Plötzlich zwickt die Wade, das Knie meldet sich bzw. kurz vor dem Marathon spielt der Körper verrückt. Was dahinter steckt und warum Sie jetzt trotzdem ruhig bleiben sollten.
Sie haben wochenlang trainiert, alles lief rund und plötzlich, kurz vor dem großen Tag, zwickt es überall? Willkommen in der vielleicht nervigsten Phase der Marathon-Vorbereitung: dem sogenannten „Tapering“. Oder, wie viele Läufer:innen es nennen: Taper Madness. Keine Sorge, Sie sind damit nicht allein.
(Halb-)Marathon: Was sind diese „Schmerzen“ eigentlich?
Viele Ausdauersportler:innen kennen es: In den letzten zwei bis drei Wochen vor dem Marathon tauchen plötzlich Beschwerden auf, die vorher nie ein Thema waren. Ein Ziehen in der Wade, ein Zwicken im Knie, ein diffuses Gefühl im Fuß.
Diese sogenannten Phantomschmerzen, auch liebevoll „Maranoia“ genannt, sind in den meisten Fällen völlig harmlos. Ihr Körper spielt Ihnen keinen Streich, er arbeitet einfach nur anders als gewohnt.
Warum Ihr Körper plötzlich verrückt spielt
1. Regeneration läuft auf Hochtouren
Nach intensiven Trainingswochen fährt Ihr Körper im Tapering runter, zumindest was die Belastung angeht. Intern passiert aber das Gegenteil: Er regeneriert, repariert und baut auf. Dabei können auf mikroskopischer Ebene Prozesse ablaufen, die sich wie Muskelzwicken oder leichte Krämpfe anfühlen.
2. Ihr Kopf läuft plötzlich einen eigenen Marathon
Und dann wäre da noch das berühmte Kopfkino. Weniger Training bedeutet oft: mehr Zeit zum Nachdenken. Habe ich genug gemacht? Bin ich fit genug? Was, wenn ich einbreche? Diese Nervosität kann sich tatsächlich körperlich äußern. Ein kleines Ziehen wird plötzlich zur potenziellen Katastrophe hochinterpretiert.
3. Weniger Training = ungewohntes Gefühl
Ihr Körper ist an Belastung gewöhnt. Plötzlich weniger zu tun? Fühlt sich erstmal falsch an. Die gewohnte Routine fehlt, die Beine fühlen sich schwer oder „komisch“ an. Das heißt aber nicht, dass Sie schlechter in Form sind, eher im Gegenteil.
Was Sie jetzt tun sollten (und was nicht)
- Ruhe bewahren: Auch wenn es schwerfällt: In den meisten Fällen sind diese Beschwerden kein Grund zur Sorge. Panik bringt Sie jetzt definitiv nicht schneller ins Ziel.
- Vertrauen Sie Ihrem Training: Sie haben die Arbeit längst erledigt. Jetzt geht es nicht mehr darum, fitter zu werden, sondern frisch an den Start zu gehen.
- Locker bleiben: Leichte, entspannte Läufe können helfen, das Körpergefühl zu stabilisieren. Keine Experimente, keine neuen Belastungen - einfach in Bewegung bleiben.
Wann Sie doch genauer hinschauen sollten: Wenn der Schmerz plötzlich stark, stechend oder eindeutig verletzungsartig ist, sollten Sie das ernst nehmen.
Entspannt an den Start
So nervig es ist, diese Phase gehört einfach dazu. Ihr Körper bereitet sich gerade auf Höchstleistung vor, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Oder, um es ein bisschen dramatisch zu sagen: Kurz vor dem großen Auftritt wird’s backstage eben nochmal chaotisch.