Mobbing & Magersucht

Markus Söders Tochter Gloria: "Ich bin durch eine tiefe Nacht der Seele gegangen"

Gloria-Sophie Burkandt wurde als Tochter des bayerischen Ministerpräsidenten bekannt. Jetzt möchte das 1,85 Meter-große Model mit eigenen Projekten und gesellschaftspolitischen Ideen punkten. MADONNA traf die Beauty in Wien zum Fotoshooting.  

Es gibt derzeit viel zu feiern im Hause Söder. Am 5. Jänner begeht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder seinen 59. Geburtstag. Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen wurde das neue Lebensjahr seiner Tochter Gloria-Sophie zelebriert.  

Mit Papa Markus Söder, seit 2018 bayerischer Ministerpräsident und seit 
2019 Parteivorsitzender der CSU.  

Mit Papa Markus Söder, seit 2018 bayerischer Ministerpräsident und seit 
2019 Parteivorsitzender der CSU.  

© Getty

Seelische Narben und Magersucht 

Voll Stolz zeigt sich der bekannte CSU-Spitzenpolitiker immer wieder mit der 27-jährigen Beauty – seinem Kind aus der Beziehung mit Medienkauffrau Ulrike Burkandt, die er einst in einem Sonnenstudio kennengelernt hatte. Die Beziehung zerbrach. Was blieb, ist heute ein gutes Vater-Tochter-Verhältnis – geprägt von „viel Liebe und guten Gesprächen“, wie Gloria-Sophie sagt. Inzwischen ist die 1,85 Meter-große in Deutschland nahezu so bekannt wie ihr – inzwischen vierfacher – Vater.

Als Model und Influencerin, aber auch durch TV-Auftritte wie im letzten Jahr in einer Wissensshow, in der sie einem „Blackout im Kopf“ zum Opfer fiel – und gleich mal böse Schlagzeilen erntete. Mobbing ist für Gloria-Sophie Burkandt jedoch leider nichts Neues. In der Schule wurde sie oft wegen ihrer Größe und ihrer Figur ausgegrenzt. Die Folge: seelische Narben, die sie sogar in die Magersucht trieben.

In Amerika wurde Gloria-Sophie schließlich dafür gefeiert, worüber man in Europa gelästert hatte. Heute ist die Single glücklich über ihre außergewöhnliche Größe, ihre Karriere, vor allem aber hat die 27-Jährige, die derzeit an einer TV-Dokumentation und einem Buch-Projekt arbeitet, noch viel mehr vor, als vor der Kamera zu stehen. Dass dies durchaus mit Politik zu tun hat, verrät Burkandt im MADONNA-Interview.  

Die Tochter des Bayerischen Ministerpräsidenten startete in den USA ihre Modelkarriere. 

Die Tochter des Bayerischen Ministerpräsidenten startete in den USA ihre Modelkarriere. 

© Chris Singer

"Ich definiere mich nicht über meinen Vater" 

Auf Google werden Sie meist als „Tochter von Markus Söder“ bezeichnet – nicht als Model oder Influencerin. Stört Sie das oder können Sie damit gut leben?
Gloria-Sophie Burkandt:
Ich kann gut damit leben, weil ich eine eigenständige Persönlichkeit bin und mich nicht über meinen Vater definiere. Mein Vater ist für mich eine sehr inspirierende Persönlichkeit. Er hat mir viel fürs Leben mitgegeben, mich motiviert und mir auch viele Tipps gegeben – zum Beispiel im Umgang mit Menschen, auch im beruflichen Kontext. Das hilft mir sehr. Natürlich glauben viele, ich hätte automatisch dieselbe politische Meinung wie mein Vater. Dabei bin ich politisch neutral. Trotzdem ist es nicht einfach, eine eigene Karriere aufzubauen, wenn man so einen starken Vater hat. Er steht auf einem sehr hohen Level, und ich habe ebenfalls große Ziele. Diese Ambitionen habe ich aber auch genau deshalb, weil er mir vorgelebt hat: Du kannst bei null anfangen und dir etwas aufbauen.

Was möchten Sie sich konkret aufbauen?
Burkandt:
Ich möchte Menschen bewegen, inspirieren, gesellschaftspolitisch etwas bewirken. Und vielleicht würde ich gar nicht so groß denken, wenn ich nicht meinen Vater als Vorbild hätte.  

Sie arbeiten ja nicht nur als Model und Influencerin – welche konkreten Ambitionen haben Sie?
Burkandt:
Ich arbeite nebenbei als Model in New York und bin bei Elite Models unter Vertrag. Das macht mir Spaß, ist aber vor allem ein Weg, Geld zu verdienen. Gleichzeitig habe ich ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen, schreibe gerade meine Doktorarbeit und engagiere mich stark in sozialen Projekten. Inhaltlich beschäftige ich mich sehr mit dem Thema Generationswechsel – insbesondere mit der jungen Generation. Ich sehe einen großen Konflikt zwischen Alt und Jung. Die bestehende Macht muss mit neuer Energie verknüpft werden, und genau daran möchte ich arbeiten. Ich möchte Unternehmen beraten und dabei helfen, sich auf diesen Wandel vorzubereiten. Parallel dazu organisiere ich Selbstverteidigungskurse für junge Frauen ab 14 Jahren. Diese Kurse werden teilweise von den United Nations finanziell unterstützt. Mir ist es extrem wichtig, junge Frauen zu stärken – mental wie körperlich. 

"Ich wurde wegen meines 
Aussehens gemobbt", erzählt Gloria-Sophie Burkandt über schwere Zeiten 
in ihrer Jugend.

© Chris Singer

"Nur vor der Kamera zu stehen, interessiert mich nicht."

Wieso ist Ihnen das so wichtig?
Burkandt:
Ich wurde selbst in der Schulzeit stark gemobbt und wusste lange nicht, wie ich mich verteidigen kann. Ich bin auch magersüchtig geworden, weil ich dachte, meine Figur wäre nicht gut. So geht es unzähligen Mädchen. Egal ob vor Übergriffen oder Mobbing: Wir müssen Frauen stärken, damit sie sich schützen können! Ich habe nun eine gewisse Öffentlichkeit – und die möchte ich sinnvoll nutzen. Nur vor der Kamera zu stehen, interessiert mich nicht.

Sie sind 1,85 Meter groß – war das auch ein Grund dafür, dass Sie gemobbt wurden?
Burkandt:
Ja, absolut. Ich war immer groß, habe nicht reingepasst und war eine Zeit lang übergewichtig. Ich wurde wegen meines Aussehens gemobbt. Deshalb musste ich mit Persönlichkeit punkten: über Interessen, über Bildung, über Leistung. Ich war gezwungen, mich über Inhalte zu definieren. Heute verdiene ich Geld mit dem Modeln, aber das erfüllt mich nicht. Komplimente über mein Aussehen bewegen mich nicht. Ich habe das Gefühl, dass ich eine andere Aufgabe habe – junge Menschen an die Hand zu nehmen, ihnen Mut zu machen.Ich bringe auch ein Buch über den Generationswechsel heraus, in dem ich erkläre, wie Generation Z – und bald auch Generation Alpha – tickt.   

Und wie genau tickt sie?
Burkandt:
Uns motivieren Leidenschaft, Sinn und Umsetzung. Sätze wie „Das war schon immer so“ funktionieren nicht mehr. Viele junge Menschen glauben, mit ihnen sei etwas falsch, weil sie sich für vieles interessieren: Wissenschaft, Film, Mode, Gesellschaft. Dabei ist genau das typisch für unsere Generation.  

Sie selbst litt an Magersucht - jetzt will Gloria-Sophie jungen Menschen helfen. 

Sie selbst litt an Magersucht - jetzt will Gloria-Sophie jungen Menschen helfen. 

© Chris Singer

"Habe mich mit meinen Ängsten und Traumata auseinandergesetzt." 

Viele Arbeitgeber berichten, dass junge Menschen weniger belastbar seien oder Kritik schlecht aushalten. Wie sehen Sie das?
Burkandt:
Das ist ein Riesenthema. Ich glaube aber, dass die Verantwortung stark bei den Führungskräften liegt. Ich habe selbst erlebt, wie Motivation funktioniert: In meinem dualen Masterstudium bei Siemens hatte ich einen Chef, der mir vertraut hat, der klar, aber respektvoll kommuniziert hat. Der Ton macht die Musik. Die junge Generation ist sensibel, ja – aber nicht schwach. Junge Menschen spüren sofort, ob jemand innerlich im Reinen ist. Führungskräfte, die selbst überfordert oder unzufrieden sind, verlieren den Respekt der Jungen.

Ich arbeite aktuell mit meinem Professor an einer Studie dazu. Junge Menschen lassen sich nichts mehr von Leuten sagen, die ihr eigenes Leben nicht reflektiert haben. Deshalb sage ich: Nicht die Jungen müssen sich ändern, sondern die Älteren müssen lernen, anders zu führen. Viele junge Menschen fühlen sich nicht gesehen – weder mit ihren Visionen noch mit ihren Talenten. Und dann fehlt natürlich die Motivation. 

Manch einer sagt, die Generation Z ist komplett verweichlicht und nicht mehr leistungsfähig, was für unsere Wirtschaft zum Problem werden kann. Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Erziehung und die Rolle der Eltern?
Burkandt:
Meine Eltern haben mich sehr frei erzogen. Ich durfte ausprobieren und eigene Entscheidungen treffen. Sie haben mir nie vorgeschrieben, was ich studieren soll. Bildung war wichtig – aber ohne Druck. Aber: Ich musste schon früh arbeiten und mein eigenes Geld verdienen. Auch wenn ich privilegiert aufgewachsen bin: Ich habe nicht automatisch alles bekommen. Das hat mir Bodenständigkeit beigebracht. Und das halte ich für enorm wichtig. Kinder zu sehr zu bemuttern, macht sie abhängig und unselbstständig.

Gloria-Sophie Burkandt im MADONNA-Talk mit Daniela Schimke.

Gloria-Sophie Burkandt im MADONNA-Talk mit Daniela Schimke.

© Chris Singer
 

Ich finde, Eltern sollten ihre Kinder früh zur Selbstständigkeit motivieren. Dann kommt es auch nicht zu der „Verweichlichung“, die Sie angesprochen haben und die durchaus existiert. Da stimme ich schon zu. Aber meist sind es die Ängste der Eltern selbst, die sie dann auf ihre Kinder übertragen. Dabei haben junge Menschen eine starke Intuition. Man muss ihnen vertrauen – und auch loslassen können. Natürlich braucht es Werte und Respekt, da darf man streng sein. Aber in der Entfaltung sollte man Freiheit geben. Ich denke, Vertrauen lautet das Schlüsselwort.   

Stichwort Vertrauen und Selbstvertrauen. Sie sprechen offen über Ihre Magersucht. Wie sind Sie da herausgekommen?
Burkandt:
Ich hatte einen klaren Wendepunkt. Ich habe gemerkt, dass die Modeindustrie nicht mein Weg ist – zumindest nicht mein einziger. Ich habe mir vorgestellt, welche Frau ich eines Tages sein möchte – und das hatte nichts mit Abmagern oder Laufstegen zu tun. Ich wollte Energie haben, um etwas zu bewegen. Dafür muss man gesund sein, essen, leben. Der Schlüssel war für mich Sinn. Jeder Mensch hat eine Aufgabe – sie zu finden, ist schwer, aber entscheidend. Ich bin durch eine tiefe Nacht der Seele gegangen, habe mich mit meinen Ängsten und Traumata auseinandergesetzt. Diese innere Arbeit ist essenziell – übrigens auch für Führungskräfte. 

Söders Tochter Gloria im MADONNA-Shooting in Wien. 

Söders Tochter Gloria im MADONNA-Shooting in Wien. 

© Chris Singer

"Politische Karriere? Wer weiß, was in zehn oder zwanzig Jahren ist..." 

Warum sind Sie nicht längst in der Politik, um die jungen Wähler:innen anzusprechen?Burkandt: Solange mein Vater politisch aktiv ist, kommt das für mich nicht infrage. Aber ich gehe meinen Weg gesellschaftspolitisch. Menschen zu bewegen, ihnen Mut zu machen – das erfüllt mich. Und wer weiß, was in zehn oder zwanzig Jahren ist. Im Moment bin ich einfach dankbar für meine Familie, für die Stärke meiner Mutter und für einen Vater, der auch jungen Menschen zuhört. Das ist nicht selbstverständlich.

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