Hürden sollen fallen

Fernwärme-Turbo für 200.000 Haushalte durch Geothermie

Wien soll unabhängig von teuren Gasimporten werden. Ein neuer Vorstoß im Parlament macht jetzt Druck auf die Regierung, damit die gesetzlichen Bremsen für die Geothermie endlich fallen. 

Tief unter der Erde, insbesondere im Wiener Becken, schlummert eine Energiequelle, die die Stadt unabhängiger von teuren Gasimporten machen kann. Der Nationalrat verabschiedet heute einen entscheidenden Antrag, der den Ausbau der tiefen Geothermie massiv beschleunigen soll. Diese Form der Energiegewinnung gilt als besonders verlässlich, da sie völlig wetterunabhängig und rund um die Uhr grüne Wärme liefert.

Fernwärme für 200.000 Haushalte

Experten schätzen das Potenzial in den tiefen Erdbereichen Österreichs auf eine thermische Leistung von bis zu 1000 Megawatt. Bisher wurde jedoch nur ein kleiner Bruchteil von etwa 10 bis 15 Prozent tatsächlich genutzt. Vor allem für die Wien sind die Aussichten vielversprechend, da das Wiener Becken als idealer Standort für solche Projekte gilt. Rund drei Kilometer unter der Stadt lagert heißes Wasser, das laut Berechnungen der Wien Energie in Zukunft etwa 200.000 Haushalte mit Fernwärme versorgen kann.

"Geothermie kommt zu 100 Prozent aus Österreich. Sie muss nicht durch die Straße von Hormuz, kein Oligarch, kein Diktator kann uns den Energie-Hahn zudrehen. So machen wir uns schrittweise unabhängig von Diktatoren und Krisen und schauen auf unsere Umwelt“, so SPÖ-Klubvize und Umweltsprecherin Julia Herr.

Rechtliche Hürden sollen fallen

Obwohl die technische Expertise vorhanden ist, scheiterten viele Vorhaben bisher an der komplizierten Gesetzeslage. Wer in Österreich ein Grundstück besitzt, dem gehört der Boden theoretisch bis in die unendliche Tiefe. Da Bohrungen oft schräg verlaufen und hunderte Grundstücke unterqueren, konnte bisher jeder einzelne Eigentümer Einspruch erheben. Das sorgte für massive Unsicherheit bei den Projektentwicklern, während die Förderung von Erdöl oder Erdgas rechtlich bisher deutlich einfacher geregelt war.

Der heutige Antrag, der von allen Parteien im Ausschuss beschlossen wird, fordert die Bundesregierung dazu auf, diese Hürden zu beseitigen. Noch in diesem Jahr will die Bundesregierung die erforderlichen Gesetzesänderungen beschließen. Gleichzeitig wollen die Regierungsparteien konkrete Ziele für den Ausbau der Geothermie festlegen. Im Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz, für das die Regierung eine Zweidrittelmehrheit braucht, sind konkrete Bundesländer-Ziele vorgesehen.

Wien soll bis 2030 rund 500 Millionen Kilowattstunden Geothermie erschließen, Niederösterreich 200 Millionen Kilowattstunden. "Der Abbau gesetzlicher Hürden würde den Ausbau stark beschleunigen und damit den Gasausstieg insgesamt vorantreiben“, betonte zuletzt auch Wiens SPÖ-Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky.

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