Sex sells – weshalb viele der rund 4 Millionen registrierten Creator:innen der Content-Sharing-Plattform versuchen, mit ihren „OnlyFans“-Beiträgen Geld zu verdienen. „Celeb Club“-Gründerin Lea Goldstein weiß, wie es geht. Das Interview.
Vor genau zehn Jahren wurde „OnlyFans“ von Tim Stokely – zunächst für den Austausch von Künstler:innen und Influenc:erinnen – in Großbritannien gegründet. Inzwischen ist die Online-Plattform für kostenpflichtige Abonnements (ab 18 Jahren) ebenso berühmt wie berüchtigt. Etwa 80 Prozent der Inhalte sind Schätzungen zufolge pornografischer Natur.
Über 300 Millionen Nutzer weltweit geben den rund 4 Millionen registrierten Creator:innen recht, dass es sich dabei um ein durchaus lukratives Geschäftsmodell handeln kann. Während durchschnittliche Creator:innen zwischen 200 und 500 Euro pro Monat verdienen, erzielen sogenannte Elite-Creator monatlich über 100.000 Euro! 10 Prozent kassieren etwa 1.000 Euro Monatsgage durch ihren Content.
Über 300 Millionen Nutzer weltweit zählt die Plattform OnlyFans.
Ein ernstzunehmendes Business
Ihre Erfolgsstrategie: „OnlyFans“ als ernstzunehmendes Business zu betrachten und dementsprechend fokussiert zu agieren. Wie das funktioniert, erklärt Lea Goldstein, Gründerin der Agentur CelebClub, die sich auf die maßgeschneiderte Betreuung von „OnlyFans“-Creatorinnen spezialisiert hat. Weil sie selbst die Mängel der Branche erlebte und den Bedarf an Professionalität und Seriosität erkannte. Lea Goldstein im MADONNA-Business-Interview:
Gamechangerin in Sachen Monetarisierung von Reichweite im Online-Content-Bereich: Lea Goldstein.
"Ich bringe als Frau in Führung nicht nur theoretisches Wissen mit, sondern echte Praxiserfahrung."
Frau Goldstein, Sie haben den Celeb Club aus eigener Erfahrung als OnlyFans-Creatorin gegründet. Was hat Ihnen damals am Markt gefehlt?
Lea Goldstein: Was mir am meisten gefehlt hat, war Empathie und echtes Verständnis für Frauen. Der Markt war stark zahlengetrieben, viele große Agenturen wurden von Männern geführt, ohne ein echtes Gespür für die emotionalen, mentalen und organisatorischen Herausforderungen, vor denen Creatorinnen stehen. Gerade als Einsteigerin hätte ich mir jemanden gewünscht, der seriös begleitet, der erklärt statt nur fordert, der Sicherheit gibt und Zusammenhänge verständlich macht. Nicht nur Ergebnisse sehen will, sondern den Menschen dahinter ernst nimmt. Genau diese Lücke wollte ich schließen. Celeb Club ist aus diesem inneren Mangel heraus entstanden.
Worin unterscheidet sich Ihre Premium-Agentur grundlegend von klassischen OnlyFans-Agenturen?
Goldstein: Ich bringe als Frau in Führung nicht nur theoretisches Wissen mit, sondern echte Praxiserfahrung aus dem Creator-Alltag. Ich weiß, wie es sich anfühlt, diesen Job selbst zu machen. Von Organisation und Struktur über Prozesse bis hin zu effizienten Abläufen im täglichen Business. Unsere Creatorinnen werden von einem professionellen Team betreut, das alle relevanten Bereiche abdeckt. Chatting, Content-Strategie, Planung, Analyse, Marketing.
Bei uns arbeiten je nach Größe fünf bis sieben Mitarbeitende an einer Creatorin. Das ist ein zentraler Unterschied. Gleichzeitig legen wir großen Wert auf ein familiäres, vertrauensvolles Verhältnis. Fragen, Unsicherheiten oder mentale Belastungen haben bei uns immer Raum. Zusätzlich erhalten unsere Creatorinnen Zugang zu Steuer- und Finanzexpertinnen, profitieren von fundierten Marketingstrategien und einer individuellen Positionierung, die auf langfristigen Erfolg ausgerichtet ist und nicht auf kurzfristige Trends.
Welche Frauen wenden sich an Sie – und an welchem Punkt stehen sie meist beruflich?
Goldstein: Zu uns kommen vor allem Creatorinnen, die bereits eine Reichweite aufgebaut haben oder auf OnlyFans schon sehr erfolgreich sind. Gleichzeitig arbeiten wir auch mit Frauen, die noch ganz am Anfang stehen, bei denen wir aber ein klares Potenzial sehen. Viele haben bereits erste Erfahrungen gesammelt oder sich über Social Media eine Community aufgebaut und stehen kurz davor, OnlyFans professionell zu starten. Was sie verbindet, ist der Wunsch nach Struktur, strategischer Begleitung und einem Umfeld, das sie ernst nimmt und ihnen hilft, den nächsten Schritt bewusst und nachhaltig zu gehen.
Auch Charlie Sheens Ex Denise Richards zählt zu den Top-Creatorinnen auf OnlyFans.
"Anfangs war es reine Neugier, doch sehr schnell hat mich das Geschäftsmodell fasziniert..."
Welche Frauen werden zu OnlyFans-Creatorinnen und wie kann man das oft unseriöse Image ausräumen?
Goldstein: Es sind Frauen, die mehr aus ihrem Leben machen wollen. Frauen, die zu ihrem Körper stehen, sich gerne ausdrücken und keine Angst vor Sichtbarkeit haben. Das unseriöse Image entsteht vor allem durch geldgetriebene Agenturen, die ausschließlich Umsatz maximieren wollen und das Image der Creatorinnen ignorieren. Mit Professionalität, klarer Positionierung und einem respektvollen Umgang mit sich selbst und dem Business wird OnlyFans zu einem modernen, selbstbestimmten Geschäftsmodell. Es ist nicht das Produkt, das unseriös ist, sondern der Umgang damit.
Wie sind Sie selbst zur Creatorin geworden?
Goldstein: Ich bin über eine Freundin auf OnlyFans aufmerksam geworden, die mir offen von ihren Erfahrungen erzählt hat. Anfangs war es reine Neugier, doch sehr schnell hat mich das Geschäftsmodell fasziniert. Es ist flexibel, digital und bietet enorme Möglichkeiten, eigenständig etwas aufzubauen.
Mir war kein anderer Weg bekannt, mit dem ich meine finanziellen Ziele so schnell erreichen konnte und der mir gleichzeitig Freude gemacht hat, ohne ein klassischer, langweiliger Standardjob zu sein. Wie in jedem ernstzunehmenden Business gilt jedoch auch hier: Langfristiger Erfolg entsteht durch Konstanz, Authentizität und strategisches Denken. OnlyFans ist kein Selbstläufer, sondern ein Unternehmertum in moderner Form.
Warum entscheiden sich immer mehr Creatorinnen bewusst dafür, OnlyFans nicht mehr allein zu betreiben?
Goldstein: Der Workload ist enorm. Wer OnlyFans wirklich professionell betreibt, muss Content produzieren, täglich chatten, Marketing planen, Zahlen analysieren und emotional präsent sein. Das lässt sich langfristig nicht alleine bewältigen. Ab einer bestimmten Umsatzgröße wird klar, dass ein Team kein Luxus ist, sondern notwendig. Wie in jedem anderen Business auch. Der Unterschied ist, dass viele Creatorinnen nicht das Risiko tragen möchten, selbst Mitarbeitende einzustellen, rechtliche Verantwortung zu übernehmen oder komplexe Systeme aufzubauen. In diesem Fall ist eine professionelle Agentur die richtige Lösung.
"Es ist nicht das Produkt, das unseriös ist, sondern der Umgang damit", so die Expertin über OnlyFans.
"Ein Umfeld schaffen, in dem sich Frauen geschützt fühlen"
Welche Rolle spielen psychologische Betreuung, klare Grenzen und Sicherheit in Ihrem Geschäftsmodell?
Goldstein: Eine sehr große. OnlyFans ist ein emotionales Business. Mentale Stabilität, Selbstwert und klare Grenzen sind entscheidend. Wir achten bewusst darauf, Überforderung zu vermeiden, individuelle Limits zu respektieren und ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Frauen geschützt fühlen. Der Austausch mit anderen Frauen ist dabei genauso wichtig wie die Gewissheit, bei Problemen nicht allein zu sein. Egal ob es um mentale Themen oder konkrete Herausforderungen wie Leaks geht. Für alles gibt es Lösungen.
Sie sagen, 2026 wird ein Wendepunkt für Creatorinnen. Inwiefern wird sich der Markt für weiterentwickeln?
Goldstein: Es wird im Grunde nur noch zwei Wege geben. Der erste ist, alles allein zu machen oder bei der falschen Agentur zu sein. Umsätze werden durch veränderte Marktbedingungen sinken, der Aufwand steigt, die Konkurrenz nimmt zu und Reichweite wird immer schwerer aufzubauen.
Für viele wird sich das Business langfristig nicht mehr lohnen. Der zweite Weg ist die Zusammenarbeit mit einer echten Premium-Agentur, die Marktveränderungen als Chance nutzt. Auch in schwierigen Märkten gibt es Gewinnerinnen, die überdurchschnittlich wachsen, während andere stagnieren. Diese Agenturen können jedoch nur begrenzt Creatorinnen aufnehmen, da echte Qualität nicht skalierbar ist. Deshalb lohnt es sich, frühzeitig einen dieser begehrten Plätze zu bekommen. Solche Agenturen kann man aktuell an einer Hand abzählen.