E-Paper Banner

Drohmail

Rattengift im Babybrei: Erpresser fordern 2 Millionen

In der Causa um die vergifteten Babykostgläschen von Hipp dürfte es sich tatsächlich um Erpressung handeln. Doch die Drohmail wurde zu spät entdeckt. 

Im brisanten Vergiftungsfall rund um die Babykostgläschen der bekannten Firma Hipp kommen immer weitere Details ans Licht. Wie die Presse berichtete, ist beim Unternehmen mit Sitz in Deutschland bereits am 27. März ein Droh-Mail eingegangen. Diese wurde aber übersehen und erst am 16. April, also mehr als zwei Wochen später, gelesen.

In dem Schreiben hatten die Erpresser vom Babynahrungshersteller gefordert, 2 Millionen Euro bis zum 2. April zu zahlen, ansonsten würde man die Babygläschen vergiften. Gedroht wurde laut dem Online-Bericht der Presse damit, zwei vergiftete Gläser in Tschechien und der Slowakei als auch welche in der Spar-Filiale in Eisenstadt zu platzieren. Die beiden ersten Babybrei-Gläschen wurden gefunden. Ein ungeöffnetes Glas konnte auch in Österreich sichergestellt werden. Doch von einem weiteren vergifteten Babybrei fehlt noch jede Spur.

Die Causa war am späten Freitagabend bekannt geworden. Konkret geht es um den Artikel "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" 190 Gramm. Dass Rattengift beigemengt worden sein könnte, zeichnete sich ab Samstagabend ab, Gesundheitsministerium und Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) sprachen daraufhin davon, dass "besondere Vorsicht geboten ist, bis der Fall vollständig aufgeklärt ist".

Bei Spar wurden umgehend sämtliche Artikel "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel" aus dem Sortiment genommen. "Bei 1.500 Filialen in Österreich war das eine ordentliche Menge", sagte Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann am Sonntag auf APA-Anfrage. Noch keinen Überblick hat man bei Spar, wie viele Gläser zusätzlich von Konsumentinnen und Konsumenten in die Filialen zurückgebracht wurden. 

 

Die Infografik informiert über Rattengift in Hipp-Gläsern der Sorte 'Karotten mit Kartoffeln' und zeigt auf einer Karte betroffene Orte in Österreich, darunter eine Spar-Filiale in Eisenstadt und Schützen am Gebirge. Es werden Handlungsempfehlungen gegeben: Gläser auf weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Boden, beschädigten Deckel oder fehlenden Sicherheitsverschluss prüfen, ungewöhnlichen Geruch beachten und bei Symptomen wie Blutungen oder Schwäche sofort Hilfe suchen. Quelle: APA.

 

 

Zwei vergiftete Gläschen

Das am Samstag in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) sichergestellte Gläschen, dessen Inhalt bei einer Untersuchung positiv auf Rattengift getestet wurde, war bei Spar in Eisenstadt gekauft worden, bestätigte Marban. Auch das zweite Produkt, das sich noch im Umlauf befindet, soll von dort stammen. Auf dieses Geschäft dürfte sich auch ein Hinweis an die Ermittler bezogen haben, der nach anfänglichen Erhebungen in Deutschland auf behördlichem Weg zur heimischen Polizei gelangt war. In Tschechien und der Slowakei seien ebenfalls markierte Gläser polizeilich sichergestellt worden, hieß es bereits am Samstagabend in einer Aussendung.

Hipp Rückruf
© APA/TOBIAS STEINMAURER

Indes hat die Staatsanwaltschaft Eisenstadt Ermittlungen wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung aufgenommen, wie Behördensprecherin Petra Bauer am Sonntag auf APA-Anfrage mitteilte. "Eine genaue toxikologische Untersuchung des sichergestellten Glases wurde angeordnet", sagte Bauer. Es gehe jetzt vorrangig "um Gefahrenabwehr", skizzierte sie den derzeitigen Ermittlungsstand.

Kein Foto wegen Nachahmer-Gefahr

Ein Foto des am Samstag sichergestellten Glases veröffentlicht die burgenländische Polizei indes nicht. Marban verwies hier auf die Gefahr möglicher Nachahmer, insbesondere hinsichtlich des weißen Aufklebers und des roten Kreises am Glasboden. Dass es in der Causa um Erpressung geht, bestätigte Marban nicht. Generell äußerte er sich auch nicht zu konkreten Ermittlungsschritten und möglichen Verdächtigen. Es gebe laufende Ermittlungen in Deutschland, "die ich nicht konterkarieren möchte". Welche deutsche Region betroffen ist, ließ der Polizeisprecher ebenfalls offen.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord bestätigte der APA inzwischen Ermittlungen in Deutschland. Zuvor hatte die deutsche Presseagentur dpa berichtet, dass die Kriminalpolizei Ingolstadt die Erhebungen führt und koordiniert und in engem Kontakt mit dem Unternehmen steht. Deutschland sei nicht von manipulierten Hipp-Gläschen betroffen. Hipp hat jedoch seinen Firmensitz in Pfaffenhofen an der Ilm in Bayern. Weitere Einzelheiten wurden aus ermittlungstaktischen Gründen laut dpa nicht genannt, auch eine Erpressung wurde nicht bestätigt. Gegenüber der APA hieß es seitens des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord, dass am Sonntag keine Auskunft mehr zu dem Fall erteilt werde.

Weiterhin bittet die heimische Polizei auch um Hinweise unter der Telefonnummer +43-5913310-3333. Hier seien seit dem späten Freitagabend "viele Telefonate von besorgten Bürgerinnen und Bürgern eingegangen", zog Marban Zwischenbilanz. Die Exekutive mahnte auch zur Vorsicht, vor allem in Bezug auf das möglicherweise manipulierte Behältnis, das noch im Umlauf sein dürfte. Die Bevölkerung solle "aufmerksam bleiben" und schauen, "ob vielleicht ein Glas in den letzten Tagen gekauft worden ist und man noch nicht darauf gekommen ist", betonte Marban im APA-Gespräch. Nach aktuellem Ermittlungsstand seien verdächtige Produkte erkennbar an einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden. Hinzu komme ein geöffneter oder beschädigter Deckel und ein fehlender Sicherheitsverschluss, wodurch das sogenannte Knack-Geräusch beim ersten Öffnen fehlt. Das bereits sichergestellte Produkt habe zudem in Konsistenz und Geruch verdorben gewirkt, skizzierte Marban.

Fehler im Artikel gefunden? Jetzt melden.
OE24 Logo
Es gibt neue Nachrichten