CL Pokal

"Es geht nur ums Geld"

Österreich übt harsche Kritik an CL-Reform

Für österreichs Vereine wird es schwieriger in die Königsklasse zu kommen.

Die Champions-League-Reform der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ab der Saison 2018/19 ist ein Kniefall vor den Topclubs, die dadurch zusätzliche Fixplätze für die Gruppenphase erhalten und noch mehr Prämien kassieren werden.

Die vier Topnationen des UEFA-Nationenrankings bekommen demnach in zwei Jahren die Garantie, mit jeweils vier Clubs fix in der Königsklasse vertreten zu sein. Einen detaillierten Plan für die Neuverteilung der Startplätze will die UEFA aber erst im Dezember präsentieren, wie sie am Freitag im Vorfeld der Europa-League-Auslosung in Monaco mitteilte.

Doch schon jetzt steht fest, dass sie auf Kosten der mittleren und kleinen Fußball-Länder wie Österreich geht, da künftig nur noch vier Plätze (bisher fünf) über den Meisterweg für die Champions-League-Gruppenphase ausgespielt werden. Dies verriet UEFA-Wettbewerbsdirektor Giorgio Marchetti bereits am Freitag.

"Damit killt man den Wettbewerb"

Mit dieser Reform, die vorerst für drei Jahre bis zum Sommer 2021 gelten soll, beugt sich der Kontinentalverband also dem Druck der Top-Clubs, die sogar mit einer Abspaltung gedroht hatten. Auch die Geldverteilung soll zugunsten historisch erfolgreicher Vereine verändert werden. Derzeit führt Spanien das UEFA-Ranking vor Deutschland, England und Italien an.

Diese vier Nationen werden aufgrund ihres aktuellen Vorsprungs wohl auch in zwei Jahren an der Spitze stehen und damit am meisten von der UEFA-Reform profitieren. "Unfassbar! Gesellschaftspolitisch wird immer von Umverteilung geredet, damit die Reichen nicht noch reicher und die Armen nicht ärmer werden. Doch mit der Reform nimmt man den Armen noch mehr Geld weg", so die Reaktion von Bundesliga-Vorstand Christian Ebenbauer

"Dafür werden die großen Clubs gestärkt und bekommen noch mehr Geld, das ist Kapitalismus pur", sagte er weiter. "Fußball lebt ja vom Wettbewerb, aber diese Reform geht klar zulasten der mittleren und kleinen Verbände. Damit killt man den Wettbewerb."

Gibt es einen Aufstand der "Kleinen"?

Ab 2018/19 werden nämlich 26 statt wie bisher 22 Plätze der Gruppenphase bereits fix vergeben sein, neben den vier über die Meisterweg-Qualifikation sollen nur noch zwei (bisher fünf) über den Liga-Weg ausgespielt werden. Statt zehn werden also nur noch sechs Teams via Quali in die Gruppenphase einziehen können.

Somit wird auch der von Ebenbauer angesprochene Mittelbau geschwächt, denn die Nationen auf den Plätzen elf und zwölf (derzeit Tschechien und die Schweiz) werden dann keinen festen Startplatz mehr haben und müssen so wie Österreich ihren Meister in die Qualifikation schicken.

"Der Name Champions League wird damit ad absurdum geführt", betonte Ebenbauer und sprach auch die terminlichen Auswirkungen für Nationen außerhalb der Top Ten an, die nun noch früher in die Qualifikation einsteigen müssen. Er hofft daher auf einen Schulterschluss mit den anderen betroffenen Verbänden. "Mittlere und kleinere Ligen müssen sich zusammentun, denn so geht es nicht."

"Es geht nur ums Geld"

Liga und Verband in der Stellungnahme verwiesen darauf, dass man in keiner Weise in den Reformprozess eingebunden gewesen sei und meinten: "Es steht allein schon durch die unterschiedlichen Zutrittsvoraussetzungen fest, dass die Schere zwischen den europäischen Klubs noch größer wird." Dabei erwarte der ÖFB, in derartige Themen transparent und mit einer klaren Vorgangsweise eingebunden zu werden.

Windtner will dies auch im Rahmen des UEFA-Kongress im September in Athen betonen. "Wir werden uns bei der Wahl des neuen UEFA-Präsidenten auch daran orientieren, welcher Kandidat zukünftig die Interessen der kleinen und mittleren Verbände an besten vertreten wird", sagte Windtner.

Auch Österreichs Topclubs haben mit den Plänen logischerweise keine Freude. "Irgendwann werden wir den Achten, Neunten oder Zehnten einer Top-Liga auch noch in der Champions League haben", meinte etwa Rapid-Trainer Mike Büskens. "Es dreht sich immer nur ums Geld. Irgendwann wird das Spiel ganz auf die Seite geschoben und man ist nur noch Mittel zum Zweck."

Geldverteilung zugunsten der Großen

Einen generellen Modus-Wechsel gibt es in Champions League und Europa League aber nicht. Weiter wird mit acht beziehungsweise zwölf Gruppen gespielt, danach beginnt in beiden Wettbewerben die K.o.-Phase mit Achtelfinale bzw. Runde der letzten 32. "Unser Ziel war es, dass jeder Verband die Möglichkeit bekommt, die Wettbewerbe zu erreichen", erklärte UEFA-Generalsekretär Theodore Theodoridis. Die Chance mag zwar bestehen, für die meisten allerdings nur auf dem Papier.

Auch die Geldverteilung soll zugunsten erfolgreicher Clubs verändert werden. So wird der Teamkoeffizient, den prominente Clubs wie Champions-Leageu-Rekordsieger Real Madrid und Bayern München anführen, mit 30 Prozent nun erstmals berücksichtigt, der sogenannte Anteil aus dem Market Pool für alle Vereine aus einem Land dagegen von 40 auf 15 Prozent reduziert.

Einschnitte gibt es auch bei der fixen Startprämie. Die Gesamtsumme der finanziellen Ausschüttungen soll aber erhöht werden, versprach die UEFA. Dabei wird aber laut Ebenbauer interessant sein, wie die prozentuelle Verteilung zwischen Champions und Europa League am Ende des Tages aussehen wird.