Falsches Bild

„La Fêlure“ als Befreiungsschlag: Charlotte Casiraghis gnadenlose Abrechnung

Sie gilt als eine der verschlossensten Frauen des Fürstenhauses – nun überrascht Charlotte Casiraghi mit ungewohnt persönlichen Einblicken. In ihrem ersten Buch zeigt sich die Tochter von Prinzessin Caroline so verletzlich wie nie zuvor. 

Charlotte Casiraghi (39) legt heute ihr erstes Buch vor – und gibt darin weit mehr von sich preis, als es ihr öffentliches Image bislang vermuten ließ. „La fêlure“ („Der Riss“ oder „Die Bruchstelle“) heißt das Werk, das sich vordergründig mit den inneren Brüchen großer Schriftsteller und Denker auseinandersetzt. Wer genau liest, erkennt jedoch rasch: Zwischen den Zeilen erzählt Casiraghi auch ihre eigene Geschichte.

Charlotte Casiraghi veröffentlicht ihren Debütroman

Charlotte Casiraghi veröffentlicht ihren Debütroman "La fêlure"

© julliard

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Die Tochter von Prinzessin Caroline von Monaco gilt seit jeher als zurückhaltend, beinahe scheu im Umgang mit der Öffentlichkeit. Umso überraschender ist die Offenheit, mit der sie in ihrem Buch über Zweifel, innere Verletzlichkeit und ein dauerhaftes Gefühl der Verkennung schreibt. Bereits im Vorwort stellt sie klar, dass sie sich nie mit dem Bild identifizieren konnte, das von ihr gezeichnet wird: „Man hat mich oft auf ein Bild auf Hochglanzpapier reduziert, auf ein privilegiertes Traumleben.“ Ihre Herkunft stellt sie dabei nicht infrage – im Gegenteil. „Sie sind mein Glück, doch ich empfinde keinerlei Stolz darauf, da ich von ihnen profitiere, ohne dass sie das Ergebnis irgendeines Verdienstes wären“, schreibt sie über ihre Privilegien.

Projektionsfläche für die Öffentlichkeit

Was sie besonders schmerzt, ist die Kluft zwischen öffentlicher Wahrnehmung und innerem Erleben. „Alles, was mir wirklich wichtig ist – meine Überzeugungen, meine Persönlichkeit –, sieht kaum jemand durch dieses verzerrte Bild“, hält Casiraghi fest. Immer wieder beschreibt sie das Gefühl, zur Projektionsfläche geworden zu sein: „Was man von mir verlangt, ist, Stereotype zu verkörpern, die mit meiner Geburt in eine fürstliche Familie verbunden sind – und zu akzeptieren, dass mein Privatleben den absurdesten Kommentaren ausgesetzt ist.“


 

Bemerkenswert offen spricht sie auch über ihr mangelndes Selbstbewusstsein – ein Geständnis, das überrascht, gilt sie doch seit Kindertagen als Inbegriff von Eleganz und natürlicher Schönheit. „Ich hatte oft das Bedürfnis, zu schreien: Ich bin nicht die, für die ihr mich haltet“, schreibt sie. Nicht aus Selbstmitleid, wie sie betont, sondern aus dem tiefen Wunsch heraus, endlich richtig gesehen zu werden.

Tod des Vaters

Einen prägenden Einschnitt ihres Lebens verortet Casiraghi im Jahr 1990. Damals kam ihr Vater Stefano Casiraghi bei einem Rennboot-Unfall vor der Küste Monacos ums Leben, Charlotte war erst vier Jahre alt. Dieses Ereignis habe sie nachhaltig verändert: „Ich fühlte mich immer wie an den Rand der Landschaft gestellt“, beschreibt sie die Zeit danach – ein langsames Sich-Entfernen von der Welt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Buches liegt auf dem Ende von Beziehungen. Charlotte Casiraghi war von 2019 bis 2022 mit dem Filmproduzenten Dimitri Rassam verheiratet, dem Vater ihres zweiten Sohnes Balthazar (7). Dass sie sich im letzten Jahr der Ehe in den Schriftsteller Nicolas Mathieu verliebte, war öffentlich bekannt und traf Rassam nach eigenen Aussagen schwer.

Charlotte Casiraghi Dimitri Rassam
© Getty Images

Versteckspiel der Liebe

Über ihre aktuelle Beziehung verliert Casiraghi jedoch kaum Worte. Lediglich ein knapper Satz fällt in einem Interview mit der Tageszeitung „Libération“: „Ich bin nicht ledig.“ Auffällig bleibt, dass ihr Partner Nicolas Mathieu, der aus einfachen Verhältnissen stammt und mit Romanen über sozialen Aufstieg und Klassenunterschiede bekannt wurde, bislang bei großen offiziellen Anlässen nicht an ihrer Seite erschienen ist. In Monaco wird gemunkelt, dass seine deutliche Kapitalismus-Kritik bei Charlottes Mutter, Prinzessin Caroline, auf wenig Begeisterung stößt.

Mit „La Fêlure“ legt Charlotte Casiraghi jedenfalls ein Buch vor, das weniger höfische Distanz als vielmehr persönliche Bruchstellen offenbart – und damit ein ungewohnt nahes Bild einer Frau zeichnet, die ihr Leben lang aus der Distanz betrachtet wurde.

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