"Held der Ukraine"

Ukraine-Soldat lebt ganzes Jahr in Erdloch – und tötet 23 Russen

Ein Soldat feuert nachts im Wald eine D-30-Artillerie mit hellem Mündungsfeuer ab.
© Anadolu via Getty Images
Fast ein Jahr lang lebte der ukrainische Soldat Serhii Krynitskyi in einem provisorischen Erdloch nahe der umkämpften Stadt Tschassiw Jar.
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Der 42-Jährige verbrachte nach eigenen Angaben insgesamt 364 Tage in dem nur wenige Quadratmeter großen Unterstand und dokumentierte seinen Alltag mit Videotagebüchern.

Seine Unterkunft bezeichnete er darin als "Zuflucht oder Grab". Um sein Handy überhaupt nutzen zu können, baute er Batterien aus abgeschossenen russischen Drohnen aus. Die Aufnahmen zeigen den harten Alltag an einem Frontabschnitt, an dem sich ukrainische und russische Soldaten teils bis auf 20 Meter gegenüberstanden.

"Kleines Arsenal"

Krynitskyi erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, während seines Einsatzes 23 russische Soldaten im Nahkampf getötet zu haben. Von gefallenen Gegnern habe er 13 Sturmgewehre eingesammelt und sich damit ein "kleines Arsenal" aufgebaut. In einem seiner Videos ist außerdem zu sehen, wie eine russische Drohne mit scharfer Sprengladung in Ästen über seinem Versteck hängen bleibt. Wäre sie detoniert, "wäre es das Ende für uns gewesen", schilderte der Soldat.

Besonders schwer traf ihn der Verlust eines Kameraden, der bei einem Drohnenangriff schwer verletzt wurde. Kurz darauf erhielt Krynitskyi wegen des russischen Vormarschs den Befehl zum Rückzug und musste seinen Freund zurücklassen. Reuters weist darauf hin, dass sich seine Schilderungen unabhängig nicht vollständig überprüfen lassen.

Für seinen Einsatz wurde Krynitskyi von Präsident Wolodymyr Selenskyj mit der Auszeichnung "Held der Ukraine" geehrt. Heute spricht der Soldat offen über die psychischen Folgen des Krieges. Viele Kameraden hätten "den Verstand verloren", erzählt er, und auch seine Hände würden noch immer zittern. Der Austausch mit Schülern helfe ihm jedoch, das Erlebte zu verarbeiten. Sein Einsatz sei nicht umsonst gewesen, sagt er – damit Kinder "lernen und den klaren Himmel sehen können."

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