Interview

Länger leben: Doc Felix enthüllt die größten Longevity-Mythen

2,1 Millionen Follower:innen konsultieren Felix Berndt auf Instagram. Wir haben den Star Medfluencer persönlich getroffen.   

Als er 2018 begann, auf Social Media über Medizin, Ernährung und Vorsorge zu bloggen, schüttelte manch einer den Kopf. Heute erreicht der im deutschen Hagen geborene Felix Berndt als Doc Felix monatlich Millionen Menschen. Ganz ohne Praxis oder Stelle im Krankenhaus ist der 34-Jährige zum Präventionsexperten des Vertrauens vieler geworden.

Im Rahmen des MADONNA Body&Soul Days sprachen wir mit dem Medfluencer über seinen Erfolg, harte Zeiten und Longevity-Mythen.

Wie kommt man denn auf die Idee, ein sogenannter Medfluencer zu werden?
DOC FELIX: Ich war ja selbst auch nicht immer fit und gesund, sondern hatte meine Probleme, in einen gesunden Life style zu finden. Früher war ich dick und habe Sport richtig gehasst. Irgendwann im Medizinstudium habe ich begonnen, mich selbst ein bisschen zu überlisten und gemerkt, dass man ganz vieles machen kann, um gesund zu bleiben. Außerdem fiel mir auf, dass das Medizinstudium und unser Gesundheitssystem eigentlich ein Krankheitssystem ist.

Länger leben: Doc Felix enthüllt die größten Longevity-Mythen
© Getty Images

Wir Ärzte reagieren ja eigentlich nur. Dabei ist es aber so, dass bis zu 70 Prozent aller Krankheiten vermeidbar sind. Ich dachte mir, es kann ja eigentlich nicht sein, dass wir nur warten, bis der Patient endlich krank ist. Klar, es gibt Ärzte, die versuchen, diesen präventiven Ansatz zu fahren. Aber aus meiner Erfahrung funktioniert das leider nur selten. Denn wenn ein Arzt sagt: „Hey, iss doch mal dies oder mach doch mal jenes“, dann macht das der Patient eher nicht.

Auf der anderen Seite sind die Menschen aber total empfänglich, wenn Influencer Tipps und Ratschläge geben. So kam ich auf die Idee, beides miteinander zu verbinden: Eine präventive und gleichzeitig unterhaltsame Medizin in Social Media, die nicht nur auf Forschung, sondern auch auf meinen eigenen Erfahrungen aufbaut.

Das heißt, du hast das Medizinstudium absolviert, setzt dein Wissen aber nicht in einer Praxis, sondern auf Social Media um?
DOC FELIX: Genau! Darauf reagieren die Menschen unterschiedlich. Es gibt viele, die sagen: „Du musst eigentlich auch klassisch als Arzt in einer Praxis oder im Krankenhaus arbeiten, sonst hast du jemandem den Platz weggenommen.“ Andere wiederum meinen, dass ich sehr mutig bin. Der Weg war schon ein krasses Risiko, weil der Arztberuf ja doch sehr gut bezahlt wird und hohes Ansehen mit sich bringt. Ich habe damals alles auf eine Karte gesetzt, weil ich daran geglaubt habe, dass mein Konzept funktionieren kann.

Wie viel Zeit und Geduld musstest du investieren, bis du als Medfluencer Geld verdienen konntest?
DOC FELIX: Die ersten drei Jahre habe ich keinen Cent verdient. Und am Anfang habe ich natürlich auch hate und Unverständnis eingesteckt. „Was machst du da?“, „Wieso hast du immer so ein zu enges Shirt an? Und wieso trägst du immer ein Stethoskop und so?“ (lacht) Aber es war auch ein Glück, dass ich der erste war – so konnte ich viel schneller wachsen.

Dein Instagram-Account zählt zu den am schnellsten wachsenden im deutschsprachigen Raum. Wie lautet dein Erfolgsgeheimnis?
DOC FELIX: Gute Frage. Ich rede aber immer lieber, worüber eigentlich keiner redet – nämlich über die Zeit, in der ich nicht gewachsen bin. Weil das ist viel wichtiger als dieses exponentielle Wachstum. Ich bin gut ein Jahr lang nicht gewachsen. Und genau darauf muss man schauen: Was ist passiert, als noch nichts passiert ist. Konsequenz ist das Schlüsselwort! Weitermachen, nicht den Glauben an sich und die Idee verlieren, auch wenn es manchmal eine echt frustrierende Nummer ist. Immer weitermachen und irgendwann knallt es nach oben.

Eines der Topthemen derzeit ist Longevity. Was verstehst du darunter und was sind aus deiner Sicht die Grundlagen für ein langes, gesundes Leben?
DOC FELIX: Wenn ich es persönlich definieren müsste, was wir eigentlich alle wollen, dann ist es doch ganz einfach: Wir wollen besser und länger leben. Und genau das versuche ich auch mit meinem Content zu vermitteln. Viele Menschen haben nämlich eine falsche Vorstellung von gesunder Ernährung oder Gesundheit im Allgemeinen. Woran denkt man, wenn man „gesunde Ernährung“ oder „Diät“ hört? Die meisten verbinden das wahrscheinlich mit Verzicht. Und wofür? Damit man vielleicht mit 80 bessere Blutwerte hat.

Das klingt für viele ziemlich unattraktiv. Für mich ist der Ansatz deshalb ein ganz anderer. Ich möchte den Menschen zeigen, dass sie sich jetzt um ihre Gesundheit kümmern sollten – für ihr Leben im Hier und Jetzt! Gesundheit ist nicht wie eine Rente. Bei der Rente geben wir heute etwas ab, in der Hoffnung, später davon zu profitieren. Longevity hingegen funktioniert anders: Wir investieren in unsere Gesundheit nicht nur für später, sondern vor allem für heute. Und als positiver Nebeneffekt sorgt das auch dafür, dass wir im Alter noch besser leben können.

Was sind die größten Longevity-Mythen?
DOC FELIX: Der größte Mythos rund um Longevity ist die Vorstellung, man brauche dafür unbedingt externe Dinge – Produkte oder Tools, für die man Geld ausgeben muss. Klar, ich kaufe auch gerne solche Sachen, und vieles kann durchaus hilfreich sein. Ich hatte zum Beispiel lange einen Ring, mit dem ich meine Aktivitäten getrackt habe. Das hat mir geholfen, mehr Schritte zu gehen. Später habe ich allerdings festgestellt, dass mein Handy das auch kann – dafür hätte ich den Ring eigentlich gar nicht gebraucht.

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Worauf ich hinaus will: Es gibt mittlerweile einen riesigen Markt, und wir glauben oft, wir bräuchten ein ganz bestimmtes Nahrungsergänzungsmittel oder einen speziellen Tracker. Dabei sind die meisten Dinge, die wirklich gesund sind und zur Longevity beitragen, eigentlich nichts Neues – vieles davon hat uns schon unsere Oma gesagt. Im Grunde ist Longevity oft nur ein neues Wort für altbekanntes Wissen.

Du gibst täglich tolle Tipps – ganz ehrlich, wie viel hältst du selbst davon ein und wann sagst du: „Ich will jetzt einfach mal Spaß haben und sündigen!“?
DOC FELIX: Ich würde sagen, ich ziehe es komplett durch – und habe dabei auch Spaß. Wirklich! Ich habe zum Beispiel gestern auch Alkohol getrunken – und ich würde auch gar nicht behaupten, dass so etwas nicht zu einem gesunden Leben passt. Letztendlich geht es im Leben ja um Balance. Wenn man sich an schaut, wie Gesundheit definiert wird, dann gehört ja auch eine Form von gesellschaftlichem Wohlbefinden dazu.

Es gibt ja diese typischen Sprüche wie: „Alles, was eine Wirkung hat, hat auch eine Nebenwirkung“ oder „Es kommt auf die Menge an“. Und ein bisschen stimmt das ja auch. Bei mir ist es so, dass ich von Natur aus eher ein fauler Mensch bin. Deshalb finde ich es total cool, morgens zu trainieren – dann kann ich den Rest des Tages entspannt sein und habe trotzdem ein gutes Gewissen. Das gefällt mir gut.

Nun hast du schon sehr viel erreicht. Wie sehen deine weiteren Ziele aus?
DOC FELIX: Das ändert sich immer wieder. Eigentlich wäre mein Traum, dass es so weitergeht wie jetzt – und dass wir gleichzeitig bestimmte Probleme lösen, von denen ich finde, dass sie unbedingt angegangen werden müssen. Ich stelle mir zum Beispiel so etwas wie ein Präventionscenter vor. Gerade jetzt mit KI gäbe es da ja ganz neue Möglichkeiten. Gleichzeitig habe ich so viele Ideen, dass ich eigentlich Leute bräuchte, die sie für mich umsetzen, während ich die Richtung vorgebe. (lacht)

Abgesehen davon muss ich sagen: Ich finde es gerade einfach richtig gut. Ich glaube, es passiert nicht oft im Leben, dass man denkt: „Wenn das die nächsten zehn oder zwanzig Jahre so weitergeht, wäre das mega.“

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