Bayreuther Festspiele

Nazi-Tattoo-Eklat: Nikitin singt nicht

Evgeny Nikitin
© dpa/Claudia Levetzow
Russe legte Hauptrolle zur Eröffnung wegen Hakenkreuz - Tattoo zurück.
OE24 auf Google bevorzugen

Nach dem Eklat um den russischen Sänger Evgeny Nikitin und sein Nazi-Tattoo wird der südkoreanische Bassbariton Samuel Youn bei den Bayreuther Festspielen kurzfristig die Titelpartie in der Oper "Der Fliegende Holländer" übernehmen. Die Festspiele bestätigten am Sonntag einen Bericht der Onlineausgabe des "Nordbayerischen Kurier". Mit der "Holländer"-Neuinszenierung werden die Festspiele am 25. Juli eröffnet.

Besetzung im Netz schon ausgetauscht
Auf der Besetzungsliste der Festspielseite im Internet ist Youn schon als Holländer geführt. Das Ensemblemitglieder der Oper Köln war am Samstag bereits bei der Generalprobe eingesprungen. In Bayreuth sang er in den vergangenen Jahren meist kleinere Rollen. Nikitin hatte die Partie des Holländers am Samstag zurückgegeben, nachdem bekanntwurde, dass er sich als junger Mann Tätowierungen mit nationalsozialistischer Symbolik hatte stechen lassen.

Bayreuth hätte Nikitins Höhepunkt werden sollen

Dabei hätte Nikitins Auftritt in Bayreuth ein Höhepunkt seiner Karriere werden sollen. In der Klassik-Szene galt Nikitin, der auch schon bei den Salzburger Festspielen reüssiert hatte, zwar als Ausnahmeerscheinung, weil er damit kokettierte, früher einmal in einer Heavy-Metal-Band als Schlagzeuger gespielt zu haben. Gefährlich wurden ihm die Relikte aus der Vergangenheit auf der Haut aber erst in Bayreuth. Denn wer im Festspielhaus auf der Bühne steht, betritt geschichtsträchtigen Boden, der einst tiefbraun durchtränkt war. Adolf Hitler ging beim Wagner-Clan im Haus Wahnfried ein und aus. Auf dem Festspielhügel wehten Hakenkreuz-Fahnen. Jeden Anschein, man sei sich dieser Geschichte nicht bewusst, wollen die Festspiele vermeiden.

Vergangenheit schreckt auf

Man verpflichte eine Stimme, so Festspielsprecher Peter Emmerich. Was jemand auf der Haut trage, sei eigentlich nebensächlich. Dennoch hatten Filmaufnahmen, die Nikitin am Schlagzeug einer Metal-Band mit kahlrasiertem Kopf und verräterischem Tattoo oberhalb der Brust zeigen, Festspielleitung und Regisseur aufgeschreckt. Das ZDF hatte sie am Freitagabend in einem Beitrag über Nikitin ausgestrahlt. "Es gehörte einfach zu unserer Underground-Kultur", hatte der Sänger über seine Tattoos gesagt. Sie schienen ihm nicht mehr wichtig zu sein, sondern fast peinlich. Am Samstag hatten sich die Verantwortlichen dann mit dem Sänger aus Russland getroffen. Anschließend veröffentlichte Nikitin eine Erklärung, mit der er seine Auftritte in Bayreuth absagte. Damit blieb ihm wohl der Rauswurf erspart.

Die Kultur-Highlights des Jahres 2012


1 / 223

Kunsthalle Wien 2013/14: Von Thomas Bernhard bis Constantin Brancusi

Kunsthalle Wien 2013/14: Von Thomas Bernhard bis Constantin BrancusiVon Thomas Bernhard bis Constantin Brancusi reichen die Pläne, die der neue Leiter der Kunsthalle Wien, Nicolaus Schafhausen am 10. Jänner bekannt gegeben hat. Ein reduziertes, eher divers wirkendes Programm, das mit dem in den Presseunterlagen formulierten "prägnanten Profil" ("Thematische Gruppenausstellungen, Einzelpräsentationen internationaler KünstlerInnen, Retrospektiven bekannter VertreterInnen der Gegenwartskunst sowie Ausstellungen bislang noch weniger bekannter KünstlerInnen") noch nicht viel zu tun hat. In-Künstler findet man im Gegensatz zu früher nicht. Schafhausen: "Es geht selbstverständlich nicht um die Replizierung von Trends, sondern um die Kenntnis der Diskurslage."

© Stephan Wyckoff

Schnörkellos-leichter "Figaro" im neuen Festspielhaus Erl

Schnörkellos-leichter "Figaro" im neuen Festspielhaus ErlBot der Eröffnungsfestakt am 26. Dezember noch eine wilde Mischung aus Donizetti und Bartok, so hatte das neue Festspielhaus in Erl seine wahre Feuertaufe mit Mozarts "Le Nozze di Figaro" zu bestehen. Gustav Kuhn startete das Opernprogramm der ersten Winterfestspiele im kleinen Tiroler Dorf in seiner bewährten Doppelfunktion als Regisseur und Dirigent mit einer schnörkellosen Da Ponte-Produktion. Dabei strich der Maestro die Stärken dieses architektonischen und vor allem akustisch gelungenen neuen Festspielhauses heraus. Allgemeine Jubelsalven für Kuhn und seine vorwiegend jungen Sänger nach einem langen Mozart-Abend.

© tirolerfestspiele.at

Staatsoper: Salzburger "Ariadne auf Naxos" als Wiener Erfolg

Staatsoper: Salzburger "Ariadne auf Naxos" als Wiener Erfolg Kommt der Prophet nicht zum Berg, kommt der Berg zum Propheten: Nach der dissensbedingten Absage von Dirigent Franz Welser-Möst, der 2013 bei den Salzburger Festspielen mit Sven-Eric Bechtolf die "Cosi fan tutte" hätte inszenieren sollen, feierte am Mittwochabend (19. Dezember) die "Ariadne auf Naxos" der heurigen Festspiele in der Wiener Staatsoper ihre umjubelte Premiere - mit Welser-Möst am Pult und Sven-Eric Bechtolf als Regisseur. Vornehmlich auf sängerischer Ebene bot der begeistert aufgenommene Abend einige echte Entdeckungen.

© APA/HERBERT P. OCZERET

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden