuen Dosen der Vakzine plus 18 Dosen Pembrolizumab (jeweils alle drei Wochen) oder - per Zufall ausgewählt - 50 Probanden allein den Immuncheckpoint-Inhibitor (Pembrolizumab). Es gab keine Placebo-Kontrolle.
Erste Zulassung für Krebs-Impfstoff
Mit 15. Dezember 2025 wurden nach einer mittleren Beobachtungszeit von fünf Jahren die Langzeitergebnisse berechnet. Die Wissenschafter: "Die Verringerung des Risikos beim Überleben ohne Rückfall betrug mit Intismeran und Pembrolizumab im Vergleich zu Pembrolizumab allein 49 Prozent. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate ohne Rückfall betrug unter der Kombinationstherapie 68,8 Prozent im Vergleich zu 49,1 Prozent mit Pembrolizumab allein." Darüber hinaus hätte sich ein Trend zu einer besseren Überlebensrate (alle Ursachen) gezeigt (92,2 zu 71,3 Prozent). Wegen der geringen Zahl der Fälle war das aber statistisch nicht aussagekräftig.
Noch in diesem Jahr könnten die ersten Ergebnisse aus der bereits laufenden großen Wirksamkeitsstudie (Phase III) mit für eine etwaige Zulassung der neuen Therapie durch die Arzneimittelbehörden relevanten Informationen vorliegen. Es wäre der erste Zulassungsantrag für einen derartigen Krebsimpfstoff.
Sehr hohe Preise für neue Impfung
Allerdings, der Aufwand für eine solche Melanom-Kombinationstherapie wäre enorm. Der Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab war im Jahr 2025 das weltweit umsatzstärkste Medikament mit rund 27,7 Mrd. Euro. Die nun zusätzlich erprobte Vakzine muss für jeden einzelnen Patienten produziert werden. Das ähnelt dem Vorgehen mit den sogenannten CAR-T-Zellen vor allem bei Blutkrebs. Die beteiligten Pharmaunternehmen rechtfertigen damit sehr hohe Preise.
In Österreich wird jährlich bei rund 2.000 Menschen ein malignes Melanom diagnostiziert. Die Zahl der Todesfälle beträgt rund 400. Bei frühzeitiger Diagnose - speziell im Rahmen von Früherkennungsuntersuchungen - ist die Erkrankung fast immer durch einen einfachen chirurgischen Eingriff heilbar. Das wäre der wichtigste Hebel zur Vermeidung fortgeschrittener und schwer behandelbarer Melanome. Wichtig ist aber auch die Vorsorge mit dem Vermeiden starker UV-Licht-Exposition.
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