Im Zeugenstand

Wutausbruch bei Gericht: Spion Ott zeigt auf seinen Ex-BVT-Chef Gridling und schreit

Im Zeugenstand beim Ott-Prozess ist heute Peter Gridling, der Ex-BVT-Direktor. Plötzlich verliert Spion Egisto Ott völlig die Nerven und schreit im Gerichtssaal.

Im Spionage-Prozess gegen den Ex-Chefinspektor im mittlerweile aufgelösten Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Egisto Ott, ist Ex-BVT-Direktor Peter Gridling als Zeuge befragt worden. Gridling schilderte, er habe im November 2017 "veranlasst, dass Anzeige erstattet wird", nachdem "ein befreundeter Partnerdienst" gemeldet hatte, Ott habe sich von seinem dienstlichen Account "klassifizierte Dokumente" an seine private Mail-Adresse geschickt.

"Ich habe Strafanzeige erstattet und eine Sicherheitsüberprüfung angeregt. Es gab etwas, das beweissicher war", gab Gridling am Donnerstag zu Protokoll. Es sei seine Dienstpflicht gewesen, in Absprache mit dem Ministerium die nötigen Schritte zu setzen: "Es muss das System angelegt sein, die nötigen Sicherheiten zu bieten."

Schon zuvor - nämlich Anfang 2017 - habe man vom selben befreundeten Partnerdienst Hinweise erhalten, Ott habe sich in seiner damaligen Funktion als Verbindungsbeamter in der Türkei mit Mitarbeitern der russischen Botschaft in Ankara getroffen. Von "auffallend verschiedenen Treffen" sei die Rede gewesen und der Verdacht geäußert worden, Ott könnte von russischer Seite "kultiviert" (angeworben, Anm.) werden bzw. worden sein. Dabei habe es sich aber "um keine beweistauglichen Informationen" gehandelt, betonte Gridling.

Aussetzer

Plötzlich verliert Ott völlig die Nerven und schreit im Gerichtssaal.  Der Spion zeigt auf seinen Ex-BVT-Chef Gridling und ruft: "Er ist Jurist noch dazu!" Vieles hier sei falsch, viele Fehler seien gemacht worden, klagt Ott. Danach beruhigt er sich wieder.

Ott "eine sehr selbstbewusste Persönlichkeit"

Bis November 2017 habe es bei Ott "Auffälligkeiten, die noch nicht das Niveau erreicht haben, dass Disziplinarmaßnahmen oder eine Strafanzeige notwendig gewesen wären" gegeben. Ott sei "eine sehr selbstbewusste Persönlichkeit" und habe "oft Schwierigkeiten mit Vorgesetzten und Kollegen" gehabt, skizzierte Gridling. Das habe dazu geführt, dass Ott am Ende in einer Position landete, "wo er als Einzelkämpfer tätig war". Ott hätte sich "benachteiligt" gefühlt.

Der achte Verhandlungstag hatte mit 35-minütiger Verspätung begonnen. Der mitangeklagte Polizeibeamte, der beim BVT als IT-Forensiker beschäftigt war, hatte es verkehrsbedingt nicht rechtzeitig ins Wiener Landesgericht für Strafsachen geschafft.

Ott steht wegen nachrichtendienstlicher Tätigkeiten zugunsten Russlands, Amtsmissbrauch, Bestechlichkeit, Verletzung des Amtsgeheimnisses und weiterer Delikte vor Gericht. Er weist sämtliche gegen ihn gerichteten Vorwürfe kategorisch zurück. Der Prozess ist vorerst bis 5. März anberaumt, es ist inzwischen aber klar, dass es zumindest einen weiteren Verhandlungstag geben wird.

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