CL-Finale

Duell der Superstars

Lionel Messi gegen Cristiano Ronaldo - im Champions League-Finale matchen sich die beiden besten Kicker der Welt um die wertvollste Klubtrophäe der Welt.

Lionel Messi (21) verkörpert das Spiel des FC Barcelona wie kein zweiter - schnell, unberechenbar, spektakulär und voller Torgefahr. Messi ist Argentinier, fußballerisch jedoch ein Kind Barcelonas. Dass sich Messi ausgerechnet im rot-blauen Trikot zu einem der besten Fußballer der Welt entwickelt hat, haben die Katalanen vor allem einem Mann namens Carles Rexach zu verdanken.

Die wichtigsten Fakten zu den Clubs

Schnäppchen
Rexach war nämlich jener Barca-Nachwuchstrainer, der den damals 13-jährigen Knirps 2000 nach einem Probetraining vom Fleck weg einen "Vertrag" unterschreiben ließ - auf einer Serviette. Seit diesem Tag ist Messi im Nou Camp zu Hause, sein aktueller Vertrag läuft bis 2014, zu haben wäre er nur für eine Ablösesumme von 150 Mio. Euro. In den Allerwertesten beißen muss sich hingegen Messis Ex-Club Newell's Old Boys.

900 Dollar pro Monat haben den Ausschlag über Messis Zukunft gegeben. Messi-Vater Jorge konnte sich nämlich in Zeiten einer großen Wirtschaftskrise in Argentinien die medizinischen Hormonstörungs-Behandlungen für seinen Sohn nicht leisten und suchte einen Verein, der Lionel aufnehmen und dafür gleichzeitig die notwendigen 900 Euro pro Monat übernehmen wollte. Den Old Boys aus Rosario war dies jedoch zu viel, River Plate aus Buenos Aires ebenfalls.

Barca profitiert
Deshalb versuchten die Messis ihr Glück auf der anderen Seite des Atlantiks in Spanien und fanden es in Barcelona. Die Arztkosten für den jungen Messi hat Barca mittlerweile wohl wieder hereingespielt. Seine ersten Auftritte auf der internationalen Bühne hatte Messi 2005 bei der U20-WM in den Niederlanden, bei der er die Argentinier als bester Spieler und Torschützenkönig zum Titel führte. Bei Barca debütierte Messi am 16. Oktober 2004 im Derby gegen Espanyol, am 1. Mai 2005 avancierte er mit einem Treffer gegen Albacete zum jüngsten Liga-Torschützen der Club-Geschichte (17 Jahre, 10 Monate, 7 Tage).

CL-Triumph
Den absoluten Durchbruch schaffte Messi in der Saison 2005/06, in der Barca auch die Champions League gewann. Im damaligen Finale gegen Arsenal hatte Messi jedoch verletzungsbedingt zuschauen müssen. In den Jahren 2007 und 2008 belegte er dann bei der Wahl zum FIFA-Fußballer des Jahres jeweils Rang zwei. 2008 musste er sich Cristiano Ronaldo geschlagen geben, mit dem er am Mittwoch in Rom im Champions-League-Finale gegen Manchester United die Klingen kreuzen wird.

Nachfolger von Maradona
Wie bei Barcelona trägt Messi auch im argentinischen Nationalteam die Nummer 10. Dass er als legitimer Nachfolger des nunmehrigen Teamchefs Diego Armando Maradona gesehen wird, liegt auf der Hand. Auch wenn man sich Messis geniales Tor im April 2007 gegen Getafe ansieht, bei dem starke Ähnlichkeiten zum "Jahrhundert-Treffer" Maradonas bei der WM 1986 gegen England zu erkennen waren. Charakterlich gibt es allerdings wenig Parallelen, im Gegensatz zur Erscheinung Maradona gibt sich Messi abseits des Rasens schüchtern und zurückhaltend.

Respekt
Sein Spitzname "La Pulga" ("Der Floh"), Messi wird aber auch Leo gerufen, bezieht sich auch auf sein schmächtiges Äußeres mit einer Größe von 1,69 m und einem Gewicht von 67 kg, neben Manchesters Starkicker Ronaldo (1,85 m/77 kg) wirkt Messi punkto Körperbau fast wie ein Schülerliga-Kicker. Nicht nur aus diesem Grund hat Messi vor dem Portugiesen großen Respekt. "Ronaldo ist ein großartiger Spieler, der die gegnerische Mannschaft aus der Balance bringen kann, wenn man ihm Platz gibt."

Doch für Messi steht vor dem großen Endspiel fest: "Wir haben in dieser Saison tollen Fußball gezeigt, deshalb wären wir der verdiente Gewinner dieser Trophäe. Wir wissen, dass wir kurz davor sind, Geschichte zu schreiben." Sollte Barca siegen, wäre es das erste spanische Team, das in einer Saison Meistertitel, Cup und Champions League gewinnt.

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Cristiano Ronaldo steht am Mittwoch vor einem weiteren Höhepunkt seiner Karriere. Der Portugiese greift mit Manchester United im Finale von Rom gegen den FC Barcelona nach dem zweiten Champions-League-Titel en suite, im Falle eines Endspiel-Sieges wäre auch die Wiederholung seiner Wahl zum Welt-Fußballer des Jahres wahrscheinlich.

Elfer verschossen
Noch im Vorjahr wäre Ronaldo im Finale der Königsklasse für United fast zum Buhmann geworden. Als einziger Spieler hatte der 24-Jährige im Elferschießen vom Punkt nicht getroffen, doch John Terry setzte jenen Elfer, dessen Verwandlung den Sieg für Chelsea bedeutet hätte, an die Stange - wenig später scheiterte auch Nicolas Anelka und der englische Meister war Champions-League-Sieger.

Schon davor hatte Ronaldo im Semifinale gegen Barcelona einen Strafstoß vergeben, was seine makellose Vereinssaison (bei der EURO 2008 kam im Viertelfinale das Aus) aber nicht wirklich trübte. 42 Tore hatte Ronaldo im Spieljahr 2007/08 erzielt, auch in dieser Saison brachte er es schon auf 25 Pflichtspiel-Treffer - und das, obwohl er zu Saisonbeginn wegen einer Knöchelverletzung mehrere Wochen ausfiel. Die Zahlen sprechen für sich. Ronaldo hat sein Image als trickreicher, aber ineffektiver Fußball-Zauberer längst abgelegt und ist im "Theatre of Dreams" zum großen Star gereift.

Insel-Kicker
Aufgewachsen war der kleine Ronaldo in einer Welt abseits von Glanz und Glamour, in ärmlichen Verhältnissen auf der Insel Madeira vor der marokkanischen Küste. Der Ehrgeiz und die Chance auf eine fundierte fußballerische Ausbildung trieben den damals schmächtigen Burschen mit elf Jahren auf das Festland - in die Akademie von Sporting Lissabon. Dort hatte er es gelernt, sich durchzubeißen. Wegen des ob seiner Herkunft eigenartigen Dialekts hatte er nicht nur eine Auseinandersetzung mit den Teamkollegen.

Goldgriff
Mittlerweile lacht er darüber. 2003 war ManU-Trainer Alex Ferguson in einem Testspiel auf den Portugiesen aufmerksam geworden, nachdem im Jahr davor bereits ein Transfer zu Liverpool gescheitert war. Der Wechsel - Manchester bezahlte 17,6 Millionen Euro für den damals 18-Jährigen - sollte sich als Goldgriff herausstellen. Ronaldo ist mittlerweile ein Vielfaches wert. ManUnited hatte im Sommer sogar ein Angebot über 100 Millionen Euro von Real Madrid abgelehnt. Die Wechselgerüchte wollen dennoch nicht abreißen, auch wenn er zuletzt betonte. "Mein Heim ist nun in Manchester. Selbst wenn ich sage, mein Herz ist hier, werden sich die Leute Sachen ausdenken. Aber ich will hier spielen."

Kompletter Spieler
Ferguson ist für Ronaldo voll des Lobes. "Er ist ein unglaublicher Fußballer, für mich derzeit der beste der Welt", sagt der Trainer über seinen Musterschüler, der im Nationalteam mit seinen 24 Jahren bereits bei 22 Toren (63 Länderspiele) hält. Dabei ist der Frauenschwarm alles andere als ein klassischer Strafraumstürmer. Ronaldo lebt von seiner Geschwindigkeit, seiner Technik und seinen unnachahmlichen Dribblings. Die Beidbeinigkeit ermöglicht es ihm, sowohl auf dem rechten, als auch auf dem linken Flügel zu spielen.

Schwieriger Charakter
Unumstritten ist Ronaldo dennoch nicht. Vor zwei Jahren war der Portugiese in England nur knapp der Ächtung entgangen, nachdem er im WM-Viertelfinale gegen England (3:1 i.E.) die Rote Karte für seinen United-Teamkollegen Wayne Rooney gefordert hatte. Die Zeichen waren auf Abschied gestanden, doch Ronaldo versöhnte die Fans mit Toren. Mittlerweile verzeihen ihm die Engländer sogar seinen früher als zu wenig zielorientiert geltenden Spielstil - und die unrühmliche Eigenart, sehr leicht zu Boden zu gehen.

Zuletzt füllte Ronaldo die Klatsch-Spalten, die sonst über seine oftmals wechselnden Freundinnen rätseln, mit einem Autounfall. An seinem Ferrari war Totalschaden entstanden, Ronaldo entstieg dem Fahrzeug unverletzt. "Ich bin ein glücklicher Mensch", erklärte der Weltfußballer, den seine Eltern 1985 nach dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan benannt hatten. Sein Vater verstarb im September 2005 - ein schwerer Schlag für Ronaldo, der in Manchester im Kreise seiner Familie lebt.

Eigene Modeboutique
In seiner Heimatstadt Funchal auf Madeira betreibt der Modellathlet, der unter anderem als Werbeträger für Nike, Pepe Jeans und Suzuki fungiert, mittlerweile gemeinsam mit seiner Schwester eine Modeboutique unter dem Label "CR7". Dort, wo der schmächtige Junge mit dem außergewöhnlichen Talent einst von der großen Karriere geträumt hatte.