TVs, Smartphones & Tablets
Das sind die Trends der IFA 2012
Veranstalter der weltweit größten IT-Messe setzen Segel für neues Rekordjahr.
Zum Start der IFA 2012 in Berlin gibt sich die Messe auch in diesem Jahr gewohnt optimistisch. Bereits 2011 war die Ausstellung unter dem Funkturm in Berlin frühzeitig ausgebucht, diesmal werde man erneut bei der vermieteten Fläche zulegen, sagte IFA-Direktor Jens Heithecker. Konkrete Zahlen nannte er jedoch nicht. Und es werden noch einmal rund 50 Prozent mehr Fachbesucher aus dem Ausland erwartet. Auf besonders großes Interesse stoßen "Smart-TVs" - das sind Fernseher, die mit dem Internet verbunden sind und sich inzwischen auch über Tablet oder Smartphone steuern lassen. Die IFA dauert von 31. August bis 5. September
Branche steht unter Druck
Dabei steht die Branche der Unterhaltungselektronik unter erheblichem Druck. Schwergewichte wie Sharp und Sony rutschten zuletzt tief in die roten Zahlen. Philips lagerte die Produktion und Vermarktung seiner Fernseher in ein Joint Venture aus. Die Produktion von Displays für Flachbildfernseher und Monitore ist teuer, der Absatz blieb allerdings weltweit hinter den Erwartungen zurück. Zugleich tobt in der Branche der Unterhaltungselektronik ein anhaltend harter Preiskampf, der vielen Unternehmen zu schaffen macht.
Display-Technologie
Sportliche Großereignisse haben der TV-Branche laut Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) wie stets auch in diesem Jahr positive Impulse beschert. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres hat die Branche mit 3,1 Mrd. Euro insgesamt 13,8 Prozent mehr Umsatz erzielt als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Alle verkauften Geräte sind laut aktuellem Cemix-Index, den die gfu gemeinsam mit der Marktforschung GfK und dem Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) regelmäßig erstellt, HD-tauglich. Schon mehr als die Hälfte der Geräte - 55 Prozent - hat einen Internet-Anschluss.
Die Branche profitiert derzeit aber auch von dem Umstand, dass selbst in Zeiten knapper Kassen die Verbraucher eher auf Restaurant-Besuche verzichten oder am Auto und am Urlaub sparen als an Unterhaltungselektronik. Das zumindest ergab jüngst eine Studie der Fachhändler-Vertriebsorganisation Euronics.
Smartphones auch hier am Vormarsch
Zunehmend stehlen allerdings Smartphones und Tablets den traditionellen Flaggschiffen der Branche die Show. Laut Cemix-Index haben die mobilen Allrounder zwar noch nicht, wie von Euronics für das laufende Jahr ermittelt, beim Umsatz die Fernsehgeräte überholt. Doch mit 2,9 Mrd. Euro, einem Plus von 31,3 Prozent, rücken die iPhones und Android-Handys den Fernsehern mit 3,1 Mrd. Euro Umsatz im ersten Halbjahr bereits deutlich auf die Fersen.
Während Smartphones mit Android und iOS derzeit den Markt absolut beherrschen, steht Microsoft mit seinem neuen Windows Phone 8 (WP8) in den Startlöchern. Microsoft-Partner Nokia hat bereits für den 5. September, dem letzten Tag der IFA, die Fachpresse nach New York eingeladen. Der finnische Handy-Hersteller könnte dort mit der Ankündigung zweier WP8-Smartphones Apple und dessen erwartetem iPhone 5 zuvorkommen. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass möglicherweise andere Hersteller die IFA nutzen werden, um dort in Berlin ihre WP8-Modelle zu präsentieren.
Microsoft will den Tablet-Markt erobern
Mit Windows 8 macht Microsoft sein wichtigstes Produkt fit für Tablet-PCs und Smartphones. Das neue Betriebssystem des US-Softwareriesen soll auch auf den mobilen Geräten laufen. Windows PCs, Handys und Tablets erhalten so eine weitgehend einheitliche Benutzeroberfläche. Das könne ein entscheidender Wettbewerbsvorteil für den Konzern werden, meint die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu). "Es könnte sein, dass viele sagen: Ich benutze das System sowieso im Büro, warum soll ich dann nicht auch mobil darauf setzen?", sagt Sprecher Roland Stehle.
Sollte sich die Vorhersage bewahrheiten, hätte Windows sein Ziel erreicht: den Tablet-Markt erobern. Bisher herrscht hier Apple mit 17 Millionen verkauften Geräten im zweiten Quartal 2012. Samsung, die Nummer zwei, konnte in derselben Zeit nur 2,4 Millionen Tablets absetzen. Aber die meisten Vorab-Tests zu Windows 8 kommen zum selben Ergebnis: Noch ist das Betriebssystem nicht ausgereift. Das größte Problem ist laut den Testergebnissen, dass Microsoft sich zwar eine neue Oberfläche überlegt hat, die gut mit dem Finger zu bedienen ist, aber immer wieder aus dem neuen ins alte Schema fällt. Dann bräuchte es doch wieder Tastatur und Maus, um das Tablet ohne große Umstände zu bedienen. Wer dann die Maus in die Hand nimmt, dem fehlen plötzlich viele Funktionen - so können PDF-Dokumente zum Scrollen nicht in der Mitte gegriffen und verschoben werden.
Apple mit seinem iOS und Googles Android-System sind auf dem mobilen Markt schon viel länger unterwegs. Programme für Spiele und Anwendungen, sogenannte Apps, stehen für diese Systeme schon Tausende zur Verfügung, während die Zahl der Windows 8-Apps nur schleppend wächst. iOS und Android werden seit Jahren verbessert, und die Verbraucher haben sich an diese Systeme gewöhnt. "Außerdem bleibt Apple natürlich eine große Stilikone", gibt gfu-Sprecher Stehle zu bedenken.
Trotzdem: Bisher bietet kein Hersteller eine Hardware übergreifende einheitliche Oberfläche an. Und Microsoft setzt noch auf eine zweite Entwicklung: sogenannte Hybridgeräte. Die lassen sich sowohl mit dem Finger als auch mit Tastatur und Maus bedienen und könnten künftig den Laptop mit dem Tablet verschmelzen.
Immer mehr Hersteller bringen stationäre PCs, die beide Steuerungen ermöglichen, auf den Markt. Ob der Plan aufgeht, könnte sich auf der IIFA abzeichnen. Viele Hersteller haben schon Tablet-PCs für Windows 8 angekündigt: Dell, Lenovo, Asus, Samsung und auch Microsoft (Surface-Tablets) selbst.
Fotos vom Microsoft-Tablet "Surface"
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