Politik-Insider

Kickls Kanzlerplan und die Rolle von Kurz

Wie Kickl Kanzler werden soll. Und wie ihm Sebastian Kurz dabei helfen soll

„Ja, natürlich will ich Kanzler werden“, sagt Herbert Kickl im oe24.TV-Talk. Aber auch „Scheitern“ sei „keine Schande“. Aber: Der FPÖ-Chef bastelt im FPÖ-Jubiläumsjahr – vor 70 Jahren trat die FPÖ erstmals bei Nationalratswahlen an – bereits an seinem Kanzlerplan. 

Das solle ihn von Jörg Haider unterscheiden, dem das „verwehrt“ geblieben sei.
Aber wie will Kickl das anlegen?

Kickl will Haiders Fehler vermeiden

Eher kompromisslos, sind sich Kenner des langjährigen Blauen einig.
Kickl habe aus den „Fehlern“ seines einstigen Vorbilds Haider gelernt.

Der Hauptfehler – so Kickl – sei gewesen, dass Haider 2000 die Nummer drei – ÖVP-Chef Wolfang Schüssel – zum Kanzler gemacht habe. Und, dass er nicht selbst in einer Regierung gegangen sei. Das war eine Art „Wählerbetrug“, sagte er in der oe24.TV-Diskussionssendung zu 70 Jahre FPÖ. Denn die Wähler hätten de facto Haider gewählt und hätten ihn in einer Regierung sehen wollen. 

70 Jahre FPÖ - Auf dem Weg ins Kanzleramt? | Talk Spezial mit Isabelle Daniel
© oe24.TV/Screenshot

Zudem habe es damit eine Art Doppel-Spitze gegeben, was eben nicht praktikabel gewesen sei.
Damit erklärt Kickl vor allem der ÖVP klipp und klar, dass er „in hundert Jahren“ nicht auf irgendwelche Deals dieser Art einsteigen oder als Nummer eins auf den Kanzlerjob verzichten würde.

Kickl träumt von ÖVP-Spaltung 

Der gebürtige Kärntner will tatsächlich – derzeit liegt die FPÖ in allen Umfragen bei rund 35 Prozent und damit meilenweit vor ÖVP und SPÖ – so stark werden, dass er selbst Kanzler würde. Sein konkretes Ziel: eher Richtung 40 Prozent gehen und dann mit einer stark geschwächten ÖVP gemeinsam regieren.
Die einstige Präferenz für rot-blau dürfte aufgrund der Datenlage – die Mehrheit der FPÖ-Wähler zieht eine Koalition mit der ÖVP vor – längst vorbei sein.

Jetzt hätte er – berichten Beobachter des Ober-Blauen – wohl am liebsten, dass sich die ÖVP spalte und er danach mit einer allfälligen „Liste Kurz“ von Sebastian Kurz eine Bundesregierung bilden könne.
Kurz war zwar jener, der ihn nach dem Ibiza-Video als Innenminister entlassen ließ, aber die zwei Herren dürften sich seither mehrfach ausgesprochen haben, berichten auch ÖVP-Insider.

Koalition Kickl-Kurz 

Daher würde es durchaus ein gemeinsames Ziel geben: eine Koalition Kickl-Kurz. Bloß, dass in der Variante von Kurz, er selbst Erster und Kanzler werden würde, in jener von Kickl wäre es genau umgekehrt.  

Der damalige Innenminister Herbert Kickl (FPÖ/l.) und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beim Pressefoyer nach einer Sitzung des Ministerrates am Mittwoch, 27. Juni 2018, in Wien.  

Der damalige Innenminister Herbert Kickl (FPÖ/l.) und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beim Pressefoyer nach einer Sitzung des Ministerrates am Mittwoch, 27. Juni 2018, in Wien.  

© APA/GEORG HOCHMUTH

In Sachen Themen will Kickl freilich kompromisslos bleiben: Die Null-Zuwanderung und „Festung Österreich“ bleiben Kernstück der Blauen. Dazu soll aber verstärkt auch der Kampf gegen die Teuerung und für ein „leistbares Leben“ kommen. Die „soziale Komponente“ – das hat er wiederum mit Haider gemeinsam – hält er für einen Schlüssel des Erfolges. 

Dem Ex-FPÖ-Wahlkampfmanager gehe es aber auch darum das Land – in seinen Worten „das System“ – wirklich umzubauen. Dabei hat er wohl eine Kombi aus Giorgia Meloni und Donald Trump (in der Innenpolitik) als Vorbilder. SPÖ und ÖVP denken nicht, dass Kickl am Ende einen Koalitionspartner finden werde. Ob sie ihn und die Lage nicht erneut unterschätzen?

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