70. Filmfestspiele Venedig

Christoph Waltz erobert das Lido

Christoph Waltz
© Getty Images for The Weinstein Company
Am 28. August geht der Filmreigen in der italienischen Lagunen-Stadt los.
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Ein Abend auf dem Lido. Auf der Terrasse des Luxushotels Excelsior in Venedig treffen sich Filmbegeisterte und schauen sich ein Schwarz-Weiß-Werk an: "Dr. Jekyll und Mr. Hyde". Das mag auf den ersten Blick wenig spektakulär erscheinen, tatsächlich aber schrieben die Zuschauer mit dieser Vorführung am 6. August 1932 Geschichte - es sollte der Auftakt für das mittlerweile älteste Filmfestival der Welt sein: die Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Nächsten Mittwoch (28. August) ist es wieder soweit. Dann startet die 70. Ausgabe des Festivals. Gefeiert wird mit Prominenten wie George Clooney, Scarlett Johansson, Matt Damon, Judi Dench und Christoph Waltz. Letzterer bleibt heuer allerdings der einzige österreichische Vertreter am Lido.

Venedig - Die Grande Dame der Filmfestivals

Acht Jahrzehnte, das hinterlässt seine Spuren. Auch bei der Grande Dame unter den Festivals: Nach Unterbrechungen vor allem während des Zweiten Weltkriegs entwickelten sich die Festspiele zu einem glamourösen Treffpunkt der Filmwelt. Doch das Gelände auf dem Lido platzt seit Jahren aus allen Nähten, sogar eine Art Zirkuszelt muss regelmäßig als Kino herhalten. Und der geplante Festival-Neubau stockt seit längerem, Asbestfunde im Boden sorgten über Jahre hinweg für eine klaffende Lücke nur wenige Meter vom roten Teppich entfernt. Wirklich stören tut es aber nur wenige. Es ist wie mit einer alten Wohnung, die längst schon mal hätte renoviert werden müssen - die Besucher arrangieren sich mit den Unannehmlichkeiten.

Barbera bringt frischen Wind ans Lido

Der neue Festivalleiter Alberto Barbera, seit 2012 im Amt, bemüht sich außerdem um frischen Wind, auch im diesjährigen Programm. Auf den ersten Blick ist da zwar wenig Neues zu erkennen: Von 20 Wettbewerbsbeiträgen stammen 18 - wie so oft bei den großen Festivals - von Männern, die meisten sogar von Regisseuren jenseits der 50. Dazu gehören etablierte Regiegrößen wie Stephen Frears, Hayao Miyazaki und Terry Gilliam, allesamt 72 Jahre alt.

Newcomer mit am Start
Dennoch gibt es Debüts und mehrere jüngere Regisseure, die für so manch spannende Neuentdeckung gut sein könnten, darunter der Kanadier Xavier Dolan (24), der mit "Tom a la ferme" ein Familiendrama vorlegt. Ebenfalls ein Novum: Um den Hauptpreis, den Goldenen Löwen, konkurrieren zum ersten Mal zwei Dokumentationen. "Im modernen Kino gibt es immer mehr Überschneidungen zwischen fiktionalen Filmen und Dokumentationen", erklärte Barbera kürzlich, und diesen Trend wolle das Festival betonen. So wirft nun zum Beispiel Oscar-Preisträger Errol Morris in "The Unknown Known" einen kritischen Blick auf den ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und dessen Verwicklungen in den Irakkrieg.

Starreigen in Venedig
Ohne Stars geht es natürlich auch nicht - und die haben sich in diesem Jahr wieder zahlreich angekündigt. George Clooney und Sandra Bullock eröffnen das Festival mit "Gravity", einem im All spielenden Drama. Lindsay Lohan, die zuletzt eher mit ihren privaten Eskapaden Schlagzeilen machte, ist in einem US-Thriller zu sehen und Scarlett Johansson stellt das Alien-Stück "Under the Skin" vor. Christoph Waltz und Matt Damon werden für Gilliams "The Zero Theorem" über einen Computer-Hacker erwartet, und Jungstar Zac Efron gerät in "Parkland" in das Chaos nach der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy.

Geburtstags-Zuckerl
Zum Jubiläum hat sich das Festival außerdem einen besonderen Clou ausgedacht: 70 Kurzfilme von 70 Regisseuren aus der ganzen Welt werden während der diesjährigen Ausgabe gezeigt. Außerdem wurden zahlreiche Beiträge historischer Wochenschauen restauriert und sollen ebenfalls auf dem Lido zu sehen sein. Barberas Ziel: Vergangenheit und Zukunft des Kinos an einem Ort zu vereinen.

Die Kino-Highlights des Jahres 2013


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"Bad Fucking" - Groteskes Österreich-Sittenbild von Harald Sicheritz

Mit "Muttertag" oder "Hinterholz 8" hat Harald Sicheritz Komödien geschaffen, die tief im kollektiven Gedächtnis der Österreicher verankert sind. Nun wagte sich der Regisseur mit "Bad Fucking" an den grotesken Bestseller von Kurt Palm, der 2010 ein typisches Sittenbild zwischen Korruption, Spekulation und Mord zeichnete. Das Lachen bleibt einem dabei aber ab 20. Dezember meistens im Halse stecken.

© Thimfilm

"Carrie": Klassiker-Remake als blutiger Highschool-Horror

Das Remake eines Horrorklassikers wie "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" ist ein riskantes Unterfangen: das Original von 1976 erntete zwei Oscar-Nominierungen für Sissy Spacek und Piper Laurie und brachte Regisseur Brian De Palma ebenso den Durchbruch wie Autor Stephen King. Die modernisierte Neuauflage von Kimberley Peirce kann sich aber durchaus sehen lassen. Ab 6. Dezember im Kino.

© MGM

Ein richtig mieser Bulle: "Drecksau" nach Irvine Welshs Vorlage

Die Handschrift ist deutlich zu erkennen. Die Romanvorlage zum Skript von "Drecksau" stammt von Irvine Welsh. Der Autor hat das Buch zum Film "Trainspotting" geschrieben. Auch das Kriminaldrama "Drecksau" führt die Zuschauer nun in ein subversives Milieu voller Drogen - allerdings aufseiten der Behörden. Ab 29. November im Kino.

© Ascot Elite Filmverleih

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