KI wird gefüttert

Riesiger US-Konzern kauft Bücher – nur um sie zu schreddern!

© Getty Images
Hunderte Bestellungen von tausenden Büchern mitten in der Nacht: Ein extrem solventer Käufer aus den USA kauft verstaubte Ladenhüter auf, um damit heimlich KI-Systeme zu füttern.
OE24 auf Google bevorzugen

Seit Wochen geht das Phänomen in Essen, Deutschland bereits so. Erfahrene Händler waren erst misstrauisch, doch die Rechnungen wurden stets pünktlich bezahlt. Mittlerweile zeichnet sich ab, was hinter dem unverhofften Geldsegen stecken könnte. Die Dimensionen sind gewaltig. Antiquariate berichten von Bestellungen über jeweils 100 Bücher. Manche Händler sollen innerhalb weniger Wochen bis zu 50.000 Euro Umsatz gemacht haben – nicht mit gesuchten Schätzen, sondern mit Titeln, die oft seit Jahren niemand mehr wollte. Kochbücher, Biografien, Reiseführer, Sach- und Märchenbücher sind gleichermaßen dabei.

Käufer mit unbegrenztem Budget

Der Essener Antiquar Stefan Krüger berichtete der "WAZ", dass er selbst und fast alle seine Kollegen ähnliche Bestellungen erhalten haben. "Viele waren erst skeptisch", sagt Markus Brandis, Vorsitzender des Verbands Deutscher Antiquare. Dann wurde klar: Es steckt ein außerordentlich solventer Käufer dahinter mit Sitz in den USA. Dort berichtete die "Washington Post" über das "Projekt Panama", hinter dem der Tech-Gigant Anthropic stehen soll. Das erklärte Ziel ist die Digitalisierung möglichst vieler gedruckter Bücher. Dafür werden erst die Rücken abgeschnitten, dann wird jede Seite durch Hochleistungsscanner gezogen. Was übrig bleibt, landet danach direkt auf dem Müll. Die eingescannten Texte dienen wiederum dem Training von KI-Systemen, die immer neues Material brauchen.

Urheberrecht wird einfach ausgehebelt

Vor zwei Jahren war Anthropic verklagt worden, weil das Unternehmen Hunderttausende Bücher aus sogenannten Schattenbibliotheken heruntergeladen und Urheberrechte verletzt haben soll. Der Streit konnte außergerichtlich gegen die Zahlung von 1,5 Milliarden Dollar beigelegt werden. Nach aktueller Rechtsprechung fällt das Training von KI mit legal gekauften Büchern hingegen unter das US-Prinzip des "Fair Use" („gerechte Verwendung“).

Kritik vom Branchenverband

"Der Urheber wird bei der Digitalisierung gar nicht mehr gefragt", kritisiert unter anderem Brandis vom Antiquarsverband. Rechtlich lässt sich dagegen aktuell nichts unternehmen. Es gilt das Recht des Landes, in dem die Bücher eingescannt werden – also das der USA. Ein Buchhändler in einem Branchenforum fasste das beunruhigende Gefühl der Händler zusammen: "Ich komme mir vor wie in einem Science-Fiction-Albtraum."

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden