Skandal um Nazi-Torten

Maria Enzersdorf

Skandal um Nazi-Torten

Mehlspeisen mit Hakenkreuz. Konditor von Kunden angezeigt.

Die Café-Konditorei Tortendesign in Maria Enzersdorf bietet interessierter Kundschaft Süßes in ganz besonderer Form: Torten für jeden Anlass im NS-Design. Das Sortiment reicht vom Backwerk mit einer zum Hitlergruß gestreckten Hand bis zur Mehlspeise mit der Aufschrift "Meine Ehre heist Treue" (Rechtschreibfehler inklusive). Nicht weniger geschmacklos die Torte für die Taufe: Ein Baby aus Zuckerguss liegt auf einem Hakenkreuz.

Die Ungeheuerlichkeiten werden nicht einmal unter der Theke feilgeboten. ­Bäcker Manfred K. (46) hat sie in eine Mappe mit bunten Bildern aufgenommen, mit der er stolz für seine Produkte wirbt.

Staatsanwalt bestätigt: "Fall wird geprüft"
Eine Café-Kundin, die auf ihre Jausen-Melange wartete und inzwischen in der Tortenmappe blätterte, verschluckte sich vor Entsetzen. Denn im Katalog-Teil "Für Erwachsene" werden neben Marzipan-Penissen auch die Torten im ­Nazi-Design angeboten. Empört verließ die Frau das Geschäft und informierte das Mauthausen-Komitee.

Diashow: Torten im NS-Design verkauft

Folge: Vorsitzender Willi Mernyi zeigte den Zuckerbäcker sofort wegen Wiederbetätigung und Verstoß gegen das Abzeichengesetz an.

"Der Fall liegt zur Prüfung bei uns", bestätigt Staatsanwalt Erich Habitzl in Wiener Neustadt.

"Wenn Sie wollen, backe ich auch Gaddafi"
Dem verdächtigen Konditor fehlt die Schuldeinsicht: "Vor acht Jahren habe ich diese Torten auf Bestellung gebacken", sagt Manfred K., "seither sind sie auch in meiner Mappe drinnen. Das war vielleicht ein Fehler." Der Bäcker schwört: "Ich bin kein Nazi. Ich erfülle nur individuelle Kundenwünsche. Wer jetzt etwa einen Gaddafi auf seiner Torte will, der kriegt ihn." Der Preis für das Spezialdesign liegt bei 90 Euro.

Manfred K. selbst könnte der Wahnwitz eine Vorstrafe kosten.



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